Wie wir Lausbuben unser Taschengeld „verdienten"

Eine überaus ruhige Zeit waren die Fünfzigerjahre in Bruck. Die Kapuzinerstraße war bis 1955 unser häusliches Wohnumfeld und wir genossen sie als Spielstraße, wo wir uns als Sechs- bis Neunjährige unter anderem mit „Ochs am Berg“ und „Blinde Kuh“ vergnügten. Selten befuhren Autos unsere Straße. Nach der Schule und der Erledigung der Hausaufgaben sahen wir gern der Anlieferung von Eisstangen ins benachbarte Café Kelnberger zu und hofften auf ein Abbrechen von Eisstücken, die uns oftmals ein teures Speiseeis ersetzten.

Taschengeld gab es damals so gut wie gar nicht. Mein Vater war als Elektriker bei der Eisenbahn schließlich Alleinverdiener. Da mussten wir - mein ein Jahr jüngerer Bruder und ich - einiges unternehmen, damit unsere kleinen Wünsche in Erfüllung gehen konnten. Das Geldauftreiben ging beispielsweise so, dass wir kleine Buben uns zu der Zeit zum Bahnhof aufmachten, wenn die US-Soldaten von ihren Ausflügen mit dem Zug aus München zurückkehrten. Wir Fünf- und Sechsjährige Zwergerl hielten die Amis mit den Worten: „Please Money“ auf, was manchmal mit einem 50-Pfennigstück recht prima aufging. Mitunter verdienten wir uns auch mit eine Stunde Kegel-Aufstellen auf der Kegelbahn an der Marthabräu-Halle ein paar Zehnerl. Einträglicher verlief für uns die Sucherei nach verlorenen Münzen auf dem Volksfestplatz. Bevor wir - während der Volksfestzeit - frühmorgens in die Philipp-Weiß-Volksschule eintrudelten, hoben wir die Holzgitter am Glückshafen hoch und konnten am Boden viele Münzen einsammeln. Eine andere Geldquelle zapften wir in der Jahnhalle an - nach den dort stattfindenden Boxkämpfen. Wir Buben wurden von unserem Lehrer auch zum Aufräumen der Stühle gebeten, wo ich einmal auf der Empore mehrere Silbermünzen auf dem Boden fand. Zu einigem Taschengeld kam ich aber auch durch das Pflücken von Schlüsselblumen und Maiglöckchen, die ich dann nach der Heiligen Sonntagsmesse vor der Stadtpfarrkirche den Kirchgängern feilbot. Einen tollen Maiglöckerl-Platz wusste ich von meinem Vater, der auch die besten Orte für Steinpilze und Reherl kannte.

Eine unartige Geschichte, in der ich offenbar die Hauptrolle spielte, wurde mir unlängst von einem Schulfreund wieder erzählt, der diesen Vorfall bis heute nicht vergessen hat. Demnach haben wir Jungs im Alter von etwa neun Jahren, den auf dem Viehmarktplatz ansässigen Buntmetallverwerter „Eisen-Rudi“ ein wenig über den Tisch gezogen: Mit einem langen Stecken fädelten wir die nur wenig entfernten, schöneren und offenbar edleren Metallteile durch den Drahtzaun zu uns. Dann legte ich sie dem Rudi am Kassenhäuschen hin, der sie abwog und uns das hierfür entsprechende, nicht gerade wenige, ausgerechnete Geld gab. Darüber amüsierten wir uns jetzt noch nach mehr als 60 Jahren. Hoffentlich verzeiht uns der Nachkomme des Eisen-Rudi den damaligen Schabernack.

Mit dem Geld finanzierten wir uns die sonst fast nicht erschwinglichen Süßwaren und Lesestoff. Vor allem hatten es mir die kleinen Heftchen „Rolf-Torrings Abenteuer“, angetan, die 40 Pfennige „teuer“ waren. Gekauft habe ich mir die Hefte am Zigaretten- und Zeitschriftenkiosk vor dem Bichlerbräu an der Brucker Hauptstraße. Und auch die vielen Karl-May-Bücher, die ich mir allerdings von der kirchlichen Leihbücherei auslieh, weckten meine Lese-Leidenschaft, die bis heute anhält.






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Stand: 02/28/2020
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