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Januar 2009 - „Vor 100 Jahren...“
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..endlich eine dauerhafte Amperbrücke


von Robert Weinzierl

Selbst ältere Mitbürger können sich heute nur an Amper - Hochwasser in größeren zeitlichen Abständen erinnern. Das war früher - vor Regulierungsmaßnahmen - ganz anders. In alten Chroniken lesen wir von häufigen Überschwemmungen, ja sogar wiederholten innerhalb eines Jahres. Die anschwellenden Fluten beschädigten die einstmals hölzerne Brücke schwer, manche zerstörten sie ganz. Bei deren Bedeutung des Amperübergangs für die Bewohner des Marktes Bruck und der Umgebung ist der Wunsch nach einer dauerhaften Brücke nur zu verständlich, zumal auch die alte, schmale Holzbrücke, zuletzt erbaut 1885, dem anwachsenden Verkehr nicht mehr gerecht wurde. Dort war nämlich für Fußgänger kein Platz, wenn sich zwei Fuhrwerke begegneten.

Der Brückenneubau


Am 21. März 1904 beschloss der Magistrat der Marktgemeinde Bruck bei der königlichen Regierung die Herstellung einer neuen Brücke zu beantragen. Sie sollte eine Fahrbahnbreite von mindestens 7 m und dazu zwei Gehsteige von je 1,80 m erhalten, zusammen also 10,60 m breit werden. Es dauerte fünf Jahre, bis das königliche Straßenbauamt die Pläne für die neue Brücke ausarbeitete und vorlegte. Zähneknirschend nahm man in Bruck zur Kenntnis, dass nur eine Fahrbahnbreite von 6,40 m gebaut wird, auch dass die Kosten der Verlegung von Wasser- und Stromleitung unter der neuen Brücke die Marktgemeinde tragen musste.

Alte Amperbrücke von 1885
Das Material für die Errichtung der Notbrücke liegt schon bereit.
(Sammlung Robert Weinzierl, Fürstenfeldbruck)

Vor dem Abbruch der alten Holzbrücke aus dem Jahr 1885 errichtete der Brucker Zimmermeister Markus Mayr im Auftrag des königlichen Straßen- und Flussbauamtes eine Notbrücke von 4,5 m Fahrbahnbreite und einem Gehsteig. Niedriger Wasserstand begünstigte die Arbeiten und um diese nicht zu beeinträchtigen wurden auch Floßfahrten für die Dauer der Brückenbauarbeiten verboten. Kaum war die Notbrücke fertig fand sich im Brucker Wochenblatt eine heftige Kritik über diesen Notbehelf.

Sowohl Fahrbahn als auch „Bürgersteig“ seien zu schmal. Der Kritiker sah die Brucker Welt als „mit Brettern vernagelt“ an, denn die Brücke könne nicht einmal dem normalen Verkehr standhalten, viel weniger dem erheblich höheren an Schrannen- und Viehmarkttagen. Der Bürgersteig sei so schmal, dass er nur für eine Person Platz bietet, ein Ausweichen auf demselben sei ein Ding der Unmöglichkeit. Unglücksfälle im Lauf der Bauzeit seien unvermeidlich. Eine so schmale Brücke würde allenfalls für das nächst beste Bauerndorf passen, niemals aber für den Markt Bruck.

Der prophezeite Unglücksfall traf dann tatsächlich ein. Ein betrunkener 18jähriger Jugendlicher fiel am 12. Juni um drei Uhr früh von der Notbrücke in die Amper. Er blieb an einem Pfosten hängen und rief verzweifelt um Hilfe. Sein Rufen wurde trotz der nächtlichen Stunde gehört und er konnte zwar nass, aber unverletzt geborgen werden. Die Zeitung mahnte: „Junge Leute, hütet Euch vor dem Alkohol, denn er macht Euch schneller betrunken als ihr glaubt.“

Ohne Verzögerung ging auch der Neubau unserer Amperbrücke nicht. Am 30. März streikten die Bauarbeiter für höhere Löhne. Das Brucker Wochenblatt schrieb dazu: „Wir können und wollen nicht untersuchen, inwieweit die Mehrforderungen berechtigt sind, doch zeigt sich auch hier wieder die schon oft geübte Praxis: Im Winter, wenn es an Verdienst und Arbeitsgelegenheiten mangelt, hört man nur Klagen nach Verdienst; kommt dann eine günstige Zeit, wo es Geld zu verdienen gäbe, dann streiken die Arbeiter meistens an einem angefangenen Bau, wodurch sie den Unternehmern oft die größte Verlegenheit bereiten.“

Im September war es dann endlich soweit. Am ersten Tag des Volksfestes 1909 zog vormittags 10 Uhr ein Festzug bestehend aus Reitern, Gruppen sämtlicher Vereine mit Fahnen, Abordnungen des königlichen Bezirksamtes und Magistrats zu Wagen, Fahnenträger in altdeutschen Kostümen vom Rathaus (Altes Rathaus) über die Notbrücke, um die Leonhardikirche herum und dann über die neue Brücke, womit sie offiziell dem Verkehr übergeben wurde.

Neue Amperbrücke nach ihrer Vollendung
Die Notbrücke steht noch.
(Sammlung Robert Weinzierl, Fürstenfeldbruck)

Die neue Amperbrücke fand großes Lob, so schreibt das Brucker Wochenblatt in seiner Ausgabe vom 4.9.1909: „Die neue Brücke über die Amper ist nun vollendet und präsentiert sich dem Beschauer als ein prächtiges Bauwerk von sehr harmonischen Formen, welches sich dem Landschaftsbilde vorzüglich anpasst....Die Brücke ist sowohl in der Fahrbahnbreite, als auch in den Fußgängersteigen gegen früher erheblich verbreitert, so dass sie dem stärksten Verkehr vollständig genügt.“

Und das tat sie 100 Jahre und tut es noch heute, obwohl sich die Bürger von 1909 kaum vorstellen konnten wie der Verkehr über die Brücke anschwoll. Sie hielt auch den Hochwassern des 20. Jahrhunderts stand, ohne grundlegende Erneuerung. Ein wahrhaft dauerhaftes Bauwerk, wofür wir den Konstrukteuren und Erbauern am 100. Geburtstag dankbar sein wollen und hoffen, dass sie noch weitere Jahrzehnte ihren Dienst erfüllt.

Die Rosschwemm


Die Eröffnung des Brückenneubaues nahmen drei Anrainer zum Anlass, beim Magistrat die Beseitigung der sie störenden Rossschwemme zu beantragen. Dies war eine flache, zur Amper führende Böschung neben der nordwestlichen Brückenauffahrt. Über diese wurden vorwiegend Arbeitspferde in die Amper zum säubern und abkühlen geführt. In Resten ist sie heute noch zu sehen.

Die alte Rossschwemme
Neben der Amperbrücke der Waschsteg.
(Sammlung Albert Wirth, Fürstenfeldbruck)

Anrainer, die sich durch die Rosschwemme belästigt fühlten, sahen im Brückenneubau eine Chance, zu deren Auflösung. Sie beschwerten sich wegen der Lärmbelästigung durch das Pferdeschwemmenan Sonn- und Feiertagen schon um 3 Uhr früh. Nicht nur sie, sondern auch die Badegäste im gegenüberliegenden Badgasthaus (heute Hotel Hartmann) würden dadurch empfindlich in ihrer Nachtruhe gestört. Außerdem bietet der über die Böschung der Schwemme verlaufende Abwasserkanal der Schwabingerbrauerei (heute Rossmann) mit den sonstigen ekelerregenden Ablagerungen einen unschönen Anblick.

Sie schlugen vor, mit geringen Mitteln eine Ufermauer zu errichten und auf der aufgefüllten Böschung eine Uferpromenade mit schattigen Bäumen und Sitzgelegenheiten zu schaffen. Der Magistrat schloss sich zunächst dieser Meinung an, doch einige Marktbewohner und der Historische Verein erhoben entschiedenen Widerspruch. Sie unterstellten den Antragstellern puren Eigennutz und Egoismus. Diesem stünde das von einer breiten Mehrheit getragene Interesse an Heimatschutz, Orts- und Denkmalpflege entgegen.

Dazu gehöre die Erhaltung des schönen Blicks von der Pferdeschwemme über die Amper zu Leonhardikirche; alles was ländlich und bodenständig ist und dem Einheitlichen Gesamtbild unseres Marktes diene. Dies dürfe auf keinen Fall dem Bestreben geopfert werden, „alles möglichst großstädtisch, scheinbar vornehm und imponierend, in Wirklichkeit protzig zu gestalten.“ Das verunsicherte den Magistrat. Der holte als Beratungsunterlage eine Stellungnahme des Bayerischen Vereins für Volkskunst und Volkskunde ein.

Die darin enthaltene Beschreibung des Marktes Bruck scheint mir so interessant, dass ich sie den Lesern nicht vorenthalten möchte: „Der Bebauungscharakter, wie das Leben und Treiben in Bruck ist vorwiegend ländlich. Es gibt nur wenige große Häuser, Neubauten, welche hässlich und anmaßend wirken (Anmerkung: gemeint sind das Haus mit der Commerzbank und das mit der Strickwarenzentrale).

Sonst sind die Straßen- und Platzanlagen hübsch. Besonders fällt der gute Abschluß des stattlichen Marktes und seiner Seitengassen durch das Bezirksamt (heute Rathaus) und das Rathaus (Altes Rathaus) beziehungsweise durch die Apotheke (Kirchstraße 9) und ein in dieSchöngeisingerstraße stehendes Haus auf. Hübsche gemütliche Häuser umsäumen den Marktplatz, besonders den oberen Teil beim Bezirksamt.

Dort findet sich auch ein modernes Haus einer Weingroßhandlung (Pucher Straße 6 > Schmuckwarenladen), welches beweist, dass ein Neubau sich ganz gut einfügt, wenn er nur nicht durch übermäßige Masseanhäufung und Höhe oder ungewöhnliches Material aus dem Rahmen fällt. Sehr bezweifelt wird, dass die Ähnlichkeit oder das Nachäffen von großstädtischem Gehabe Bruck für Sommerfrischler und Villenbesitzer begehrenswerter macht; gerade das Gemütliche und Gemütvolle wirkt in Bruck anziehend; wer Städtisches will, findet es anderswo besser.

Darum sollte der jetzige Charakter beibehalten und deshalb auch die ländliche und originelle Rossschwemme an der Marktbrücke. Sollte Bruck einmal städtischen Charakter annehmen, dann ist es immer noch Zeit die Schwemme durch eine alltägliche Betonmauer oder durch eine nutzlose Terrasse zu ersetzen.“

Die Rossschwemme verschwand mangels Bedarf erst in unserer Zeit. Wer heute vor ihren Resten steht kann wahrlich nicht nachvollziehen, welch heftiger Streit vor 100 Jahren um die Gestaltung dieses kleinen Winkels entstand.

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