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 Das Alte Rathaus heute
Als das Haus des am 2. Januar 1863 verstorbenen Kaufmanns Joseph Rehm verkauft wurde, erwarb es die Markts-Gemeinde um den Preis von 18.000 Gulden, wozu die 'Königliche Regierung von Oberbayern im Namen Seiner Majestät des Königs von Bayern' am 6. Februar 1864 die Zustimmung erteilte. Neun Monate später kam die Genehmigung zum bedürfnisgerechten Umbau des Gebäudes. Der wurde dann zügig angegangen und wohl schon 1866 fertiggestellt. Das bisher als Schrannen- und Rathaus genutzte Gebäude neben der Kirche wurde Armenhaus
Fotos aus der Zeit nach Fertigstellung des Rathauses lassen ganz deutlich die Raumgestaltung im Innern erkennen. Auffallend der breite Eingang im Erdgeschoss und die einfache Gestaltung des Äußeren. Durch den Eingang trug man das auf der Schranne vor dem Rathaus erworbene Getreide in die Schrannenhalle, die Platz für 200 Scheffel Getreide bot, deutlich erkennbar an den kleinen, einfachen Fenstern links vom Eingang. Neben der Halle, hinter einem großen Fenster hatte der Schrannenschreiber seinen Platz, der an Verkäufer die Schrannenzeichen abgab. Er mußte sein Zimmer mit dem Marktschreiber teilen.
Von der Kanzlei führte eine Türe zu dem anschließenden kleinen Sitzungsraum, der zugleich als Kassenzimmer diente und dessen Fenster zum Schutz vor Einbrechern vergittert war. Schließlich hatte im Erdgeschoss der Polizeidiener noch ein kleineres Zimmer, das er auch als 'Wachzimmer für Einquartierungen' (wohl Arrestzelle) verwenden musste.
 Das Alte Rathaus mit neugotischer Fassade vor dem Umbau 1908/09
Zentrum und wichtigster Bestandteil des Rathauses sollte der große Versammlungsraum mit Platz für 250 Personen sein (diese Zahl ist bei der Planvorlage wohl etwas zu groß angegeben worden). Zu seinem in gotisierender Form gestalteten Eingang gelangte man auf der über Eck geführten Freitreppe mit einem durchbrochenen in Stein gehauenen Geländer. Seine zwei Fenster zum Markplatz und die drei an der Westseite zeigen in Größe und Gestaltung die Bedeutung des dahinter liegenden Raumes. Im Versammlungssaal war ein erhöhtes, mit einer Treppe vom Saal aus zugängliches Podium für die Ausschuß-Mitglieder. Von diesem aus gelangte man in das anschließende Sitzungszimmer und die daneben befindliche Registratur, im Äußeren deutlich vom Versammlungssaal durch kleinere Fenster abgesetzt.
Das zweite Stockwerk beherbergte die Wohnung des Marktschreibers. Eine stattliche Vierzimmer-Wohnung mit Küche, Fletz und 'Abtritt' (Toilette). Ihre Fenster waren durch eine Umrahmung geschmückt aber noch nicht mit Fensterläden versehen. Die drei Dachgauben zur Marktseite hin trugen Fialen. Am Giebel war ein Treppengiebel angedeutet. Über den Fenstern des zweiten Stockwerks brachte man an der Giebelseite die vom Erzgießer Ferdinand von Miller dem Jüngeren der Heimatstadt seines Vaters gestifteten Bronzereliefs mit den Portraits Herzog Ludwig des Strengen und Kaiser Ludwig des Baiern an.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, kaum 40 Jahre später, als erstmals auch die Erhebung des Marktes Bruck zur Stadt thematisiert worden war, träumten die Brucker von einem Um- bzw. Neubau ihres Rathauses. Es wurden Pläne gefertigt für einen Umbau des bisherigen Rathauses und seine Erweiterung bis zur Amperbrücke. Aber auch ein völliger Neubau auf dem Platz der jetzigen Sparkasse am Marktplatz wurde geplant. Beide Pläne hat Kreisheimatpfleger Dipl. Ing. Architekt Alexander Zeh in der heimatkundlichen Vierteljahresschrift Amperland (1990, Heft 1, Seite 401) veröffentlicht.
 Das Alte Rathaus in ochsenblutrotem Anstrich (wohl um 1960)
Aus Kostengründen mussten aber all diese hochfliegenden Pläne im Archiv begraben werden. 1908 entschloss man sich zu einem einfachen Umbau des bestehenden Rathauses. Der war möglich, weil die Schrannenhalle in das inzwischen durch den Markt erworbene Niedermayer - Anwesen (an Stelle des heutigen Sparkassenbaues) verlegt werden konnte. So brachte der Ausbau des bisher als Schrannenhalle genutzten Erdgeschosses zusätzliche Büro-Räume. Das zeigt sich deutlich auf dem Bild des Rathauses aus dem Jahre 1909. Im Erdgeschoß sind nun 7 normale, vergitterte Fenster. Auch die Brüstung des Treppenaufganges ist umgestaltet worden. Sie erhielt eine geschlossenere Form. Damals sind wohl die Tiere angebracht worden, deren genauere Betrachtung empfehlenswert ist. Eingang und Fenster des großen Saales sind nun durch Fassadenmalerei deutlich hervorgehoben. Alle übrigen Fenster im ersten und zweiten Stockwerk erhielten Fensterläden. Ein anderes Gesicht erhielt die Fassade.
Die gotisierenden Treppengiebel wurden in nachempfundenem Barock umgestaltet und ein kleines Rundtürmchen aufgesetzt. Vereinfacht hat man die Dachgauben und um eine vermehrt. Genau über dem Saaleingang wurde eine Turmuhr angebracht auf deren geschwungenem Giebel ein Hahn sitzt. Die Uhr lieferte die 'Königlich Bayerische Hof- und Turmuhrenfabrik' Johann Mannhardt in München, sie kostete 720 Mark.
Kaum 25 Jahre später genügte auch dieses umgebaute Rathaus nicht mehr den Anforderungen. 1934 riß man das alte Schrannenhaus ab und errichtete an dessen Stelle einen Rathaus-Neubau. Seit dessen Fertigstellung wird unser Gebäude nur noch als 'Altes Rathaus' bezeichnet und es verfiel in einen langen Dornröschenschlaf. Äußerlich erhielt es einen 'ochsenblut'-roten Anstrich, der vielen Bruckern noch in Erinnerung sein wird. Im Saal waren vorübergehende die Reste des Heimatmuseums untergebracht.
50 Jahre später, im Jahr 1984, war es soweit, dass das nahezu ungenutzt Haus in seinem Inneren zu Büroräumen umgestaltet werden sollte. Die bei ersten Untersuchungen wieder entdeckte Fassung der Saalausmalung führte zu intensiven Diskussionen an deren Ende der Beschluss stand, das Alte Rathaus in der Fassung von 1908 innen und außen wiederherzustellen. Und so präsentiert sich dieses Haus in seinem Äußeren heute als Schmuckstück unseres Marktplatzes. In seinem Inneren birgt es die gute Stube unserer Stadt, den Versammlungssaal in seiner Ausschmückung von 1908, heute genutzt als Trauungszimmer.
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