KI nicht verschlafen: Wirtschaftsempfang richtet Blick auf Chancen für Mittelstand

Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsthema mehr, sondern längst in der Gegenwart angekommen. Diese Botschaft stand im Mittelpunkt des Wirtschaftsempfangs der Stadt Fürstenfeldbruck im Veranstaltungsforums Fürstenfeld. Rund 100 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft waren der Einladung gefolgt

Oberbürgermeister Christian Götz stellte in seiner Begrüßung die Bedeutung Fürstenfeldbrucks als Wirtschaftsstandort heraus. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten steige seit Jahren kontinuierlich und lag 2025 bei nahezu 17.000. „Fürstenfeldbruck gewinnt als Arbeitsplatzstandort zunehmend an Bedeutung“, sagte Götz. Zugleich verwies er auf Herausforderungen wie Fachkräftemangel, veränderte Märkte und den Druck auf den stationären Einzelhandel. Deshalb müssten die Rahmenbedingungen aktiv gestaltet werden.

Den fachlichen Impuls des Abends gab Christian Stummeyer mit seinem Vortrag „Megatrend Generative KI – Potenzial für den Mittelstand“. Der Professor für Wirtschaftsinformatik und Digital Commerce an der TH Ingolstadt zeigte live, wie Sprachmodelle, Bildgeneratoren und KI-Agenten bereits heute Texte erstellen, Daten auswerten, Übersetzungen liefern, Prozesse unterstützen oder Marketing- und Vertriebsarbeit erleichtern können.

Oberbürgermeister Christian Götz (l.) begrüßte Professor Christian Stummeyer als KI-Experten beim Wirtschaftsempfang.


"Mache mir Sorgen um den deutschen Mittelstand"

Stummeyer verband seine Demonstrationen mit einem klaren Appell: „Ich mache mir Sorgen um den deutschen Mittelstand.“ Während große Unternehmen Künstliche Intelligenz vielfach bereits systematisch einsetzten, bestehe bei kleinen und mittleren Firmen die Gefahr, Potenziale ungenutzt zu lassen. Wer sich nicht mit den Möglichkeiten beschäftige, riskiere langfristig Wettbewerbsnachteile. Aus seiner Sicht könne KI helfen, Arbeit einfacher, effektiver und effizienter zu machen – gerade auch mit Blick auf den Fachkräftemangel.

Dabei warb Stummeyer jedoch keineswegs für blinde Technikbegeisterung. Sprachmodelle könnten halluzinieren, also plausible, aber falsche Informationen liefern. Auch Datenschutz und Firmenwissen müssten sorgfältig geschützt werden. Die entscheidende Rolle des Menschen bleibe deshalb bestehen: prüfen, einordnen, verbessern und freigeben. Das Zukunftsmodell sei, so Stummeyer, das „Dreamteam aus Mitarbeitenden und KI“.

Wie eng Standortfragen, Fachkräfte und Innovation zusammenhängen, zeigte auch der kurze Austausch mit Leonhard Kade von ELLA Biotech. Das Unternehmen stellt in Fürstenfeldbruck kurze DNA-Fragmente her, die unter anderem in der molekularen Diagnostik benötigt werden. Für die Produktion brauche es besondere technische Voraussetzungen, erklärte Kade – von hohem Luftwechsel bis zu energieintensiven Anlagen. In Fürstenfeldbruck habe man dafür passende Bedingungen gefunden. Auch KI werde im Unternehmen bereits geprüft, allerdings mit der nötigen Vorsicht bei Datenschutz und geistigem Eigentum.

Start-ups und weitere Akteure im Dialog

Einen Einblick in die Arbeit der städtischen Wirtschaftsförderung gab Felix Kretz. Er verwies unter anderem auf das Job Speed Dating sowie das Innovationsnetzwerk im Landkreis, bei dem Unternehmen, Start-ups und weitere Akteure miteinander ins Gespräch kommen. Nadja Kripgans-Noisser, Projektleiterin der Stabsstelle Konversion Fliegerhorst, erläuterte zudem, wie die Stadt den Aufbau einer strategischen Gewerbeflächenentwicklung vorbereitet, die direkt beim Oberbürgermeister angesiedelt sein und ämterübergreifend wirken soll.

Beim anschließenden Austausch nutzten die Gäste die Gelegenheit, Kontakte zu vertiefen und neue Gespräche anzustoßen. Damit wurde der Wirtschaftsempfang erneut zu dem, was er sein soll: ein Forum für Vernetzung, Impulse und den gemeinsamen Blick auf die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Fürstenfeldbruck.




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