Sitzung des Konversionsausschusses vom März 2026

Gescheiterte Konversion: Kosten und Verträge sind jetzt Thema

Es war fast eine historische Sitzung: Ende März kam der Konversionsausschuss ein letztes Mal zusammen, denn die Aussicht auf eine baldige zivile Nutzung des Fliegerhorstes ist in weite Ferne gerückt.

Zur Vorgeschichte

Im Spätsommer 2025 hatte die Stadt die Nachricht erreicht, dass der Abzug der Bundeswehr auch in Fürstenfeldbruck – ursprünglich für 2030 geplant – angesichts der internationalen Sicherheitslage auf unbestimmte Zeit verschoben wird. Seitdem sucht die Verwaltung nach verbleibenden Entwicklungsmöglichkeiten für das Gelände.

Das Bundesverteidigungsministerium kündigte einen sogenannten Standortdialog mit den betroffenen Kommunen an. Gleichzeitig wurde im Oktober ein Moratorium verhängt: Die Bundes- anstalt für Immobilienaufgaben darf seitdem keine Flächen mehr veräußern, solange nicht geklärt ist, ob sie weiterhin militärisch benötigt werden.

Ein kurzfristiger Termin mit dem Ministerium am 19. März brachte jedoch kaum Neues. Es gebe weiterhin „keinerlei Entscheidung zur Nachnutzung“ und auch keine Klarheit darüber, welche Truppeneinheiten wann nach Fürstenfeldbruck kommen könnten, so Konversionsmanagerin Nadja Kripgans-Noisser.

Zwar habe das Ministerium seine Dialogbereitschaft betont und Gespräche ab April angekündigt. Dabei könne auch über die Freigabe kleinerer Teilflächen – etwa für Gewerbe – gesprochen werden. Konkrete Zusagen gibt es jedoch nicht.

Konsequenzen für die Stadt

Vor diesem Hintergrund hatte die CSU-Fraktion bereits im Herbst 2025 beantragt, sämtliche Konversionsmaßnahmen vorerst auszusetzen. Neue Planungen sollen erst dann erfolgen, wenn verbindlich feststeht, welche Flächen tatsächlich zur Verfügung stehen.

Die Verwaltung hat diese Linie bereits umgesetzt: Die Arbeiten an der Rahmenplanung wurden gestoppt, auch personell wurde reagiert. Eine Mitarbeiterin der Stabsstelle Konversion wechselte ins Bauamt.

Ein zentrales Thema der Sitzung war die finanzielle Belastung für die Stadt. Zwischen 2015 und 2025 wurden rund vier Millionen Euro in die Konversion investiert. Etwa 1,6 Millionen Euro konnten über Fördermittel gedeckt werden, sodass ein städtischer Eigenanteil von rund 2,34 Millionen Euro verbleibt.

Diese Kosten sollen im Rahmen der Gespräche mit dem Bundesverteidigungsministerium geltend gemacht werden. Eine vollständige Ermittlung bereits früher entstandener Kosten sei jedoch schwierig, da sie noch vor Einführung der doppischen Haushaltsführung angefallen sind und nur mit großem Aufwand rekonstruiert werden könnten.

Zweiter Bürgermeister Christian Stangl (Grüne) zeigte sich insgesamt skeptisch: „Wir können gegenüber dem Verteidigungsministerium letztlich nur die Bitte äußern, uns zu unterstützen.“ Es sei aus seiner Sicht eher wahrscheinlich, dass die Stadt „auf der vollen Summe sitzen bleiben wird“.

Andreas Lohde (FBM) betonte, dass ein Teil der Ausgaben langfristig der gesamten Stadt zugutekomme. Einige der getätigten Investitionen seien wichtige Grundlagen für die Stadtentwicklung – unabhängig vom Fliegerhorst. Im Blick hatte er den Verkehrsentwicklungsplan und das Gewerbeflächenentwicklungskonzept. Zugleich rief er dazu auf, alle politischen Kontakte vom Finanzministerium über die Regierung von Oberbayern bis zur Staatsregierung zu nutzen, um für Unterstützung zu werben. Christian Kieser, Leiter des Rechtsamts, plädierte für ein gemeinsames Vorgehen mit anderen betroffenen Kommunen: Man solle sich zusammenschließen und et-wa über den Städtetag gemeinsam auf das Ministerium zugehen. Diese Einschätzung teile auch Oberbürgermeister Christian Götz (BBV), wie Irene Weinberg (BBV) aufgrund dessen Abwesenheit ergänzte.

Verträge werden aufgehoben

Konkrete Konsequenzen hat die Entwicklung auch auf die vier bestehenden Verträge für die Rahmenplanung, die Verkehrsplanung, eine Wirtschaftlichkeitsanalyse und die Öffentlichkeits- arbeit. Diese ruhen bereits seit einiger Zeit. Inzwischen hat sich laut Verwaltung klar gezeigt, dass eine Fortführung der Arbeiten derzeit keinen Sinn ergibt. „Eine Teilfreigabe von Flächen ist kurzfristig nicht absehbar“, so Kripgans-Noisser. Deshalb sei man bestrebt, die Verträge einvernehmlich aufzulösen, um weitere Kosten zu vermeiden.

Parallel dazu laufen Gespräche mit der Regierung von Oberbayern als Fördermittelgeberin. Diese prüft derzeit Unterstützungsmöglichkeiten. „Die Regierung zeigt sich äußerst gesprächsbereit“, berichtete Kripgans-Noisser, auch wenn es noch keine verbindlichen Zusagen gebe.

Besonders intensiv sind die Gespräche mit dem Planungsbüro Adept, dem Planungsbüro, das den städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb zur Nachnutzung des Fliegerhorst- Areals gewonnen hatte und im Anschluss mit der Rahmenplanung beauftragt wurde. Laut Vertrag ist bei einer Kündigung ein Ausfallhonorar von bis zu 30 Prozent der noch offenen Leistungen möglich. Adept hat vorgeschlagen, dass die Stadt hiervon zunächst 25 Prozent zahlt. Weitere zehn Prozent würden nur dann fällig, wenn trotz der Vertragsauflösung zusätzliche Fördermittel aus München fließen sollten. Die Verwaltung hält eine einvernehmliche Lösung für den besten Weg. „Wir wollen kein Prozessrisiko eingehen“, so Kripgans-Noisser. Gleichzeitig müsse das Ziel bleiben, die vertraglich vereinbarte Obergrenze von 30 Prozent insgesamt nicht zu überschreiten.

Sie betonte zudem, dass man die Situation des Büros durchaus sehe: „Adept kann auch nichts für die veränderten Rahmenbedingungen.“ Das Unternehmen habe „in sehr kurzer Zeit eine wirklich tolle Leistung erbracht“. Eine faire Lösung sei daher angemessen.

Der Konversionsausschuss stimmte dem vorgeschlagenen Vorgehen einstimmig zu.

Planungszweckverband Technologiecampus liegt auf Eis

Der angedachte Technologiecampus im Nordosten des Fliegerhorst-Areals ist Vergangenheit. Grund hierfür waren unter anderem zu unkonkrete Planungen der Vorhabensträger. Auch kam der erforderliche Durchführungsvertrag inklusive Bestätigung der Durchfinanzierung nicht zustande, die Entwicklungsgesellschaft stieg letztlich aus dem Vorhaben aus.

Nadja Kripgans-Noisser berichtete im jüngsten Konversionsausschuss von einer Videokonferenz mit dem Bundesverteidigungsministerium, an der neben OB Christian Götz auch Maisachs Bürgermeister Hans Seidl teilgenommen hat. In diesem Termin bekräftigte Seidl das Interesse des Planungszweckverbands die Flächen im nord-östlichen Teil des Fliegerhorstes als Gewerbe- standort zu entwickeln. Das Ministerium verwies auf den anstehenden Standortdialog, um konkrete Flächenanfragen der Kommunen zu klären. Eine Entwicklung dieser Flächen sei demnach nicht ausgeschlossen, verbindliche Aussagen zu Umgriff oder Zeitschiene könnten jedoch nicht getätigt werden.

Vor diesem Hintergrund soll der Planungszweckverband als Instrument der nachbarschaftlichen Kooperation zwischen den beiden Kommunen dennoch weiter erhalten werden, damit zu gegebener Zeit Handlungsfähigkeit besteht.




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