„Man muss immer mehrere Eisen im Feuer haben“
Seit gut drei Jahren ist Christian Götz Oberbürgermeister der Stadt Fürstenfeldbruck. Im Mai 2026 hat seine erste vollständige Amtszeit begonnen. Im ausführlichen Interview spricht der 56-Jährige über den neuen Stadtrat, die Lage der kommunalen Finanzen und die großen Zukunftsprojekte der Stadt. Persönlich wird es, wenn es um seine Familie, Hündin Liesl, das Radfahren und seine frühere Zeit als Musiker geht.
Neustart, Stadtrat und Führungsrolle

Vor dem Rathaus: Oberbürgermeister Christian Götz blickt auf seine erste vollständige Amtszeit und die Zukunft Fürstenfeldbrucks – und zeigt auch persönliche Seiten.
Foto: Anne Kaiser
Frage: Herr Götz, vor gut drei Jahren sind Sie mitten in der laufenden Wahlperiode Oberbürgermeister geworden. Seit Mai 2026 läuft nun Ihre erste volle Amtszeit. Fühlt sich dieser Neustart anders an?
Götz: Ja, es fühlt sich schon anders an. Und es ist tatsächlich so, wie ich es mir vorgestellt habe: Wir starten nun als neuer Stadtrat gemeinsam in eine sechsjährige Amtszeit. In diesem Zusammenhang hatten wir kürzlich unsere Stadtratsklausur. Dabei ging es zum einen darum, sich außerhalb des Sitzungsbetriebs kennenzulernen, zum anderen darum, ein Verständnis zwischen Verwaltung und Gremium aufzubauen und die Rollenverteilung klar zu benennen. Das hat super funktioniert und war für alle, die dabei waren, eine große Bereicherung.
Frage: Nach Ihrem ersten Amtsjahr hatten Sie gesagt, manches dauere länger, manches scheitere am Geld, anderes an personellen Kapazitäten. Hat sich dieser Eindruck verfestigt oder gehen Sie inzwischen anders mit solchen Grenzen um?
Götz: Zum einen hat sich der Eindruck natürlich verfestigt. Prozesse sind oft unheimlich komplex und dauern deshalb lange, weil viele unterschiedliche Akteure involviert sind, weil alles miteinander verflochten ist und man immer wieder über etwas stolpert, das man am Anfang gar nicht bedacht hat. Ich gehe damit inzwischen in gewisser Weise gelassener um. Ich habe mir aber auch angewöhnt, immer wieder zu drängen, wenn ich merke: Jetzt hängt es an irgendeinem winzigen Detail, das sich scheinbar nicht auflösen lässt. Dann löse ich das auf und muss dafür die Verantwortung übernehmen. Das war bisher aber überhaupt kein Problem.
Was ich ebenfalls gelernt habe: Man kann durchaus drei, vier oder fünf große Projekte gleichzeitig starten. Man darf sich nicht an einem Thema festbeißen und hoffen, dass man es in zwei Jahren beendet hat, bevor man das nächste anfängt. Man muss immer mehrere Eisen im Feuer haben. Das gilt zum Beispiel für Baugebiete oder Grundstückskäufe. Da wird irgendwo etwas angeboten, dann macht jemand doch wieder einen Rückzieher und es wird hin und her überlegt. Wenn ich mich da fünf Jahre lang auf ein Grundstück konzentriere und dabei übersehe, dass es noch drei andere gegeben hätte, wäre das ein Fehler.
Frage: Gab es trotzdem Momente, in denen Sie sich gefragt haben: Warum tue ich mir das eigentlich an?
Götz: Nein, tatsächlich nicht. Es gibt manchmal ärgerliche Vorgänge, bei denen es um Befindlichkeiten Einzelner geht. Das ist manchmal im Stadtrat so, manchmal sind es aber auch Außenstehende, die abstruse Vorstellungen davon haben, was die öffentliche Hand alles machen soll und wofür der Oberbürgermeister zuständig ist. Das sind Dinge, bei denen ich mir manchmal denke: „Das ist jetzt schon ein bisschen nervig!“ Aber dass ich meine Entscheidung grundsätzlich infrage gestellt hätte, ist definitiv noch nicht passiert.
Frage: Gibt es umgekehrt die Momente, bei denen Sie denken: Genau deshalb mache ich diesen Job?
Götz: Ja, zum Beispiel bei der B2-Verlegung. Von der ersten Idee und dem ersten Herantreten an das Staatliche Bauamt bis hin zum Bürgerentscheid am Ende: Dass wir das trotz aller Widerstände und Schwierigkeiten so ordentlich abgearbeitet haben, war richtig gut. Ich bin das vor drei Jahren relativ zeitig angegangen, nur wenige Wochen nach meinem Amtsantritt.
Frage: Die Kommunalwahl im März 2026 hat die politischen Karten neu gemischt. Wie erleben Sie die neue Zusammensetzung des Stadtrats?
Götz: Was ich erlebe, ist, dass ein großer Teil der neuen Stadtratsmitglieder sehr interessiert und engagiert ist. So habe ich das 2014 nicht in Erinnerung. Die Wahl 2020 und das damals gewählte Gremium sind schwer vergleichbar, weil kurz darauf Corona kam. Das hatte einen lähmenden Effekt, die ersten zwei Jahre sind ganz merkwürdig dahingestolpert. Auch 2014 war das Gremium stark neu gemischt worden und die Mehrheiten hatten sich deutlich verschoben. Ich habe es damals (als Stadtrat, Anm. d. Red.) aber nicht so engagiert empfunden wie jetzt. Wir haben wirklich sehr kluge, engagierte Leute im Stadtrat.
Frage: Die Brucker Bürgervereinigung ist nun die stärkste Fraktion. Was bedeutet das für Sie persönlich als Oberbürgermeister und zugleich als BBV-Mitglied?
Götz: Es ist, wie es ist. Natürlich bin ich BBVler, überhaupt keine Frage. Das kann und will ich auch nicht plötzlich ablegen. Aber ich sehe das Amt des Oberbürgermeisters überhaupt nicht parteipolitisch. Natürlich stehen wir uns als Mitglieder der BBV von der Gesinnung her nahe, aber ich bin kein BBV-Oberbürgermeister.
Frage: Die Rolle als Oberbürgermeister aller Bürgerinnen und Bürger von Ihrer politischen Herkunft zu trennen, ist für Sie also kein Problem?
Götz: Nein, für mich nicht. Ich stehe mit Oberbürgermeisterkolleginnen und -kollegen in ganz Bayern im Austausch, dort ist es genauso. Man könnte sie aus einem Gespräch heraus keiner Partei zuordnen. Sie machen alle einen guten Job, haben alle ihre Herausforderungen – und da gibt es eigentlich keine Parteipolitik. Die sollte in einem Kommunalgremium ohnehin ganz hinten anstehen. Wir sind nicht der Landtag und nicht der Bundestag, sondern ein Kommunalgremium mit ehrenamtlichen Ratsmitgliedern.
Frage: Welche Rolle möchten Sie im neuen Stadtrat vor allem einnehmen: Antreiber, Moderator, Vermittler oder Verwaltungschef?
Götz: Ich versuche, ein bisschen der „Erklärbär“ zu sein: Zusammenhänge zu erklären, warum etwas so ist, wie es ist, und warum die Verwaltung so arbeitet, wie sie arbeitet. In diesem Zusammenhang möchte ich möglichst moderieren und ausgleichend wirken. Antreiber bin ich lieber innerhalb der Verwaltung, aber nicht im Gremium.
Frage: Was ist Ihnen wichtiger: schnelle oder breite Mehrheiten?
Götz: Das kommt auf die Fragestellung an. Es gibt Dinge, bei denen zeitlicher Handlungsdruck besteht und die vom Tisch müssen. Eine breite Mehrheit finde ich dagegen bei Themen wichtig, die weit in die Zukunft wirken, zum Beispiel bei der B2-Verlegung und den anschließenden verkehrsberuhigenden Maßnahmen. Das muss mit einer ganz breiten Mehrheit beschlossen werden. Das gilt auch für die Frage, wie es mit der AmperOase weitergeht. Wenn wir uns in ein 60-Millionen-Euro-Abenteuer stürzen, muss zumindest der entsprechende Beschluss von einer deutlichen Mehrheit getragen werden. Bei Dingen, die nicht so weit in die Zukunft wirken oder nicht so viele Menschen betreffen, darf es auch einmal zügiger gehen.
Verwaltung und Finanzen

Im Rathaus laufen viele Fäden zusammen: Götz spricht über Führung auf Augenhöhe, langwierige Verwaltungsprozesse und die weiterhin engen finanziellen Spielräume der Stadt.
Foto: Anne Kaiser
Frage: Sie stehen an der Spitze einer Verwaltung mit vielen Mitarbeitenden, Fachbereichen und Außenstellen. Wie hat sich Ihr Blick auf die Stadtverwaltung seit Ihrem Amtsantritt verändert?
Götz: Ich wusste schon aus meiner Zeit als Zweiter Bürgermeister, dass wir eine sehr leistungsfähige und qualitativ hochwertige Verwaltung haben. Das hat sich die ganze Zeit bestätigt. Ich habe großes Verständnis für viele Vorgänge. Ich weiß, dass manches vielleicht etwas kompliziert und langsam wirkt, aber unterm Strich hat es immer einen Grund. Das können gesetzliche Vorgaben, zum Beispiel die Baugesetzgebung, sein. Dafür können wir nichts, und das können wir auch nicht aushebeln. Solche Prozesse dauern lange. Ich bin sehr froh, dass wir an den Schlüsselpositionen in der Verwaltung ausgezeichnete Leute haben. Das ist in den vergangenen Jahren nicht schlechter, sondern eher noch besser geworden. Da bin ich ganz positiv.
Frage: 2024 hatten Sie gesagt, es brauche wahrscheinlich Jahre, alle Mitarbeitenden wirklich kennenzulernen. Wie nah sind Sie diesem Ziel inzwischen gekommen?
Götz: Ich bin noch ziemlich weit davon entfernt, zumal es auch eine gewisse Fluktuation gibt. Einmal über den Weg gelaufen und ein paar Takte gesprochen habe ich vielleicht mit einem knappen Drittel. Mir passiert es ständig, dass ich jemanden sehe und denke: Woher kenne ich die Person? Irgendwann fällt mir dann ein: Stimmt, sie arbeitet im Kindergarten oder er ist am Bauhof. Ich habe inzwischen aber einen Modus gefunden, damit umzugehen. Ich kann gar nicht genau sagen, wie – aber irgendwie funktioniert es.
Frage: Was macht gute Führung in einer Stadtverwaltung aus?
Götz: Ganz wichtig ist, sich die Argumente der anderen Seite wirklich anzuhören und nachzuvollziehen, wie eine Entscheidung zustande gekommen ist. Die Leute haben sich ja etwas dabei gedacht. Es wäre der vollkommen falsche Weg, als Oberbürgermeister zu sagen: Ich bin hier der Chef und ordne jetzt etwas an. Es muss immer auf Augenhöhe geschehen, im sinnvollen fachlichen Diskurs und Austausch. Auf beiden Seiten muss Verständnis vorhanden sein.
Wenn mir der Bauexperte erklärt, warum eine Maßnahme so und so aussieht, und der Finanzexperte das Gleiche auf seinem Gebiet macht, höre ich mir das an. Dann frage ich: Gibt es eine Alternative, gibt es verschiedene Vorschläge? Meistens gibt es zwei, drei oder vier Wege. Irgendwann heißt es: Jetzt müssen Sie entscheiden. Dann entscheide ich. Aber natürlich immer in Abstimmung mit den Leuten.
Frage: Verwaltung wird von außen oft als langsam wahrgenommen. Was erklären Sie Bürgerinnen und Bürgern, wenn es wieder heißt: Warum dauert das so lange?
Götz: Das kommt auf den Vorgang an. Zum einen liegt es häufig an der Gesetzeslage. Darüber kann man sich beschweren, ändern kann man daran aber nichts. Man kann es auch akzeptieren, weil wir in einem Rechtsstaat leben. Der Vorteil von Vorgängen, die vielleicht etwas überreglementiert wirken, ist, dass das Ergebnis am Ende rechtssicher ist. Wenn ein Vertrag geschlossen wird, ist er wasserdicht. Wenn ein Baugesuch genehmigt wird, ist es ebenfalls wasserdicht. Dann kommt nicht der Nachbar oder irgendein Naturschutzverband und sagt: Du musst das wieder abreißen. Das wurde alles im Vorfeld geprüft. Das Herstellen von Rechtssicherheit ist allerdings zeitaufwendig.
Zum anderen sind wir als öffentliche Hand verpflichtet, mit Geld sehr sorgsam umzugehen. Auch die Prüfung der Finanzmittel und Finanzströme, also wofür wir Geld ausgeben und wofür nicht, braucht Zeit. Das ist aber ebenfalls sehr sinnvoll, und deshalb verbieten sich Schnellschüsse.
Frage: Gibt es dennoch Bereiche, in denen die Stadtverwaltung schneller, verständlicher oder bürgernäher werden muss?
Götz: Das kann ich im Detail nicht sagen. Ich hatte eigentlich immer das Gefühl, dass das, was sich schnell erledigen lässt, auch vergleichsweise schnell erledigt wird. Wahrscheinlich könnte man aber einige Prozesse durch eine vernünftige, standardisierte Digitalisierung beschleunigen.
Frage: Ihr erstes Amtsjahr war seinerzeit stark von knappen Finanzen geprägt. Wie hat sich die Lage seitdem verändert?
Götz: Die Lage ist insofern anders, als ich mit einem Haushalt gestartet bin, der fast nicht genehmigt worden wäre beziehungsweise nur unter großen Auflagen der Kommunalaufsicht genehmigt wurde. Der Haushalt 2023 war schon wahnsinnig schwierig. Der erste Doppelhaushalt war dann 2024/2025, und auch der wurde nur mit Ach und Krach genehmigt. Wir waren deshalb gezwungen, wirklich zu sparen, alle Ausgaben zu hinterfragen und die Einnahmenseite dort zu verbessern, wo es möglich war.
So kam es zum Beispiel zu einer Ausschüttung der Sparkasse an die Stadt und den Landkreis. Auch von den Stadtwerken haben wir uns einmal eine Million Euro ausschütten lassen. Wo wir konnten, haben wir also auch die Einnahmenseite in bescheidenem Maß erhöht. Das hat sich aktuell positiv entwickelt. Der Sparkurs war nachhaltig und wird innerhalb der Verwaltung fortgesetzt. Die Ämter haben gedeckelte Budgets, innerhalb derer sie sich bewegen müssen – mehr gibt es nicht. Wir sparen also, wo es geht, und haben die berühmte Luft aus dem Haushalt genommen. Dadurch sind unsere Planungen viel realistischer geworden. Früher wurde immer wieder etwas eingestellt, von dem man gar nicht wusste, ob man es überhaupt ausgeben würde. Sehr positiv ist natürlich, dass wir 2025 Rekordgewerbesteuereinnahmen von 38,4 Millionen Euro hatten. Das ist kein Strohfeuer, sondern spiegelt tatsächlich die Leistungsfähigkeit der örtlichen Wirtschaft wider.
Frage: Welche Unternehmen oder Branchen haben diese Entwicklung vor allem getragen?
Götz: Die Entwicklung lässt sich gar nicht so sehr an einzelnen Unternehmen festmachen, sie ist tatsächlich breit aufgestellt. Natürlich spielen Kreditinstitute und die großen Firmen, die wir hier haben, eine wichtige Rolle. Aber die Einnahmen sind nicht auf ein oder zwei Branchen beschränkt. Das ist sehr positiv. Dadurch steuern wir aktuell nicht in eine Finanzkatastrophe. Was man aber schon sagen muss: Wir haben kein Einnahmenproblem, sondern ein riesiges Ausgabenproblem. Das können wir überhaupt nicht mehr kontrollieren. Wenn wir 2026 rund 34 Millionen Euro an den Landkreis abführen müssen, können wir fast unsere komplette Gewerbesteuer durchreichen. Das ist ein Riesenproblem, an dem wir nichts ändern können. Viel Spielraum haben wir nicht!
Frage: Wie erklären Sie Bürgerinnen und Bürgern, dass manche Wünsche nachvollziehbar sind, aber trotzdem nicht oder zumindest nicht sofort umgesetzt werden können?
Götz: Man muss um Verständnis dafür werben, dass wir nicht alles machen können. Wir haben Kern- und Pflichtaufgaben, die wir erfüllen müssen und an die wir einen Qualitätsanspruch haben. Die Schulen, für die wir zuständig sind, befinden sich in einem wirklich ordentlichen Zustand und sind sehr gut ausgestattet. Auch die Kitas sind gut. Natürlich gibt es manchmal bauliche Probleme. Wenn ein Kindergarten 50 Jahre alt ist, hat man ein Problem. Aber wir gehen diese Probleme an. Vor allem sind wir personell gut aufgestellt. Es gibt keine Warteliste mehr für den Kindergarten, und wir modernisieren, wo es geht.
Das sind Pflichtaufgaben, die wir nicht nur irgendwie, sondern sehr gut erfüllen. Auch die sozialen Themen, die wir als Große Kreisstadt zu bewältigen haben, bearbeiten wir sehr gewissenhaft. Bei den freiwilligen Aufgaben, die eher in Richtung „Wünsch dir was“ gehen, muss man um Verständnis werben, dass Dinge häufig nicht möglich sind, weil sie sonst auf Kosten der Pflichtaufgaben gingen. Das kann nicht sein.
Frage: Fällt es Ihnen trotzdem schwer, Nein zu sagen oder Projekten eine Absage zu erteilen, von denen Sie selbst überzeugt sind?
Götz: Selbstverständlich. Das fällt mir eigentlich immer schwer. Ich kann die Sportvereine verstehen, die Kulturschaffenden, die Sozialdienstleister und alle Ehrenamtlichen, die sich mehr Mittel für ihre Projekte wünschen. Aber wenn es nicht geht, geht es nicht. Oft lässt sich aber ein Kompromiss finden: Dann wird nicht die große Variante umgesetzt, sondern vielleicht eine kleinere Lösung mit einem Zuschuss ermöglicht.
Stadtentwicklung, Kultur, Beteiligung, Mobilität und Wohnen

Stadtentwicklung soll für die Menschen in Bruck sichtbar werden, findet der Oberbürgermeister.
Foto: Anne Kaiser
Frage: Woran sollen die Menschen in Fürstenfeldbruck merken, dass sich die Stadt weiterentwickelt?
Götz: Zum einen an der weiterhin guten Stimmung in der Stadtgesellschaft. Ich empfinde sie wirklich als positiv und habe das inzwischen auch von verschiedenen Menschen gehört. Sehr schön war zum Beispiel der jüngste Neubürgerempfang. Dort sind dann Menschen dabei, die von außerhalb kommen und die Stadt aus einem anderen Blickwinkel sehen. Zwei Frauen zum Beispiel, die kürzlich aus Dachau hierhergezogen sind, waren total begeistert und haben gesagt: „Das ist eine so schöne Stadt, wir fühlen uns hier wohl, es gibt eine echte Willkommenskultur, es ist unheimlich locker und freundlich und das Kulturangebot ist so groß, dass wir gar nicht wissen, wo wir überall hingehen sollen.“ Wenn das Außenstehende sagen – Dachau ist schließlich auch eine schöne Stadt –, dann hat das einen Wert. Andere haben uns gesagt, es falle auf, wie gepflegt alles sei, auch die Grünanlagen, Gärten und Blumenkästen. Das ist ein Feedback, bei dem man denkt: Ja, es herrscht schon eine gute Stimmung.
Das aufrechtzuerhalten, finde ich wahnsinnig wichtig. Dazu tragen natürlich Kultur und Sportvereine bei, es ist immer etwas los. Auch die Gastronomie ist ganz wesentlich. Sie hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt. Das ist mir persönlich ein Anliegen, weil Gastronomie immer für Belebung, Austausch und Kommunikation sorgt. Natürlich gibt es dabei manchmal Probleme für Anwohner. Da muss man gegenseitig Verständnis haben und ein vernünftiges Mittelmaß finden.
Frage: Verkehr ist in Fürstenfeldbruck ein Dauerthema. Was ist derzeit der realistischste Weg, um die Situation spürbar zu verbessern?
Götz: Ich möchte dem Ergebnis nicht vorgreifen, aber: Der nächste Schritt ist, dass wir uns im Laufe des Herbstes konkret überlegen, wie der Bürgerbeteiligungsprozess zur verkehrlichen Umgestaltung der Innenstadt mit allen Auswirkungen auf die Umgebung aufgesetzt werden soll. Dafür holen wir uns professionelle Hilfe von externen Büros, die auf Bürgerbeteiligung spezialisiert sind. Im Laufe des Herbstes wollen wir klären, wie wir in diesen großen Beteiligungsprozess einsteigen. In der ersten Jahreshälfte 2027 müssen wir damit beginnen.
Frage: Große Konzepte wie ISEK (Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept, Anm. d. Red.), Konversion, Verkehrsentwicklungsplan oder Klimastrategie wirken für Bürgerinnen und Bürger mitunter abstrakt. Wo wird Stadtentwicklung konkret sichtbar?
Götz: Zum einen wird sie über die Beteiligungsform sichtbar, zum anderen über die Ergebnisse. Stadtentwicklung kann man zum Beispiel in unserem Kreativquartier hautnah erleben. Aus einem ursprünglich mit Bauzäunen geschlossenen riesigen Areal in absoluter Premiumlage, das niemand betreten durfte, haben wir einen Raum geschaffen, der toll genutzt wird und zur Stimmung in der Stadt beiträgt. Das ist Stadtentwicklung live.

Großes Interesse am Kreativquartier: Für Götz ist die Entwicklung des einst abgeschotteten Areals ein Beispiel für „Stadtentwicklung live“.
Foto: Höngdobel
Frage: Haben Sie den Eindruck, dass sich Kultur in Fürstenfeldbruck stärker etabliert hat?
Götz: Ja, wobei wir eigentlich schon länger eine gute Kulturszene hatten. Das Veranstaltungsforum spielt hier natürlich eine wesentliche Rolle. Aber auch andere Angebote wie die Kulturnacht sind für mich ein Wahnsinn im positiven Sinne. Wenn das Wetter passt und ein paar tausend Leute in der Stadt unterwegs sind, ist das wirklich total schön. Hinzu kommen die kleinen Veranstaltungen in der Bibliothek oder im Museum. Auch das Museum ist aus seinem Dornröschenschlaf aufgewacht und hat sich mit den neuen Leiterinnen stark nach außen gewandt. Das ist fantastisch.
Dazu gibt es auch kleine Spielstätten wie das Lichtspielhaus. Wenn man über Kultur spricht, muss man zudem das zweite Kino erwähnen, das Scala in der Buchenau, das ebenfalls einen kulturellen Beitrag leistet. Wir waren also ohnehin gut aufgestellt. Mit dem Kreativquartier ist jetzt ein weiterer Baustein hinzugekommen, bei dem immer ein bisschen etwas los ist.
Frage: Bei Beteiligungsformaten erreicht man häufig vor allem jene, die sich ohnehin schon für das jeweilige Thema interessieren. Wie lässt sich die Beteiligungskultur breiter in der Stadtgesellschaft verankern?
Götz: Das ist ein langer Weg und ein zäher Prozess. Davon darf man sich nicht abschrecken lassen. Beteiligungsprozesse waren in der Vergangenheit in der Stadt nicht besonders etabliert. Wenn man damit vor drei Jahren erstmals begonnen hat, dauert es wahrscheinlich zehn oder 15 Jahre, bis das in der Stadtgesellschaft wirklich angekommen ist. So etwas muss wachsen.
Ich weiß nicht, ob der Vergleich hinkt, aber wenn ich mir anschaue, wie sich die BBV in den vergangenen Jahren entwickelt hat: Das war früher ein eingeschworener Haufen. Jetzt kommen plötzlich 50 neue Mitglieder und interessieren sich für Stadtpolitik, wollen etwas machen und sich einbringen. Auch das hat lange gedauert. Man muss dranbleiben und immer wieder Angebote machen. Zum Beispiel bei der Fahrradzone im Wohngebiet am Tulpenfeld neben dem Schulzentrum, mit den unterschiedlichen Formaten im Stadtlabor oder mit Nachbarschaftsbeteiligungen bei städtebaulichen Wettbewerben. Es braucht viele Angebote.
Frage: Wie gelingt es, Rad- und Fußverkehr zu stärken, ohne jene Bürgerinnen und Bürger zu verlieren, die auf das Auto angewiesen sind?
Götz: Natürlich ist das ein Spagat. Innerhalb des Stadtgebiets kann eigentlich jeder sehr vieles mit dem Rad oder zu Fuß erledigen, dafür braucht man kein Auto. Ich verstehe aber, dass Menschen auf ihr Auto angewiesen sind, wenn sie beruflich irgendwohin fahren müssen, wo es keine oder nur eine schlechte ÖPNV-Anbindung gibt. Ich verstehe auch, wenn Menschen zu Fuß oder mit dem Rad nicht so mobil sind und deshalb selbst kürzere Strecken mit dem Auto zurücklegen müssen.
Ein vernünftiges Nebeneinander der unterschiedlichen Verkehrsmittel ist möglich, wenn man es wirklich will, sich darauf einlässt und nicht zu sehr in seiner eigenen Blase lebt. Das gilt für beide Seiten. Es gibt mitunter „Kampfradler“, die vollkommen intolerant gegenüber Autos oder auch Fußgängern sind. Und es gibt „Kampfautofahrer“. Das sind aber Einzelbeispiele und wenige Ausnahmen. Mit gegenseitigem Verständnis kommt man in dieser Stadt ganz gut zurecht.
Frage: Ein zentrales Thema bleibt bezahlbarer Wohnraum. Was kann eine Stadt hier tatsächlich leisten, wo liegen ihre Grenzen?
Götz: Man muss immer wieder sagen: Der allergrößte Teil der Wohnungen wird von Bauträgern und nicht von der öffentlichen Hand gebaut. Als Stadt können wir mit gutem Beispiel vorangehen. Das tun wir jetzt vermehrt und deutlich stärker als in der Vergangenheit. An der Waldfriedhofstraße sind kürzlich zwölf günstige Wohnungen entstanden, damit schaffen wir immerhin Wohnraum für knapp 30 Menschen.
Unser nächstes Projekt ist an der Ecke Philipp-Weiß- und Julie-Mayr-Straße. Darüber hinaus haben wir noch ein paar Ideen auf Lager, die nicht spruchreif sind. Beschlossen ist auch ein Letter of Intent (Absichtserklärung und Grundsatzvereinbarung, Anm. d. Red.) mit der Wohnungsbaugenossenschaft AmperWoGe für die Bebauung an der Julie-Mayr-Straße. Das sind Dinge, bei denen eine Kommune mit gutem Beispiel vorangehen und bezahlbaren Wohnraum schaffen kann. Auch die Zusammenarbeit mit der Wohnungsbaugesellschaft im Landkreis ist sehr gut und vorbildlich.
Die große Menge an Wohnungen wird aber privatwirtschaftlich errichtet, unabhängig davon, ob es sich um geförderten oder nicht geförderten Wohnraum handelt. Bezahlbarkeit ist zudem ein relativer Begriff: Es gibt auch Menschen, die mehr für eine Wohnung bezahlen können. Dass der ganz große Teil privatwirtschaftlich gebaut wird, wird immer so bleiben, da darf man sich keine Illusionen machen.
Es hilft auch nichts, auf den Wiener Gemeindebau zu verweisen. Dort hat man vor mehr als 100 Jahren begonnen, städtische Wohnungen zu bauen. Das ist eine völlig andere Historie und kein Beispiel, das sich auf uns übertragen lässt. Für uns ist es besser, über städtebauliche Verträge und andere Konstruktionen gemeinsam mit Baupartnern aus der freien Wirtschaft Wohnraum zu schaffen.
Frage: Gibt es ein Projekt, bei dem Sie sagen: Wenn das gelingt, verändert es Fürstenfeldbruck langfristig und nachhaltig?
Götz: Eine sinnvolle Verkehrsberuhigung in der Innenstadt, die für alle verträglich ist und nicht zulasten anderer Stadtteile geht, würde die Stadt nachhaltig prägen. Ein weiteres solches Projekt ist der Bereich Aumühle/Lände, vor allem das Lände-Areal. Wenn der Bauhof umgesiedelt ist und wir dort eine bunte Mischung aus Wohnen, kreativem Arbeiten und Kultur schaffen einschließlich vieler Freiflächen, entsteht dort ein komplett neues Stadtviertel, das es so noch nicht gegeben hat. Das hat dann einen großen Einfluss auf die Umgebung und wird die Stadt prägen.
Ein anderes Zukunftsprojekt wäre, gemeinsam mit der Bahn das komplette Bahnhofsumfeld umzugestalten. Das ist heute ein bisschen ein Unort außerhalb: Man kennt ihn eher vom Wegschauen und muss dorthin, um mit der S-Bahn nach München zu fahren. Dabei ist es ein riesiges Areal mit sehr viel Potenzial. Eine zunächst angedachte Aufnahme des Bahnhofsumfelds als Projekt der Internationalen Bauausstellung Metropolregion München (IBA-M, Anm. d. Red.) namens „Räume der Mobilität“ wird es nun doch nicht geben. Die Stadt will aber das Thema unabhängig davon (im Rahmen eines unter dem Dach der IBA-M geplanten kommunalen Netzwerks für Bahnhofsumfelder, in dem auch die Bahn vertreten ist, Anm. d. Red.) zusammen mit der Bahn weiterhin vorantreiben. Das gesamte Bahnhofsumfeld neu zu gestalten, hätte einen ganz großen Einfluss auf die Stadt. Das sind große Pfeiler der künftigen Entwicklung.
Kritik und Öffentlichkeit

Unsachliche Kritik lässt Götz nicht an sich heran. Beiträge in den sozialen Netzwerken liest er dennoch und greift dabei auch hilfreiche Argumente auf.
Foto: Anne Kaiser
Frage: Wie gehen Sie damit um, wenn Kritik nicht sachlich, sondern sehr direkt oder unfair formuliert wird?
Götz: Eine Situation, die ich als relativ unsachlich und zum Teil unfair empfunden habe, betraf das Pucher Meer II. Es wurde versucht, mir zu unterstellen, ich sei schuld am geplatzten Kauf, nachdem ich gerade mal fünf Wochen im Amt war. Der gesamte Vorgang hatte allerdings einen jahrelangen Vorlauf und war sehr komplex. Letztlich gab es eine kleine Schlammschlacht in einer Stadtratssitzung im November 2024.
Mit Sach-Argumenten kommt man gegen solche Vorwürfe irgendwann nicht mehr weiter. Im Endeffekt wurde man am Nasenring durch die Manege geführt, das war nicht schön. In solchen Situationen kann ich aber eine gewisse stoische Ruhe entwickeln und die Dinge an mir vorbeiziehen lassen.
Frage: Sie haben 2024 gesagt, Kritik in den sozialen Netzwerken dürfe man nicht ignorieren, sich davon aber auch nicht beirren lassen. Gilt das noch immer?
Götz: Ja, das ist nach wie vor so. Ich lese mir die Beiträge durch und finde sie teilweise ganz interessant. Ab und zu ist auch ein Argument dabei, auf das ich vielleicht nicht gekommen wäre. Das ist für mich durchaus hilfreich, um die eine oder andere Reaktion in der Öffentlichkeit zu verstehen.
Im Wesentlichen kreisen diese Leute aber um sich selbst, und es sind auch immer wieder die gleichen. Der Personenkreis, der zum Teil relativ unreflektiert Kritik in Anführungszeichen äußert, ist jedoch sehr überschaubar.
Frage: Lassen Sie solche Kommentare an sich heran oder wurmt Sie das manchmal doch?
Götz: Nein, das nehme ich nicht mit.
Privatleben, Hund und Musik

Zeit zum Nachdenken: Bei Spaziergängen mit seiner sechs Jahre alten Mittelschnauzer-Hündin Liesl sortiert Götz auch Themen aus dem Rathausalltag.
Foto: Anne Kaiser
Frage: Viele Bürgerinnen und Bürger erleben Sie vor allem bei Terminen, Sitzungen oder offiziellen Anlässen. Wo ist Christian Götz am ehesten ganz privat?
Götz: Am meisten bin ich privat mit meiner Familie und zu Hause. Wir haben einen großen Garten direkt an der Amper. Am privatesten erlebt man mich im Sommer wahrscheinlich in der Badehose, wenn ich in der Amper schwimme.
Wenn ich Zeit habe, setze ich mich auch nach wie vor gern aufs Rad. Es kostet manchmal ein bisschen Überwindung, aber dann fahre ich beispielsweise um den Ammersee. Ich habe ein relativ spartanisches Rad mit Carbonrahmen, ohne Federgabel und ohne Schnickschnack. Damit fahre ich gern – leider nicht mehr so viel. Ansonsten bin ich gerne mit der Familie unterwegs. Wir fahren nach München und ziehen dort ein bisschen durch die Stadt oder fahren an einen der Seen. Das geht schon halbwegs regelmäßig, wenn man es gut organisiert.
Frage: Ihr Amt hat trotzdem einen fast vollständigen Zugriff auf Ihren Kalender. War das eine der größten Umstellungen?
Götz: Schon, vor allem für meine Familie. Für mich war klar, dass die Beanspruchung nicht geringer werden würde. Hinzu kommen all die Dinge, die sonst zum Leben gehören und die auch ein Oberbürgermeister selbst erledigen muss: zum Zahnarzt gehen, sich um den Garten kümmern und Ähnliches. Der Rest ist dann das soziale und das Freizeitprogramm mit der Familie. Das ist nach wie vor schwierig.
Frage: Sie machen gerne längere Spaziergänge mit Ihrer sechs Jahre alten Mittelschnauzer-Hündin Liesl. Ist das eine Art Gegenprogramm zum Rathausalltag?
Götz: Zum einen muss man es natürlich machen, weil der Hund raus muss. Aber ich mache es auch gerne und sinniere dabei die ganze Zeit vor mich hin. Ich wälze die Themen auf eine ganz bestimmte Art und Weise, teilweise auch über längere Strecken.
Beim Radfahren ist das anders. Das ist für mich mehr das Körperliche, das Schnaufen und Schwitzen, zugleich aber auch das Wahrnehmen der Umgebung: Gerüche, Geräusche und das Licht. Ich sitze häufig auf dem Rad und denke: Ist das hier schön. Hinten steht eine Gewitterwolke, dort ist ein Regenbogen, dort unten liegt der See, und dann denke ich mir: Das ist ja irre, was für ein Privileg, hier leben zu dürfen!
Frage: Gibt es einen Ort in Fürstenfeldbruck, an dem Sie besonders gern mit ihr unterwegs sind?
Götz: Ich gehe meistens nach Osten, ins Emmeringer Hölzl und manchmal noch weiter stromabwärts an der Amper entlang.
Frage: Einst spielten Sie Theater und wirkten als Sänger der Rock-Punk-Jazz-Klezmer-Jodelband Höngdobel. Wie viel vom früheren Musiker Christian Götz steckt heute noch im Oberbürgermeister Christian Götz?
Götz: Nicht mehr viel. Das Einzige, was auch als Oberbürgermeister aber immer eine Rolle spielt, ist vielleicht eine gewisse Bühnenpräsenz. Die funktioniert tatsächlich immer noch: Wenn ich auf einer Bühne stehe, ein Mikrofon vor mir habe und das Licht angeht, wird ein Schalter umgelegt. Dann läuft ein Automatismus. Das ist nicht immer brillant, aber es ist wenigstens etwas da.
Frage: Kürzlich standen Sie mit Höngdobel nach 20 Jahren Pause wieder auf einer Bühne. Waren Sie also sofort wieder in Ihrem Element?
Götz: Für mich war die große Frage, wie man das unter einen Hut bringt. Ich kann dort heute nicht mehr so stehen wie vor 20 Jahren. Das geht nicht, weil ich inzwischen eine andere Position habe. Deshalb ist es auch etwas, das ich nur sehr selten machen werde.
Frage: Haben Musik, Theater und Politik etwas gemeinsam?
Götz: Ja: Zusammenspiel, Timing, Präsentation und die Interaktion mit anderen, wie man sie in einem Theaterstück immer hat. In einer Stadtratssitzung sitzen schließlich auch viele Schauspieler. Das ist ein Schaulaufen mit vielen Rollen.
Blick nach vorn

Vor dem Sri-Sellapillaiyar-Hindu-Tempel in der Buchenau: Mit „Heimat, Entwicklung und Offenheit“ beschreibt Götz Fürstenfeldbruck in drei Worten.
Foto: Anne Kaiser
Frage: Wie würden Sie Fürstenfeldbruck in drei Worten beschreiben?
Götz: Heimat, Entwicklung und Offenheit. Für mich ist Fürstenfeldbruck wirklich Heimat. Auch wenn ich im Urlaub bin, kann ich nicht so lange weg sein. Ich fahre seit Jahrzehnten sehr gern nach Skandinavien oder auch nach Frankreich, aber ich komme immer wahnsinnig gern zurück. Genau das hat für mich mit Heimat zu tun.
Fürstenfeldbruck ist außerdem eine Stadt, die eine große Entwicklung durchgemacht hat, seit ich das bewusst wahrnehme. Es gab Zeiten, da war deutlich weniger los, und ich fand die Stadt relativ unattraktiv. Das hat sich sehr zum Positiven gewandelt. Und es ist eine Stadt, die Offenheit, Toleranz und Freundlichkeit in sich trägt.
Frage: Was macht Ihnen mit Blick auf die Zukunft der Stadt am meisten Mut?
Götz: Das sind genau diese Dinge. Was ich toll finde, ist zum Beispiel, wenn Grundschulklassen zu mir ins Rathaus kommen. Kinder begeistern mich immer wieder: wie direkt, aufgeschlossen, interessiert und freundlich sie auf eine ganz angenehme Art sind. Eigentlich macht mir alles Mut, was mit Kindern zu tun hat. Ich merke, dass Kinder hier unter sehr guten Bedingungen aufwachsen. Sie sind die Zukunft der Stadt. Dass viele hierbleiben werden oder zumindest irgendwann wieder zurückkommen, das macht mir tatsächlich Mut.
Frage: Was macht Ihnen wiederum am meisten Sorgen?
Götz: Es gibt wahnsinnig viele Baustellen, im übertragenen Sinn: viele Dinge, die man angehen muss, weil sie zu lange liegen geblieben sind und man sich nicht darum gekümmert hat. Das alles wäre viel einfacher, wenn die finanziellen Mittel vorhanden wären.
Ich glaube, dass die große Finanznot der Kommunen, die uns derzeit noch nicht so stark drückt, in Zukunft schon auch uns treffen wird. Dann stehen wir vielleicht tatsächlich vor dem Problem, extrem priorisieren zu müssen: Können wir ein Hallenbad bauen oder nicht, weil das Geld nicht da ist? Können wir den Kindergarten umfänglich sanieren oder nur notdürftig ausbessern? Oder müssen wir uns gar entscheiden, ob wir einen Kindergarten sanieren oder endlich eine vollkommen marode Straße in Angriff nehmen? Die kommunalen Finanzen in ganz Bayern sind insofern ein Damoklesschwert. Dann kann auch die Stimmung sehr schnell kippen, und die politischen Ränder treten mit der Behauptung auf, sie könnten es besser. Das ist eine echte Gefahr, auch wenn sie übergeordnet und ein wenig abstrakt wirkt.
Wir leben hier immer noch ein bisschen auf einer Insel der Glückseligen. Dazu gehört auch die Tatsache, dass wir keine AfD im Stadtrat haben und es bei uns keine Orte gibt, an denen sich rechte Gruppierungen treffen oder versammeln. Das ist aber auch dem Umstand geschuldet, dass noch alles ganz gut funktioniert. Wenn das Geld ausgeht und Dinge nicht mehr funktionieren, sind solche Gruppierungen sofort auf dem Plan.
Frage: Welche Entwicklung wünschen Sie sich für Fürstenfeldbruck bis 2030?
Götz: Ich wünsche mir, dass wir diese gute Stimmung aufrechterhalten und das Tolerante, Aufgeschlossene und Freundliche vielleicht noch ausbauen. Außerdem würde ich gerne den Prozess der Identitätsfindung weiter vorantreiben: dass man sagt, ich bin Bruckerin oder Brucker. Andere Menschen werben damit, dass sie aus München kommen, verwenden den Slogan „Weltstadt mit Herz“ oder Ähnliches. Im Kleinen könnte man doch auch bei uns sagen: Ich komme aus Bruck, und das ist eine coole Stadt. Das wäre schön, das möchte ich anstoßen.
Im ISEK ist dazu der Leitbildprozess als Maßnahme verankert. Diesen Prozess sollten wir angehen, um die Identifikation mit der eigenen Stadt und dem eigenen Umfeld stärker in den Vordergrund zu stellen. Das wäre sehr gut für die Stadtgemeinschaft.

Fürstenfeldbruck im Blick: Bis 2030 möchte Götz die Identifikation mit der eigenen Stadt stärken und ihre offene, freundliche Atmosphäre bewahren.
Foto: Anne Kaiser
Frage: Was sollen die Bürgerinnen und Bürger am Ende Ihrer Amtszeit über Ihre Arbeit sagen können?
Götz: Es wäre schön, wenn sie sagen würden: Er hat einen ordentlichen Job gemacht. Er wurde als ehrlich, nahbar und authentisch wahrgenommen. Er hat eine gewisse Street Credibility (Glaubwürdigkeit und Vertrauen, Anm. d. Red.).
Frage: Gibt es eine Seite an Ihnen, die die Bruckerinnen und Brucker noch zu wenig kennen?
Götz: Eigentlich nicht. Ich verbiege mich nicht.
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