Ein Beinahe-Drama am Kloster Fürstenfeld

Eine aufregende, ja fast kuriose Begebenheit ereignete sich im Jahr 1951 für unsere Familie auf dem Vorplatz des Klosters Fürstenfeld. Unsere damals noch zahlreiche Verwandtschaft hatte sich im Klosterstüberl zu einer Familienfeier eingefunden.

Wir zwei Buben, damals vier und fünf Jahre alt, hatten wohl das lange Sitzen vor lauter Langeweile nicht mehr ausgehalten und liefen nach draußen. Zudem wollte mein kleiner Bruder pinkeln und steuerte dafür eine geschützte Stelle an. Sein Ziel war es offenbar,  sein „Geschäft“ an der Toreinfahrt vorbei am Ende des Gebäudes zu verrichten. Doch noch bevor er dort ankam, schoss ein Auto durch das Tor und nahm ihn dant (= bairisch, auf die Hörner nehmen).

Was dann geschah ist rückblickend beinahe als Wunder zu bezeichnen. Bremsen quietschten ohrenbetäubend. Dann sah ich am Unfallort einen kreidebleichen jungen Mann, der aus dem Auto stieg  - er war wohl etwas zu schnell durch das Tor gerast, welches damals noch als Durchfahrt für Kraftfahrzeuge legal genutzt werden durfte. Von meinem Bruder dagegen war nichts zu sehen. Unsicherheit schlich sich bei mir ein, wo mein Bruder stecken könnte. Hatte er sich in den Tunnel retten können oder lag er unter dem Auto?

Inzwischen war fast das komplette Publikum aus dem Klosterstüberl heraus gelaufen, meine Eltern voller Ängste ebenfalls. Es müssen ziemlich lange zwei oder drei Minuten gewesen sein, eine Szene, die mir und manch anderem Beobachter nicht zu enden schien. Dann aber passierte das Unglaubliche: Mein kleiner Bruder kletterte unversehrt unter dem Wagen hervor, fuhr sich mit den Händen durch Gesicht und Haare. Nur ein paar Tränen liefen ihm über die Wangen. Meine Mutter nahm ihn besorgt in ihre Arme, befragte ihn nach etwaigen Schmerzen. Aber der Kleine schüttelte nur trotzig den Kopf. Ihm war kein Härchen gekrümmt worden, denn er war ja schließlich als „Sonntagskind“ geboren worden.  An eine polizeiliche Aufnahme des Unfalls kann ich mich nicht erinnern, darauf wurde vermutlich verzichtet. Wir haben uns trotzdem auch später noch oft im Klosterstüberl zu Hochzeiten, runden Geburtstagen und Trauerfeiern getroffen.

Ich selbst bin übrigens gegenüber vom Klosterstüberl, in dem Gebäude rechts neben dem anderen Tor im 1. Stock zur Welt gekommen. Dort befand sich nach dem Krieg ein Lazarett, in dem meine Mutter als Krankenschwester tätig war und ihr dann auch als Entbindungsstation diente. Unter Freunden bezeichne ich mich deshalb des Öfteren gerne als „Fürstenfelder Klosterkind“.






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Stand: 02/28/2020
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