November 2014 - Kinos in den 1950er Jahren

Das Lichtspielhaus Maisacher Straße
Neue Kinos in den 1950er Jahren


In seiner Sitzung vom 30. September 2014 hat sich der Stadtrat mit deutlicher Mehrheit für den Ankauf des Lichtspielhauses an der Maisacher Straße entschieden. Bereits im Oktober 2013 wurde das Kino vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege unter Denkmalschutz gestellt. Auch im Vorfeld der Kommunalwahl in diesem Jahr war der Umgang mit dem Lichtspielhaus politisch kontrovers diskutiert worden. Dieses Kino ist das älteste Kino in Fürstenfeldbruck und existierte bereits vor dem Ersten Weltkrieg, es war damit für lange Zeit das einzige Kino in Fürstenfeldbruck. Heute soll die Gründungswelle von Kinos in den 1950er Jahren beleuchtet werden.

Das Lichtspielhaus Maisacher Straße

Das Kino wurde im Kaiserreich gegründet und hatte seither eine wechselvolle Geschichte. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg wechselten oftmals die Besitzer, zum Beispiel waren im Jahr 1914 die Herren Zach bzw. Weinbuchner Betreiber. Oftmals zeigte das Lichtspielhaus im Kaiserreich Filme mit historischen Inhalten, so wurden beispielsweise im Jahr 1914 „Quo vadis?“, „König Ludwig II. und Richard Wagner“ und „Die letzten Tage von Pompeji“ vorgeführt. Im Ersten Weltkrieg war das Kino Schauplatz nationalistischer Propaganda. In der Weimarer Republik nahm das Kino einen deutlichen Aufschwung und wurde vor allem von den Unterschichten frequentiert. Im Jahr 1930 wurde das heutige Gebäude errichtet. In der NS-Zeit erlebten wieder Propagandafilme einen Aufschwung, in den Jahren 1937 und 1938 wurde das Lichtspielhaus ausgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Lichtspielhaus noch einige Zeit das einzige Kino in Fürstenfeldbruck.

Neue Kinos in den 1950er Jahren

Im Herbst des Jahres 1949 wurde die Errichtung eines zweiten Kinos in Fürstenfeldbruck geplant, Bauherren waren Anton Späth und August Aumiller. Das Kino sollte an der Bullachstraße liegen und ein Fassungsvermögen von 525 Personen haben. Die Planungen beinhalteten eine moderne technische Ausstattung mit Beleuchtungsanlage und Warmwasserheizung, zudem war ein Kino-Cafe vorgesehen. Der 1. Bürgermeister, Michael Neumeier (SPD), sprach sich für die Errichtung des geplanten Lichtspieltheaters aus, die Stadträte befürworteten das Projekt im Hinblick auf die Arbeitsbeschaffung. Im Herbst des Jahres 1950 wurde das Kino eröffnet und erhielt den Namen „Amperlichtspiele“. Die Betreiber wollten nur ausgewählte Programme präsentieren, einer der ersten Filme war „Das kleine Hofkonzert“. Zudem gab es in Fürstenfeldbruck nun einen konzertgemäßen Saal. Das Brucker Streichquartett (Dora Neumaier, Werner Deutsch, Adelgunde Schmitt und Karl-Günter Steffens) spielte beispielsweise das B-Dur-Quartett von W. A. Mozart.

Im Mai 1952 zeigten die Amperlichtspiele den Film „Primanerinnen“. Im Juni 1952 waren die beiden Kinos von der Lokalpolitik betroffen. Die beiden Brucker Lichtspielhausbesitzer ersuchten das Tagblatt um die Veröffentlichung nachstehender Stellungnahme: „Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am 9. Juni mit 12 gegen 5 Stimmen beschlossen, zur Finanzierung eines Wohnhauses das sog. „Wohnungszehnerl“ einzuführen. Wie die Bevölkerung bereits beim Kohlenbezug mit einem Wohnungszehnerl belastet ist, hat sie nunmehr beim Besuch des Kinos einen um 10 Pfg. Eintrittspreis zu bezahlen. Bürgermeister Dr. Bauer und verschiedene Stadträte haben die sofortige Einführung des „Wohnungszehnerls“ mit einer „bevorstehenden Erhöhung der Kinopreise, der man zuvorkommen müsse“, begründet“. Die Filmwirtschaft in Bayern klagte auch vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof. Die Eintrittspreise für Kinobesucher lagen zu dieser Zeit bei 90 Pfennig bis 1,9 DM. Der Stadtrat Fürstenfeldbruck beschloss wenig später, dass nicht nur die Kinos, sondern auch die Gastwirtschaften und Sportvereine das Notzehnerl entrichten mussten, es wurde also ein Veranstaltungszehnerl eingeführt.

Im Oktober 1952 wurde das dritte Kino in Fürstenfeldbruck eröffnet. Es handelte sich um die „Mozart-Lichtspiele“ in der Bismarckstraße, erste Besitzer waren Burt/Zublasing. Das Kino wurde von Handwerksbetrieben aus Fürstenfeldbruck errichtet, die Gesamtbauleitung des Kinoneubaus hatte der Architekt Max Hornberger. Regierungsrat Hemmel brachte bei der Eröffnung seine Freude zum Ausdruck, dass nun auch der Stadtteil an der Landsberger Straße ein eigenes Lichtspieltheater besitze.
Am 18. Oktober 1957 wurde mit dem „Capitol“ an der Pucher Straße das vierte Kino in Fürstenfeldbruck eröffnet, der erste gezeigte Film war „Der König der Bernina“, ein Bergfilm mit Helmuth Schneider, Waltraut Haas und Ellen Schwiers. Bauherr war Ludwig Weiss, die Planung und Bauleitung lag in den Händen des Architekten und Diplomingenieurs Franz Gickler, Ludwig Weiss verpachtete das „Capitol“ an Fritz Grünzweig und Josef Schuhbauer, zwei erfahrene Fachleute aus München. Die am Bau des Kinos beteiligten Firmen waren beispielsweise die Unternehmen von Karl Sitzmann ((Erd-, Beton-, Maurer- und Verputzarbeiten), Lorenz Kiener & Co. (Dachstuhl für Kino und Geschäftshaus), Hans Seeberger (Spenglerarbeiten), Ludwig Mall & Sohn (Schlosserarbeiten) und Siegfried Pulfer (Vergoldung der Kinodecke, farbige Fassade des Geschäftshauses). Das Filmtheater maß 15 x 25 Meter, die einfache flache Decke war mit Weichfaser-Dämmplatten belegt und die Leinwand war 13 Meter lang. Das Bild-Ton-System stammte von der Fa. Zeiss-Ikon.

Ende der 1950er Jahre hatte Fürstenfeldbruck also vier Kinos, die große Nachfrage ermöglichte in den 1950er Jahren den Bau und den Betrieb von drei neuen Lichtspielhäusern. Die Kinos spielten eine erhebliche Bedeutung bei der Freizeitgestaltung der Bevölkerung. Die 1950er und 1960er Jahre waren die beiden „Jahrzehnte des Kinos“ in der Bundesrepublik Deutschland. Seit den 1960er Jahren spürten die Kinos dann den starken Konkurrenzdruck durch das Fernsehen, welches sich zum weit verbreiteten Massenmedium entwickelte. In den letzten drei Jahrzehnten setzte ein Sterben der Kinos ein, auch in Fürstenfeldbruck.