|
 | |  | Auf den Spuren der Römer: Seltene Funde in der Hasenheide entdeckt |  |
| |
 |
|
|
 |
 |
Dort wo heute moderne Gewerbebauten der High-Tech-Branchen aus dem Boden schießen, befanden sich bereits vor 2000 Jahren opulente Häuser der Römer. Dies belegen neueste Funde auf einem Grundstück am Kugelfang in der Hasenheide. Die Fundstelle war schon lange als denkmalpflegerisch relevanter Bereich in einschlägigen Luftbildern und Karten ausgewiesen. Im Zuge der geplanten Expansion des Industrie- und Gewerbegebiets Hasenheide Nord sind nun nähere Befunde ans Tageslicht gekommen, die der Archäologe Mauritz Thannabaur Vertretern der Presse kürzlich vor Ort vorstellte. Thannabaur leitet im Auftrag des bayerischen Landesamts für Denkmalpflege die Grabungen in der Hasenheide.
 So könnte die villa rustica in der Hasenheide einst ausgesehen haben. Die Ansicht gegen Süden spiegelt eine erste Studie wider, die auf dem derzeitigen Kenntnisstand der Analyse der Befunde beruht (Zeichnung: Hans-Peter Volpert)
Die Entdeckungen deuten auf einen vergleichsweise großen römischen Gutshof, eine sogenannte villa rustica, hin. Das Besondere sei, dass die Anlage aus der Frühphase der römischen Besiedelung des Alpenvorlandes stamme, betont der Experte. Dieser Fund ist bayernweit erst der dritte seiner Art. Die römische Siedlungsphase der Gebiete nördlich der Alpen beginnt Mitte des 1. Jahrhunderts nach Christi. Dies ist durch entsprechende Funde bislang allgemein belegt. In dieser frühen Zeit hatten die Römer noch keine Steinbrüche erschlossen, die Logistik war noch nicht hinreichend entwickelt und es gab noch keine Ziegelwerke. Deshalb wurden selbst große Gebäude in Holzbauweise errichtet. Für die damalige Zeit eine bauliche Meisterleistung, was Größe, Statik und Beständigkeit des Gebäudes angeht.
Die Befunde lassen auf ein 20 mal 30 Meter großes Hauptgebäude schließen, das laut Thannabaur immerhin 70 Jahre existiert habe und dessen Trägerpfosten einen Durchmesser von bis zu 60 cm aufwiesen. Darauf deuten entsprechende Verfärbungen im Kies und die Stärke und Größe der gefundenen Nägel. Viele Indizien sprechen zudem für eine durchgängige Veranda, die das Hauptgebäude mit einer Breite von drei Metern umgeben haben könnte. Zu der Anlage gehörten zusätzlich ein Nebengebäude, diverse Getreide- und Wirtschaftsräume, Brunnen, ein steinernes Badegebäude, das noch nicht gefunden sei, sowie eine Umgrenzung, die die Hofeinheit vom landwirtschaftlich genutzten Umland abtrennten.
 Aktive Funde wie z.B. Nägel (Bild unten) und Gewandnadeln (Bild oben) erlauben Rückschlüsse auf die Dimension des Gebäudes und den Lebensstandard seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Das Bild in der Mitte zeigt die laténezeitlichen Keramikfundstücke (Fotos: Voxbrunner)
Die Größe des vorgefundenen Gutshofs lässt darauf schließen, dass hier Lebensmittel produziert wurden, die weit über den Eigenbedarf hinausgingen. Sie dienten vor allem zur Versorgung von Städten wie z. B. dem heutigen Augsburg und militärischer Stützpunkte. Die Betreiber müssen wohl recht wohlhabend gewesen sein. Mauritz Thannabaur zeigt zwei Gewandnadeln, die Kleider einer römischen Frau zusammengehalten haben. Nach Angaben des Experten seien die Fibeln Bestandteil einer Tracht aus schwerem Stoff gewesen, was auf Wohlstand der Trägerin schließen lasse. Erwähnenswert sind außerdem Keramikfundstücke, die jedoch der vorangegangenen Epoche, der Latènezeit unter den Kelten zugeordnet werden (siehe mittleres Foto, rechte Seite).
Die Grabungen werden noch einige Wochen in Anspruch nehmen. Eigentümerin der Funde ist die INDUSTHA FFB, die für die Entwicklung und Vermarktung der Flächen in der Hasenheide Nord verantwortlich ist. Um die Funde langfristig als kulturelles Erbe der Region zu sichern, ist eine Bereitstellung für entsprechende Einrichtungen wie z.B. dem Stadtmuseum denkbar.
zurück zur Übersicht
|  |
|
|