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Projekt „Kulturstadt – Künstlervillen“
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Eingebettet in die lebensreformerische Idee der Gartenstadt, sind in Bruck und Emmering Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ausgedehnte Villen-
gebiete, großbürgerliche Landhausvillen und die sogenannten Künstlervillen im Stil der Gartenstadt entstanden.



Beispiel für ein städtebauliches Juwel in Fürstenfeldbruck: Die Lederer-Villa, die in großzügiger neubarocker Bauweise im Jahre 1906 für den Fürstenfeldbrucker Arzt Dr. Franz Lederer errichtet wurde


Geschichtlicher Hintergrund


Ab ca. 1875 siedeln sich Künstler aus der nahen Münchner Kunstszene dauerhaft in Bruck an. Dafür lag eine Vielzahl von Beweggründen aus künstlerischer Sicht auf der Hand: die abwechslungsreiche Auen-, Moos- und Flusslandschaft, die besonderen Lichtverhältnisse und daraus resultierenden Stimmungen und der besondere Reiz von wassergeprägten Landschaftsgebieten als ein beliebtes Motiv der Malerei.

Andererseits spornen sie aber auch ganz handfeste Motive an: die Abkehr von der umtriebigen Kunststadt München, die Flucht vor den schlechten Lebensbedingungen in der Stadt und der Wunsch nach einem Leben in Einklang mit der Natur. Nach und nach versammeln sich in Bruck und Emmering Maler, Bildhauer, Literaten, Theaterleute, Musiker sowie Architekten und lassen eine intellektuell und künstlerisch wirkende Atmosphäre entstehen.

Der ländlich-beschauliche Markt Bruck und seine Umgebung können neben einer abwechslungsreichen Natur und guter Luft auch mit einer für die damalige Zeit überaus fortschrittlichen Infrastruktur aufwarten: Hierzu gehören z.B. der Bahnanschluss, elektrische Stromversorgung, Wasserleitungen, Telefon und Krankenhaus. Zudem sind Grundstückspreise, Steuern, Wohnungsmieten und Lebenshaltungskosten moderater als in der Hauptstadt.

Damit wird Bruck auch für begüterte Privatiers und Industrielle interessant, die vor den Unannehmlichkeiten der Stadt flüchten wollen, sich dies auch leisten können und ihre naturromantische Sehnsüchte befriedigen. Die Villengebäude in Fürstenfeldbruck und Emmering gründen sich so einerseits auf gesellschafts- und lebensreformerische Überzeugungen der Gartenstadtidee und tragen andererseits einzelne Züge einer Vorstadt oder Villenkolonie. Durch soziales Engagement und Förderung des Gemeinsinns gelingt die gesellschaftliche Integration und kulturelle Bereicherung von Fürstenfeldbruck.





Städtebauliche Lage der Villen


Im Rahmen der bisherigen Voruntersuchungen ist deutlich geworden, dass die Villen in einem größeren städtebaulichen Zusammenhang gesehen werden müssen. In einer ersten Annäherung wurden über 100 Gebäude kartiert; hiervon stehen etwa 35 Villengebäude unter Denkmalschutz.

Zusammen mit 100 weiteren Gebäuden bilden sie das Gesamtgebiet der „Kulturstadt - Künstlervillen“. Die Villengebiete liegen, bedingt durch die zeitliche Abfolge der Stadtentwicklung, ringförmig um die historische Innenstadt, im Wesentlichen verteilt auf vier Stadtbereiche:

  • Im Osten
    beidseits der Amper entlang der Dachauer Straße und Emmeringer Straße (teilweise im Gemeindegebiet der Gemeinde Emmering),


  • im Westen
    zwischen der Schöngeisinger und Pucher Straße bzw. Aicher Straße mit Viehmarktplatz, Ludwigstraße und Kapuzinerstraße, sowie nördlich der Pucher Straße bis zur Unfaltstraße,


  • im Norden
    nördlich der Dachauer Straße mit der Feuerhausstraße, Josef-Spital-Straße und Polzstraße, sowie Adolf-Kolping-Straße und Stadelberger Straße.


  • im Süden
    entlang der Münchner Straße und südlich weiter in Richtung Bahnhof.





Ziele des Projekts


Die Villengebiete sollen wegen ihrer weit reichenden kulturellen, städtebaulichen und wirtschaftlichen Bedeutung im Interesse des Gemeinwohls, möglichst zusammenhängend erhalten und gegebenenfalls behutsam weiterentwickelt werden. Die zunehmende Komplexität und Verflechtung der Aufgaben und Handlungsfelder verlangt, dass diese Entwicklungsaufgabe übergreifend und zusammenhängend auf Grundlage eines vielschichtig abgestimmten Gesamtpaketes von Instrumenten und Maßnahmen angegangen werden muss.

Als planerischer Einstieg ist zunächst die Vorbereitung einer städtebaulichen Sanierungsmaßnahme gemäß § 136 Baugesetzbuch vorgesehen. Im Rahmen dieser Vorbereitenden Untersuchungen sollen gebietsbezogene Grundlagen und Zielvorgaben ermittelt werden. Mit den Vorbereitenden Untersuchungen werden, mit Ausnahme der Auskunftspflicht der betroffenen Bürger keine rechtlichen Verpflichtungen seitens der Stadt und der betroffenen Bürger ausgelöst. In der Folge ist die förmliche Festlegung von Sanierungsgebieten möglich.

Als einen weiteren Baustein des Gesamtpaketes bietet das Bauamt der Stadt Fürstenfeldbruck eine integrierte Beratung (VIB) für diese Villengrundstücke an. Im Rahmen der Beratung sollen die städtebaulichen, architektonischen, rechtlichen, finanziellen und sonstigen Fragestellungen, die beim Erhalt der Gebäude auftauchen, umfassend und individuell mit dem Eigentümer diskutiert, Konzepte und Lösungen erarbeitet sowie weitergehende Hilfestellungen gegeben werden.

In einem weit gefassten Sinn ist die Gartenstadtidee, wie die ungebremste Nachfrage beweist, aus Sicht der (potentiellen) Bewohner auch heute noch aktuell. Die Vielschichtigkeit und Ausgewogenheit, die besondere architektonische Wirkung im Ensemble und der Charme des Historischen machen diese Gebiete aus heutiger Sicht, als Wohnstandorte interessant. Auch einhundert Jahre später scheint das Wohnen und Leben in der Gartenstadt noch zeitgemäß oder wieder zeitgemäß.





Begleitaktivitäten


In der Stadt Fürstenfeldbruck und der Gemeinde Emmering besteht die Absicht, das Projekt der Künstlervillen gemeinsam zu realisieren. Zunächst wurden im Jahr 2010 mehrere Veranstaltungen durchgeführt, um das Thema bei Bürgern und Planungsbeteiligten stärker ins Bewusstsein zu rücken. So fand im Februar 2010 eine Führung zu ausgewählten Villen in der Dachauer und Emmeringer Straße statt.

Zudem wurden eine Infoveranstaltung im April und ein Kreativ-Workshop im Juni von der Stadt organisiert und durchgeführt. Im Stadtmuseum war im Rahmen dieses Themas die Ausstellung „ Hans von Petersen- ein Marinemaler in Bayern“ zu sehen. Die Presse unterstützte das Projekt mit einer fortlaufenden Serie über die Villengebäude und eine privat betriebene Internetseite wurde eingerichtet.

Am 26.01.2011 um 19.00 Uhr eröffnet die Ausstellung „Verborgene Schätze - Künstlervillen in Fürstenfeldbruck als Zukunftschance“, die von der Stadt, der Stadtsparkasse und der Stadtstiftung unterstützt wird. In einem Begleitband zur Ausstellung werden verschiedene Aspekte des Phänomens der Künstlervillen aufgezeigt. Ausgehend von der Ausstellung startet im Februar eine vierteilige Vortragsreihe (siehe Aktuelles). Weitere Begleitaktivitäten sind angedacht.


Downloadbereich:


Übersicht des Villen-Sanierungsgebietes der Stadt Fürstenfeldbruck
Dateigröße: 2,1 MB
Dateityp: pdf


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