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 | |  | September 2009 - Wohnen nach dem Zweiten Weltkrieg |  |
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(09/01/2009 - Kultur)

von Dr. G. Neumeier
Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt Fürstenfeldbruck nicht zerstört, nur am 9. April 1945 bombardierte die amerikanische Luftwaffe den Fliegerhorst, es kam zu materiellen Schäden, vor allem an der Startbahn, Tote oder Verletzte gab es nicht. Ein Wiederaufbau der Stadt, wie beispielsweise in den weitgehend zerstörten Städten München, Nürnberg oder Würzburg, war somit nicht notwendig, trotzdem herrschte in Bruck in der Nachkriegszeit ein angespannter Wohnungsmarkt mit oftmals beengten Wohnverhältnissen. Dies war auch darauf zurückzuführen, dass der Wohnungsbau während des Krieges weitgehend zum Erliegen gekommen war.
Ursachen der Wohnungsnot Hauptursache für die Wohnungsnot in der Nachkriegszeit in Deutschland war der von dem NS-Regime verursachte Krieg, der auch für Flucht und Vertreibung primär verantwortlich gewesen ist. Schon während des Krieges wurden, vor allem aus München, viele sog. „Fliegergeschädigte“ nach Bruck evakuiert. In den letzten Kriegsmonaten und in der Nachkriegszeit, vor allem zwischen Ende 1945 und Mitte 1946, kamen ca. 2000 Flüchtlinge und Vertriebene, vor allem aus Schlesien und aus dem Sudetenland, in die Stadt.
Diese beiden Faktoren waren weitere Gründe für die Wohnungsnot in der Nachkriegszeit. Nach Kriegsende mussten auch Unterbringungsmöglichkeiten für die Displaced Persons (DP) und für die amerikanischen Militärangehörigen bereitgestellt werden, hierzu beschlagnahmte die Militärregierung eine Reihe von Wohnungen. Im Februar 1946 waren 87 Häuser mit 250 Wohnungen und rund 1000 Wohnräumen von den amerikanischen Truppen und der UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) belegt.
Die Unterbringung der Flüchtlinge erfolgte in zwei Flüchtlingslagern, dem Lager Grassmann und dem Lager Weiherhaus, in schnell errichteten Wohnbaracken und in den Wohnungen der ortsansässigen Bevölkerung. Oftmals wohnten in mittelgroßen Wohnungen von 50 bis 80 Quadratmetern, der dominierenden Wohnungsgröße in Bruck, sechs, sieben oder mehr Personen. Unser Ort hatte im Jahr 1933 ca. 6000 Einwohner und im Jahr 1946 war die Bevölkerung auf etwas über 11000 Personen angewachsen.

Maßnahmen der Stadt gegen die Wohnungsnot In der Stadtratssitzung vom 26.6.1945 beschloß der kommissarisch eingesetzte und am4. Juni 1945erstmals zusammengekommene Stadtrat, bestehend aus dem Kaufmann Anton Uhl, dem Architekten Adolf Voll, dem Steuerhelfer Michael Neumeier, dem Kaufmann Hans Wachter, dem Förster Albert Daubner und dem Schreiner Georg Feicht, eine Zuzugssperre: „Der Kreis Fürstenfeldbruck beherbergt heute weit mehr als das Eineinhalbfache der Bevölkerungszahl der letzten Jahre. Demgemäß hat sich auch die Einwohnerzahl der Stadt Fürstenfeldbruck durch den Zuzug von Fliegergeschädigten, Evakuierten usw. stark vermehrt.
Die Folge davon ist eine ungeheuere Raumnot, die gegenwärtig noch durch die Inanspruchnahme zahlreicher Wohngebäude durch die alliierten Truppen sehr verschärft wird. Dabei hält der Zuzug nach Fürstenfeldbruck unvermindert stark an, ohne dass ein entsprechender Ausgleich durch Wegzüge zu verzeichnen wäre. Freier Wohnraum ist so gut wie nicht mehr vorhanden. Da es gänzlich unmöglich ist, Zuziehenden zu einer Unterkunft zu verhelfen, ist es notwendig, vorübergehend die Einführung einer Zuzugssperre für die Stadt Fürstenfeldbruck in Erwägung zu ziehen. Vorübergehend sollen Zuzüge nur insoweit gestattet bleiben, als sie den örtlichen Wohnungsmarkt nicht belasten. Der Stadtrat beschließt, beim Landratsamt die Zuzugssperre zu beantragen“. Die Zuzugssperre wurde genehmigt und einige Zeit aufrechterhalten.
Die Stadt versuchte frühzeitig, der Wohnungsnot zu begegnen. Sie stellte im Juni 1945 zwischen der Gartenstraße und dem Marthabräuweiher ein Gelände zur Erstellung von Notunterkünften zur kurzfristigen Verpachtung zur Verfügung und beauftragten den Architekten Voll mit der Erschließung des Geländes und der Durchführung der sonstigen Vorarbeiten. Die Stadt beschloß noch weitere Maßnahmen, beispielsweise die Errichtung einer Siedlung am Senserberg. Am 30. Dezember 1946 heißt es in der Stadtratssitzung: „Zur Durchführung eines Siedlungsvorhabens am Senserberg ist der Tausch von Grundstücken aus Privatbesitz in diesem Gebäude gegen städtische Grundstücke in der Gegend Münchner Berg erforderlich.
Der Stadtrat ist sowohl mit der Errichtung der Siedlung als auch mit den notwendigen Grundstückstäuschen einverstanden und beauftragt das Stadtbauamt, mit den in Frage kommenden Grundstückseigentümern wegen des Tausches in Verbindung zu treten“. Die Siedlung wurde dann nach und nach in den späten 1940er und 1950er Jahren errichtet. Die Ausweisung von Bauland durch die Stadtverwaltung, vor allem im Westen von Fürstenfeldbruck, gehörte zu den Möglichkeiten, die die Kommune besaß, um Wohnungsbau zu ermöglichen.
Der Verkauf von Bauland und die Gewährung von Darlehen durch die Stadt, beispielsweise an die Oberbayerische Heimstätten-AG oder die Fürstenfeldbrucker Wohnungsbaugenossenschaft, verringerten die Wohnungsnot. Durch das Siedlungsvorhaben des WAV (Wiederaufbaufonds) aus dem Jahr 1946wurde auch die Erstellung eines Gesamtbebauungsplanes notwendig. Der Auftrag zur Erstellung eines Gesamtbebauungsplanes wurde an den Architekten Jaud aus München vergeben, zur Linderung der Wohnungsnot durch die immer wieder verzögerte Ausführung trug er jedoch kaum bei.
Die Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt und die Wohnsituation der Menschen waren auch noch im Jahr 1948 schwierig. Vor diesem Hintergrund beantragte der aus München stammende Immobilien-Makler Georg Hetterich (SPD) in der Stadtratssitzung vom 21. Juli 1948: „1. Verhinderung der Zuführung weiterer Flüchtlingstransporte; 2. Verhinderung des Zuzuges ortsfremder Arbeitskräfte für den Fliegerhorst; 3. Erfassung aller jener Personen, die aus einer anderen Zone stammen und bis jetzt in keinem Arbeitsverhältnis standen; 4. Aufstellung weiterer Wohnbaracken; Planung zur Errichtung einer Kleinhaussiedlung an der Maisacherstraße; 5. Ausbau von Speichern und Dachböden; 6. Errichtung eines größeren Wohngebäudes auf dem Platz des ehem. Irlbeckanwesens; 7. Projekt des WAF zur Errichtung einer Siedlung zwischen Bahnhof- u. Münchnerstraße bzw. Luitpol- u. Oskar-von-Millerstraße.“
In der gleichen Sitzung berichtete der stellvertretende Bürgermeister Plonner (CSU) über einige vorangegangene Maßnahmen der Stadt zur Linderung der Wohnungsnot, wie beispielsweise die Resolution der Bürgermeister des Landkreises gegen die Leitung weiterer Flüchtlingstransporte in den Landkreis Fürstenfeldbruck, die Vorsprache von Bürgermeister Neumeier (SPD) bei der Militärregierung mit dem Ersuchen, freiwerdenden Wohnraum von wegziehenden Juden dem städtischen Wohnungsamt zur Verfügung zu stellen, den Antrag bei der Militärregierung auf Freigabe der Siechfeldsiedlung sowie einzelner Privathäuser oder die Ausweisung von Bauland. Der Stadtrat gab ausserdem seine Zustimmung dazu, dass die Stadt mit einem Schreiben über die Militärregierung an den Flugplatz mit dem Ersuchen herantreten soll, dass dort in Zukunft keine auswärtigen Arbeiter mehr eingestellt werden. Ausserdem sollte die Bevölkerung durch Plakatanschlag und Veröffentlichung im Amtsblatt aufgefordert werden, künftig keine Schwarzmieter mehr aufzunehmen.
Der Stadtrat beschloß auch: „Als Muster und zugleich als Anreiz für die Bevölkerung zum Ausbau von Dachwohnungen bzw. Aufstockung von Gebäuden soll das städtische Feuerhaus an der Dachauerstraße um ein Stockwerk aufgebaut werden“. Die Mittel für den Umbau wurden zur Verfügung gestellt. Neben dem Fehlen von Baumaterialien spielte noch die Frage der Finanzierung beim Wohnungsbau eine zentrale Rolle. Ein Beschäftigter der Kreis- und Stadtsparkasse – Perzlmayr – gab im Anschluß an eine Besprechung bei der Gemeindebank in München die verbindliche Auskunft, dass durch Geldinstitute in nächster Zeit tatsächlich keinerlei Finanzierungsmöglichkeit für Bauten besteht und dass für Bauzwecke nur Mittel aus öffentlicher Hand in Frage kommen würden, die eigens für diesen Zweck bereitgestellt werden müssten.
Die Möglichkeiten der Stadt zur Senkung der Wohnungsnot waren also sehr beschränkt, die Ausweisung von Bauland, die Erschließung von Bauland, der Verkauf von Grundstücken oder die Vergabe von Darlehen an Wohnungsbaugenossenschaften gehörten zu den wichtigsten kommunalen Instrumenten der Wohnungsbauförderung. Auch trat die Stadt im Oktober 1948 der Wohnungsbaugenossenschaft Fürstenfeldbruck bei und gründete ein Wohnbauwerk. Im Jahr 1951 kaufte das Landratsamt von der Besitzerin der Marthabrauerei Julie Mayr 12 Tagwerk Grund, welches für den sozialen Wohnungsbau verwendet werden sollte und musste. Der Grund wurde an Heimatvertriebene, Sach- und Währungsgeschädigte in Erbpacht vergeben.

Nachhaltige Erfolge durch Privatinitiativen Trotz aller Bemühungen erholte sich der Wohnungsmarkt erst in den 1950er Jahren, vor allem durch die private Bautätigkeit, die aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs und der sich erhöhenden Massenkaufkraft wieder möglich wurde. Der Wohnungsbau in dieser Zeit lag vor allem in den Händen lokaler Baufirmen wie Leo Hoch, Kaspar Hofmeier, Karl Sitzmann oder J. Unkmeier/W. Riedel sowie mit dem Bau verbundenen Firmen wie der Bauschlosserei Ludwig Mall, der Bau- und Möbelschreinerei Gustav Danke oder der Zimmerei Josef Seethaler.

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