Hier schreibt der Oberbürgermeister

 Liebe Bruckerinnen, liebe Brucker,

in den vergangenen Wochen fanden in der gesamten Bundesrepublik große Proteste gegen rechtsextreme Gruppierungen und Fremdenfeindlichkeit statt. Der 21. Januar bildete dabei den Auftakt und allein in München waren an diesem Tag zwischen Odeonsplatz und Münchner Freiheit mehr als 100.000 Menschen auf der Straße. Auch wenn die Redebeiträge teilweise befremdlich oder als Themaverfehlung zu bezeichnen waren, so war die Stimmung doch sehr positiv und friedlich. An den folgenden Wochenenden setzten sich die Versammlungen und Kundgebungen fort und ich bin froh, dass auch Fürstenfeldbruck ein klares Zeichen für eine offene, tolerante und pluralistische Gesellschaft gesetzt hat. Vielen Dank an die Initiatorinnen und Initiatoren!
Inzwischen haben in ganz Deutschland weit mehr als 1.000.000 Menschen an solchen Veranstaltungen teilgenommen, darunter viele, die zum ersten Mal überhaupt eine Demo besuchten. Es macht den Eindruck, dass den vernünftigen und aufrichtigen Bürgerinnen und Bürgern ein wenig der Kragen geplatzt ist. Ganz offensichtlich hat eine breite, aber bisher stille Mehrheit erkannt, dass in unserer Gesellschaft und in der politischen Landschaft etwas schiefläuft. Die verstörenden, abstrusen und perfiden Botschaften einiger rechtspopulistischer Zündler und Rattenfänger haben zum Glück zu einem Aufwachen geführt. Gut so! 
In den sozialen Medien indes wird häufig die Frage gestellt, was diese Proteste denn bewirken sollen. Ich glaube, dass die Wirkung nicht unterschätzt werden darf. Denn zum einen kann eine solch positive Dynamik, wie wir sie gerade erleben, dazu führen, dass immer mehr Bürgerinnen und Bürger erkennen, wie wichtig es ist, sich aktiv an demokratischen Prozessen zu beteiligen. Möglicherweise steigt dadurch auch die Wahlbeteiligung. Zum anderen tut es aber einfach gut, inmitten von vernünftigen Menschen zu stehen, die die gleichen Werte wie Offenheit, Toleranz und Nächstenliebe teilen. Ein guter Auftakt für ein Jahr, in dem unser Grundgesetz seinen 75. Geburtstag feiert. 
In seiner beeindruckenden Rede Ende Januar im Bundestag, erinnerte der bekannte Sportreporter Marcel Reif an seinen jüdischen Vater, der die Shoah über-lebt hatte: „Drei Worte nur in dem warmen Jiddisch, das ich so vermisse: Sej a Mensch. Sei ein Mensch.“ Dieser einfache Ausspruch trifft den Kern. Wir sollten wieder näher zusammenrücken und erkennen, dass wir alle der gleichen Art angehören und nur gemeinsam die großen Herausforderungen der Zukunft meistern können. Schließlich haben wir einiges vor uns, auch in unserem beschaulichen Bruck: Inflation, knappe Kassen, Fachkräftemangel, Klimawandel und Energiewende, um nur einige Hausaufgaben zu nennen. 
Apropos Energiewende: Hier ist Bewegung zu erkennen, vor allem auf dem Gebiet der Windenergieanlagen. Gemeinsam mit unserer Tochter, den Stadtwerken Fürstenfeldbruck, wollen wir im Stadtgebiet Planungen für einige Windräder auf den Weg bringen. Wichtig hierbei ist, dass wir die Bruckerinnen und Brucker am Planungsprozess genauso beteiligen wie anschließend an den Gewinnen. Maximale Transparenz und Mitspracherecht sind hier entscheidend, um die nötige Akzeptanz zu schaffen. Das ist in meinen Augen wichtiger als das Tempo. Und auch dieses Projekt kann nur gelingen, wenn wir zusammenstehen und erkennen, dass es eine Zukunft mit fossilen Energieträgern für unsere Kinder und Enkel nicht geben kann. 

In diesem Sinne, packen wir es an! 

Ich wünsche ich Ihnen und Ihren Lieben schöne Vorfrühlingstage, bleiben Sie gesund und zuversichtlich. 

 Mit den besten Grüßen,

 Ihr Christian Götz
 Oberbürgermeister

Foto Bannerbild: Anne Kaiser




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