Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Verkehr und Tiefbau vom 19. Mai 2026

Biodiversitätsstrategie für Bruck

Die Stadt erarbeitet derzeit eine eigene Biodiversitätsstrategie. Im Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Tiefbau stellten Anne Wendl und Paula Ringshandl von der landimpuls Gesellschaft für regionale Entwicklung mbH nun den geplanten Prozess vor. Beide Referentinnen sind Umweltplanerinnen und vertretungsberechtigte Geschäftsführerinnen des Büros.

Wendl erläuterte zunächst, was hinter dem Begriff Biodiversität steht: Gemeint sind die Vielfalt der Arten, die Vielfalt der Lebensräume und die genetische Vielfalt. Entscheidend sei, diese Bereiche zusammen zu betrachten, um Natur und Landschaft langfristig stabil und widerstandsfähig zu erhalten. Die kommunale Ebene spiele dabei eine besondere Rolle, weil Städte über eigene Flächen, Einrichtungen, Planungen und den direkten Kontakt zu Bürgerinnen und Bürgern konkrete Handlungsmöglichkeiten haben. Die Strategie sei ein Fahrplan, „wie man in einer Kommune die Biodiversität erhöhen und erhalten kann“.

Für Fürstenfeldbruck sind sechs Handlungsfelder vorgesehen: Offenland, Wald, Gewässer, Siedlung, Wertschöpfung sowie Naturerleben und Bewusstseinsbildung. Das Papier soll eine Vision für das Jahr 2040, eine Beschreibung der Ausgangslage, konkrete Ziele, einen Maßnahmenkatalog, Zuständigkeiten, relevante Akteurinnen und Akteure sowie eine Priorisierung enthalten. Ergänzend ist ein Biodiversitätsplan vorgesehen. Am Ende soll die Strategie dem Stadtrat zur Beschlussfassung im Mai 2027 vorgelegt werden.

Konkret wurden bislang bereits ein Strategiegespräch mit der Verwaltung geführt, naturschutzfachliche Daten ausgewertet und ein Fachgespräch mit örtlichen Vereinen, Behörden und Fachstellen durchgeführt. Als Grundlagen werden unter anderem Ergebnisse aus dem ISEK und der Strukturplan Landschaft und Umwelt herangezogen. Im Bestandsplan werden etwa das FFH-Gebiet rund um die Amperauen im Süden sowie landwirtschaftliche Nutzflächen im Nordwesten betrachtet.

Für das weitere Vorgehen sind zwei Workshops zentrale Bausteine. Für die erste Veranstaltung am 27. Juli lud Ringshandl bereits im Ausschuss zur Mitwirkung ein. Dort sollen Stärken und Schwächen benannt, erste Impulse gesammelt und sogenannte Starterprojekte ausgewählt werden. Diese sollen möglichst schon während der Erarbeitung anlaufen. Die Expertin betonte: „Wir werden unser Bestes geben, dass diese Strategie kein Papier für die Schublade wird.“

Überblick über Grün- und Landschaftsplanung

Im Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Tiefbau hat die Stadtverwaltung den Jahresbericht 2025/2026 zur Grün- und Landschaftsplanung vorgestellt. Erarbeitet wurde der Bericht von Sarah Wolter, Kathrin Kontaris und Raphaela Bolek aus dem Bereich Landschaftsplanung, Grünplanung sowie Spiel- und Sportanlagen.

Zu den größeren Objektplanungen zählen derzeit die Neugestaltung der Parkfläche an der Pucher Straße 7, die Platzfläche am AEZ sowie die Umgestaltung des Amperufers im Bereich Aumühle. Bei der Pucher Straße 7 sind Entwurfsplanung und Vorstellung im UVA abgeschlossen; die Ausführungsplanung läuft. Die Platzfläche am AEZ wird im Zusammenhang mit der Straßenplanung weiterbearbeitet. Für das Amperufer Aumühle liegen Vorplanung und Vorgespräche mit Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt vor; als nächste Schritte stehen das wasserrechtliche Verfahren und die weitere Planung der Sitzstufen an.

Ein weiterer Schwerpunkt sind Spiel- und Freizeitanlagen. Für den geplanten Inklusionsspielplatz Aumühle/Lände sind Grundlagenermittlung, Umgriff, Haushaltsmittel und Bodenuntersuchung abgeschlossen; Vorplanung und Abstimmung mit Inklusionsexperten laufen beziehungsweise stehen an. Wolter bezeichnete den Inklusionsspielplatz als „Riesenpunkt“. Außerdem werden Spielplätze laufend unterhalten, marode Zaunanlagen ersetzt und Bolzplätze weiter betreut. Auch ein Amper-Lehrpfad ist in Vorbereitung.

Vorgestellt wurden zudem ökologische Maßnahmen: Die Daten zu Ausgleichsflächen wurden aktualisiert und an das Landesamt für Umwelt nachgemeldet. Ein externes Monitoring wurde vergeben, einzelne Flächen wurden beschildert. Im Zusammenhang mit der Biodiversitätsstrategie sollen Startermaßnahmen wie „Stadtgrün naturnah“, „essbare Stadt“ und ein angepasstes Mahdregime (sprich: ein gezielter Bewirtschaftungsplan) von Grünflächen beim Straßenbegleitgrün weiterverfolgt werden.

In der Aussprache fragte Quirin Droth (FW) nach dem Stand der geplanten Fischtreppe im Nasenbach und bat darum, über das weitere Vorgehen zu informieren. Außerdem wies er auf Uferabsackungen im Bereich der AmperOase hin. Die Verwaltung nahm die Hinweise auf; zur Fischtreppe wurde festgehalten, dass die Planung bei den Stadtwerken liegt.

Malte Geschwinder (BBV) wiederum begrüßte den Start des Ausgleichsflächenmonitoring und sprach von einem Bereich mit „sehr großem Nachholbedarf“. Im Fokus stand als einzelner Punkte der Projektliste zudem die Zuständigkeit beim Umweltpreis.

Nachhaltigkeitsbroschüre, Refill-Stationen und Wärmeplanung

Wie lässt es sich in der Stadt nachhaltig und günstig leben? Wo kann man unterwegs kostenlos Trinkwasser auffüllen? Und welche Heizform kann künftig für welches Gebäude sinnvoll sein? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Jahresberichts des Klimamanagements, den Lucia Billeter im jüngsten Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Tiefbau vorgestellte.

Besonders bürgernah ist die neue Nachhaltigkeitsbroschüre der Stadt. Sie gibt alltagsnahe Hinweise, wie nachhaltiges Leben in Fürstenfeldbruck praktisch gelingen kann – etwa durch Leihangebote, ressourcenschonenden Konsum und Alternativen zum Neukauf. Billeter nannte als Beispiel Gegenstände wie Bohrmaschinen, die man „nicht immer selbst besitzen“ müsse.

Ebenfalls gestartet sind die Refill-Stationen. Dabei können Bürgerinnen und Bürger ihre mitgebrachte Trinkflasche kostenlos mit Trinkwasser auffüllen – in teilnehmenden Geschäften oder öffentlichen Einrichtungen, demnächst auch im Rathaus. Mehrere Stationen in der Innenstadt gibt es bereits, weitere Mitstreiter werden gesucht. Erkennbar sind die Orte über Aufkleber im Schaufenster; zusätzlich soll eine Karte veröffentlicht werden. Auf Nachfrage aus dem Ausschuss betonte Billeter, das Angebot solle auch ohne Handy funktionieren: Wer durch die Stadt läuft, könne an den Stickern erkennen, „da kann ich reingehen, da kriege ich was“. Besonders wichtig sei ihr, auch Seniorinnen und Senioren zu erreichen.

Ein weiteres zentrales Thema ist die kommunale Wärmeplanung. Die Ausschreibung und Beauftragung sind abgeschlossen, der Projektstart erfolgte Ende April. Derzeit laufen Bestands- und Potenzialanalyse, über Sommer und Herbst sollen Zielszenarien und ein Maßnahmenkatalog folgen. Es soll aufgezeigt werden, in welchen Bereichen ein Wärmenetz sinnvoll sein kann und welche Alternativen infrage kommen. Billeter machte deutlich, dass am Ende möglichst jedes Gebäude in Fürstenfeldbruck eine Orientierung erhalten soll – nicht nur zur Frage „Fernwärme ja oder nein“, sondern auch zu Optionen wie Wärmepumpe oder Solarthermie.

Für die Wärmeplanung ist auch die Abstimmung mit den Stadtwerken wichtig, die eine eigene so genannte Transformationsplanung erstellen. Damit ist gemeint: Die Stadtwerke prüfen, wie bestehende oder künftige Wärmenetze in Fürstenfeldbruck ausgebaut, modernisiert und Schritt für Schritt auf klimafreundliche Energiequellen umgestellt werden können. Erkenntnisse, die wiederum wichtig sind für die kommunale Wärmeplanung der Stadt, weil daraus ein realistisches Bild entstehen soll, wo Wärmenetze künftig eine Option sein können – und wo eher andere Heizlösungen infrage kommen.

Im Ausschuss wurde deutlich, dass beide Planungen eng zusammengeführt werden müssen. Stadtbaurat Johannes Dachsel erklärte, die Stadt habe die Stadtwerke aufgefordert, ihre Erkenntnisse zu übermitteln: „Wir brauchen diese Unterlagen natürlich auch für die kommunale Wärmeplanung.“ Nur wenn die Ziele zusammenpassen, kann daraus ein tragfähiges Zielszenario für Fürstenfeldbruck entstehen.

Auch aus diesem Grund wurde einstimmig ein Antrag beschlossen, die Stadtwerke bis Ende des Jahres in den Ausschuss einzuladen, um über den Stand der Wärme- und Transformationsplanung im Stadtgebiet zu berichten.

Weitere Themen des Berichts waren Beratungsangebote wie „Check mein Haus“, die Wärmepumpenbotschafter, die Ofenakademie, der Hitzeknigge, der Klimafonds sowie die Zusammenarbeit mit Stadtplanung, Grünplanung und Wirtschaftsförderung.

Verkehrsentwicklungsplan: Nächste Etappe für die Innenstadt

Im Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Tiefbau hat Claudia Gessner, Verkehrsplanerin der Stadt, den Jahresbericht 2025/2026 zum Verkehrsentwicklungsplan vorgestellt. Erarbeitet wurde er gemeinsam mit Elisa Straubinger aus den Bereichen Verkehrsplanung, Radverkehr und Mobilitätsmanagement. Gessner erläuterte, der Verkehrsentwicklungsplan umfasse zahlreiche Maßnahmen, die in mehreren Handlungsfeldern vorangebracht werden sollen. Seit dem Grundsatzbeschluss von 2021 werde kontinuierlich an der Umsetzung gearbeitet.

Ein zentraler Schwerpunkt ist die künftige Entwicklung der Innenstadt. Durch die Verlegung der B2 hat Fürstenfeldbruck seit April 2026 die Straßenbaulast für Augsburger Straße, Hauptstraße und Münchner Straße bis zum Abzweig Emmeringer Straße erhalten. Damit liegen wesentliche Gestaltungsmöglichkeiten nun bei den Rathaus-Verantwortlichen. In der Präsentation wird das Vorhaben unter dem neuen Projektnamen „Verkehrsoptimierung Innenstadt“ geführt. Aktuell wird ein Konzept zur weiteren Vorgehensweise erarbeitet – unter anderem mit Blick auf die Sanierung der Amperbrücke, bestehende Planungen, vorhandene Grundlagen, bekannte Wünsche und Ideen sowie die Beteiligung von Politik, Bürgerschaft, Rundem Tisch Radverkehr, Institutionen und Anliegern. Auch die Prüfung eines dritten Amperübergangs soll nach Möglichkeit in die Konzepterstellung einfließen. Als Leitgedanke wurde formuliert: „Eine Innenstadt von allen für alle mit allen“.

Auch weitere Projekte aus Verkehrsplanung, Radverkehr und Mobilitätsmanagement wurden vorgestellt. Dazu zählen unter anderem Mobilitätsstationen, das dynamische Fahrgastinformationssystem, Fahrradabstellanlagen, das betriebliche Mobilitätsmanagement, Schulwegthemen, Verbesserungen für den Radverkehr sowie die Vorbereitung eines Lärmaktionsplans zur Einführung von Tempo 30.
Besonders praktisch für Radfahrerinnen und Radfahrer: Das neue Fahrradverleihsystem „MyRadl“ ist mittlerweile gestartet.

Gessner machte deutlich, dass manche Maßnahmen nicht mit einem einzelnen Abschluss enden, sondern dauerhaft Teil der Verwaltungsarbeit werden. In der Übersicht werde sichtbar, „dass wir wirklich seit Beschluss des Verkehrsentwicklungsplans jedes Jahr auch in den Projekten vorwärtskommen“.

Der Ausschuss diskutierte, in welchem Abstand künftig ausführlich über den Umsetzungsfortschritt des Verkehrsentwicklungsplans berichtet werden soll. Man sprach sich für einen Zeitraum von fünf Jahren aus. Tätigkeitsberichte aus Verkehrsplanung, Radverkehrsplanung und Mobilitätsmanagement bleiben.




zurück zur Übersicht