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 | |  | Dezember 2010 - Der Beginn des höheren Schulwesens nach dem Ende der NS−Diktatur |  |
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von Dr. G. Neumeier
Bis zum Ende des NS-Regimes gab es keine höhere Schule in Fürstenfeldbruck. In der NS-Zeit waren die Schulen für die Erziehung im Sinne des Nationalsozialismus verantwortlich. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Lehrerinnen und Lehrern war tief in das diktatorische Regime verstrickt. Die amerikanische Besatzungsmacht legte größten Wert auf den Aufbau von Schulen, die Teil eines demokratischen Gemeinwesens sein sollten, das gesamte Schulwesen sollte demokratisiert werden. Die Umerziehung der Deutschen sollte sich nicht in der Entnazifizierung erschöpfen, sondern darüber hinaus die Deutschen zu demokratischen Überzeugungen bringen. Beginnen musste man bei der Jugend, in der Schule, vor allem in den höheren Schulen. Viele US-Beobachter sahen in dem dreigliedrigen Schulsystem die eigentliche Ursache für den deutschen Untertanengeist. Zum Abschluss der Artikelserie über die Entwicklung unseres Ortes seit der Stadterhebung 1935 soll im vorliegenden Text der Anfang des höheren Schulwesens in Fürstenfeldbruck beleuchtet werden.
Die Gründung der Oberrealschule 1947 Am 19. Februar 1947 wurde im Stadtrat von Fürstenfeldbruck das erste Mal über die zu errichtende Oberrealschule gesprochen, der Wortlaut der Eintragung im Protokoll lautete: „Eine Kommission, bestehend aus Herrn Landrat Wachter, Bürgermeister Neumeier und Herrn Stadtrat Huber wurde beauftragt, wegen Errichtung einer höheren Lehranstalt in Fürstenfeldbruck beim Kultus-Ministerium und Innenministerium vorstellig zu werden. Bei der Vorsprache soll auch gleichzeitig ein diesbezügliches schriftliches Gesuch der Stadt unter Befürwortung des Landrates übergeben werden.“
Dies war die Geburtsstunde der Oberrealschule (heutiges Graf-Rasso-Gymnasium) in Fürstenfeldbruck, sie war zunächst eine Zweigstelle der Oberrealschule München-Pasing. Vor allem der erste gewählte Bürgermeister unseres Ortes nach dem Ende der NS-Diktatur, Hans Wachter (CSU), der 1947 zeitweise als Landrat fungierte, war die treibende Kraft dieser Gründung, die bald bewilligt wurde. Noch im Herbst desselben Jahres, ab dem 5. Dezember 1947, wurde im Bichlerbräu der erste Unterricht erteilt.
Die Oberrealschule bestand aus zwei Zweigen, zum einen aus der Oberrealschule und zum anderen aus einem humanistischen Gymnasium, der einzige Unterschied in den ersten Jahrgangsstufen bestand darin, dass die Oberrealschüler Englisch hatten und die Gymnasiasten Latein. Die Schule war somit Teil des dreigliedrigen Schulsystems. Von Anfang an wurde der vollständige Fächerkanon unterrichtet, begonnen wurde mit den Klassen 1, 2 und 3. In einer Zeit von Not und Mangel – es fehlten beispielsweise Papier und Schulhefte -, mussten Lehrmittel und Lehrbücher beschafft und die Räume beheizt werden, keine leichte Aufgabe für die Verantwortlichen. Der christliche Wertekanon bestimmte das Erziehungsbild der Oberrealschule Fürstenfeldbruck. Katholische Religionslehre wurde von Kaplan Josef Metzger unterrichtet, Pfarrer Stockmeier unterrichtete Evangelische Religion. Direktor Dr. Lindemann gab Geschichte, vor allem Römische Geschichte und Deutsche Geschichte des Mittelalters, Deutsch und klassische Sprachen.
Weitere Lehrerinnen und Lehrer in den ersten Jahren waren beispielsweise Frau Martha Geys (Mathematik und Physik), Herr Julius Engel (Latein), Frau Dr. Barbara Brückner (Deutsch, Geschichte), Frau Edeltraut Deisenhofer (Biologie, Chemie und Erdkunde), Herr Ludwig Baumann (Deutsch, Geschichte und klassische Sprachen) und Frau Dr. Sieglinde Wetzel (Englisch, Geschichte und Turnen). Sekretärin der Schule war Frau Kauf. Die Größe der einzelnen Klassen betrug ca. 30 – 35 Schülerinnen und Schüler, Koedukation wurde von Anfang an praktiziert, der Anteil der Schülerinnen betrug etwa ein Drittel. Ebenfalls von Beginn an gab es eine Schulspeisung.

Der Ausbau der Oberrealschule bis 1950
 Schülerinnen und Schüler der Oberrealschule um 1950 (Foto: Privatsammlung Robert Weinzierl)
Im Juli 1948 verlegte das Jüdische Komitee auf Vermittlung der Stadt die bisherige Nähstube im I. Stock des Bichlerbräus in den Jungbräusaal. Somit konnten im Bichlerbräu nach Einrichtung einer Zwischenwand zwei weitere Säle für Unterrichtszwecke genutzt werden, gleichzeitig konnte mit Beginn des neuen Schuljahres auch eine 4. Klasse der Oberrealschule eröffnet werden. Landrat Raadts gewährte der Stadt Fürstenfeldbruck einen Zuschuss von jährlich 3000 DM zum Ausgleich ihrer Leistungen an Miete und Gebäudeunterhalt.
Zu dieser Zeit liefen bereits Planungen für die Errichtung eines eigenen Schulgebäudes, da der Andrang der wissbegierigen Jugend groß gewesen zu sein scheint. Außerdem wollte die Brauerei Maisach den Bichlerbräu bald wieder als Gaststätte nutzen. Die Stadt Fürstenfeldbruck führte intensive Verhandlungen wegen des weiteren Ausbaus des Schulgebäudes an der Jahnhalle. Im Februar trat der Elternbeirat an das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus mit dem Antrag heran, die Oberrealschule in eine selbständige höhere Lehranstalt umzuwandeln. Der Stadtrat unterstützte diesen Antrag, er war bestrebt, die räumliche Unterbringung der Schule sicherzustellen.
Mit Ende des Schuljahres konnten der Oberrealschule nach Fertigstellung des Erdgeschosses des neuen Schulhauses an der Jahnhalle Schulsäle im alten Knabenschulhaus zur Verfügung gestellt werden. Die Planungen sahen vor, dass spätestens im Jahr 1950 nach endgültiger Fertigstellung des Neubaus an der Jahnhalle die Oberrealschule im Knabenschulhaus untergebracht wird. Im Januar 1950 machte der Elternbeirat eine Eingabe an das Kultusministerium, um die Oberrealschule zu einer selbständigen Vollanstalt zu machen.
Der Stadtrat unterstützte diese Eingabe. Nachdem das Kultusministerium diese am 1. März 1950 abgelehnt hatte – dort war man teilweise sogar der Ansicht, der Zweig in Fürstenfeldbruck sei eine „aufgeschwemmte“ Anstalt -, besuchte eine Delegation aus Fürstenfeldbruck, bestehend aus Schulleiter Dr. Hans Lindemann, Landrat Ernst Raadts, Stadtrat Karl Huber und Dr. Gertrud Scheingraber vom Elternbeirat, Kultusminister Dr. Alois Hundhammer. Das zentrale Ergebnis dieses Gesprächs war, dass die Oberrealschule mit zwei Abteilungen der 4. und mit einer zu errichtenden 5. Klasse weitergeführt wurde. Auf der Stadtratssitzung vom 24. Mai 1950 erklärte sich der Stadtrat dann einstimmig bereit, die vom Ministerium angeforderten Räume für eine 6-klassige Oberrealschule zur Verfügung zu stellen, seit Herbst 1950 befand sich die Schule dann am Niederbronnerweg.
Langjähriger Schulleiter war der Studienrat Dr. phil. Hans Lindemann (1905 – 1979), der sich später auch kommunalpolitisch engagierte und für die CSU 1960 – 1972 im Stadtrat saß. Von 1960 – 1966 war er Referent für Volksbildungswesen und für die Volkshochschule, zudem übte Dr. Lindemann von 1966 – 1972 das Amt des 2. Bürgermeisters aus. Im Oktober 1950 stellte der Stadtrat endgültig die geforderten Räume für sechs Klassen und Parallelklassen zur Verfügung, darin waren auch Räume für Chemie-, Physik-, Zeichen-, Musik- und Turnunterricht enthalten.

Die Jahre ab 1951 Seit dem 22. Januar 1951 unterstand die Oberrealschule Fürstenfeldbruck nur noch in haushaltsrechtlichen Fragen dem Direktorat München-Pasing, dies war ein großer Schritt zur Selbständigkeit der Zweigstelle an unserem Ort, obwohl Direktor Hartmannsgruber aus Pasing die Fürstenfeldbrucker Oberrealschule am liebsten wieder aufgelöst hätte, was aber glücklicherweise nicht gelang. Somit kamen auch auf die Stadt finanzielle Verpflichtungen hinzu, sie stellte jetzt komplett die Räume, übernahm die Licht- und Wasserkosten und leistete einen jährlichen Zuschuss von 2000 DM. Auch der Landkreis bezuschusste die Oberrealschule, da ein kleinerer Teil der Schülerinnen und Schüler nicht aus der Stadt selbst stammte, sondern aus anderen Gemeinden des Landkreises, beispielsweise aus Adelshofen oder Türkenfeld. Im Schuljahr 1948/49 beispielsweise kamen 64 Prozent der Schüler aus der Stadt Fürstenfeldbruck. In den Jahren nach 1951 nutzte die Oberrealschule immer mehr Räume des alten Knabenschulhauses.

Fazit Kinder und Eltern hatten erhebliche Vorteile davon, dass in Fürstenfeldbruck eine Oberrealschule gegründet wurde, der große Zuspruch seit Bestehen der Schule zeigte dies nachdrücklich, denn bereits im Schuljahr 1948/49 waren es 240 Schülerinnen und Schüler. Die Kinder aus Fürstenfeldbruck und dem Landkreis mussten nun nicht mehr nach Pasing fahren, zudem bestand ein enger und jederzeit abrufbarer Kontakt zwischen Lehrerschaft und Elternschaft. Die gute Schulbildung hatte auch Rückwirkungen auf die Entwicklung Fürstenfeldbrucks, die jedoch noch genauer untersucht werden sollten. Manche der Schülerinnen und Schüler machten direkt nach der Schule eine Berufsausbildung, viele besuchten die Universität, zumeist in München.

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