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Juni 2009 - Münchner Trabantenstadt in Bruck?
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Von R. Weinzierl

In der Januar – Ausgabe des Rathaus Reports erinnerten wir daran, wie froh die Brucker vor 100 Jahren waren, endlich eine dauerhafte Amperbrücke zu bekommen. Vor 50 Jahren erfreuten sie die Pläne der Bayerischen Staatsregierung weniger, im Westen von Bruck eine Trabantenstadt für München zu errichten.


Was ist eine Trabantenstadt?


Nach der üblichen Definition sind Trabantenstädte Vororte einer größeren Stadt, die aber im Gegensatz zur Satellitenstadt, nicht eigenständig sind, sondern hauptsächlich aus Wohngebieten für Pendler bestehen, die sich durch eine geringe Arbeitsplatzdichte auszeichnen. Sie besitzen wenig eigene Infrastruktur, die sich auf wenig eigene Funktionen beschränkt, etwa auf Einzelhandelsgeschäfte des täglichen Bedarfs und Schulen. Wenn wir heutigen Bürger von Bruck diesen Begriff hören, kommen uns Namen wie „Neuperlach“, „Olympiadorf“, „Neue Messestadt Riem“ in den Sinn. Aber Bruck? Blättern wir zurück in der Chronik und bringen längst vergessene Pläne wieder an das Tageslicht.


Der Planungsverlauf


Zu Beginn der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts erlebte die Wirtschaft auch im Großraum München einen erheblichen Aufschwung. Dabei entstanden viele neue Arbeitplätze. Für die Beschäftigten waren Wohnungen gefragt.Zur Befriedigung der Nachfrage war zunächst daran gedacht, um München einen Kranz von „Satelliten“ aufzubauen. Dagegen wehrten sich die Landkreise im Umkreis der Landeshauptstadt München so heftig, dassdie Pläne wieder rasch in den Schubladen verschwanden. Auch die Idee, eine Satelliten- oder Trabantenstadt im Perlacher Forstzu errichten fiel heftigen Protestzum Opfer.

An dessen Stelle richtete sich der Blick der zuständigen Stellen auf Schleißheim oder den Westen von Fürstenfeldbruck. In letzterem Bereich hatte der Wirbelsturm des Jahres 1946 in einer Breite von mehreren Kilometern den gesamten alten Waldbestand niedergewalzt. Für den Bereich des ehemaligen „Rothschwaiger Forstes“ wollte der Planungsverband für den Äußeren Wirtschaftsraum im Einverständnis mit der Regierung von Oberbayern, unter Ausschluss von Bodenspekulanten, auf Staatsgrund mit Fördermitteln des Bundes Gebäude im Rahmen des sozialen Wohnungsbaues errichten und zu mäßigen Preisen vermieten; vorgesehen war die Ansiedlung von 18 000 bis 23 000 Menschen.

Landwirtschaftsminister Dr. Dr. Hundhammer zeigte sich zu Verhandlungen über die Abgabe von Forstgrund für diesen Zweck grundsätzlich bereit. Nun waren die örtlichen Entscheidungsträger gefragt.Anfang Dezember 1959 diskutierte der Kreistag sehr heftig über das Thema, kam aber zu keiner offiziellen Stellungnahme. Man wollte die weitere Entwicklung der Zukunft überlassen.Obwohl der Stadt Fürstenfeldbruck durch Erweiterung um die Trabantenstadt möglicherweise die Kreisfreiheit winkte, wollte der Stadtrat, dem in der Sitzung vom 30.11.1959keine Unterlagen zu diesem Projekt zur Verfügung standen, vor einer Stellungnahme erst ausführliche Aufschlüsse über alle wesentlichen Einzelheiten des Projektes abwarten.Am 8. Dezember veröffentlichte das Fürstenfeldbrucker Tagblatt die ihm zugegangene Skizze über die Lage der Trabantenstadt.





Pläne zur Trtabantenstadt: Die Skizze zeigt die Planung
(Foto: Stadtarchiv Fürstenfeldbruck)



In der Folgezeit verärgertes das Wasserwirtschaftsamt München den Stadtrat von Bruck mit seinen erheblichen Auflagen zur Abwasserbeseitigung für die geplanten Wohnbauten nördlich der Richard-Higgins-Straße.Sie einzuhalten machten die Planungen zunächstzunichte. Wenn schon für die Errichtung einiger Wohnbauten im Stadtbereich solche Schwierigkeiten gemacht würden, sei nicht auszudenken, welche Auflagen, Einsprüche und Hindernis das Wasserwirtschaftsamt Münchenbei der Errichtung einer Trabantenstadtbereiten würde. Bei dieser Sachlage sah sich der Stadtrat in seiner Sitzung am 25. Januar 1960 nicht im Stande, das Thema „Großsiedlung im Raume Fürstenfeldbruck“ weiter zu erörtern.

Trotz der Zurückhaltung des Brucker Stadtrates zur verwaltungsmäßigen Einbindung der Trabantenstadt in die Stadt Fürstenfeldbruck gingen die Planungen weiter. Sie sahen vor, den noch vorhandenen Baumbestand weitgehend in die Bebauung einzubinden. Die neue Ansiedlung sollte den Charakter einer Waldsiedlung bekommen. Außer großen Wohnblöcken waren Ein- und Mehrfamilienhäuser vorgesehen. Um den Neubürgern die Fahrt zum Arbeitsplatz in München zu erleichtern sollte der Haltepunkt Buchenau weiter westlich verlegt werden .

Um die weiter bestehende Skepsis des Brucker Stadtrates abzubauen kam im Mai 1960 ein Vertreter des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum nach Bruck und erläuterte diesem die Planungen; natürlich im schönsten Licht. Es wies daraufhin, dass eine Denkschrift nach Bonn gesandt werde. Darin wolle man klar stellen, dass der Trägergemeinde keinerlei Nachfolgelasten entstehen dürften, diese müsse alle der Bund übernehmen.

Auch wenn demnächst das Raumordnungsverfahren eingeleitet werde, würde man auf keinen Fall über die Köpfe der Stadt und des Landkreises hinweg handeln. Stadt und Landkreis Fürstenfeldbruck aber blieben hart. Eine endgültige Stellungnahme werde man erst abgeben, wenn über die Frage der Finanzierung und Wirtschaftlichkeit eindeutig und verbindlich entschieden sei.


Das Ende


Diese Haltung verfehlte ihre Wirkung nicht. In der Folgezeit wurde es in den Brucker Archivalien still um die Frage der Errichtung einer Trabantenstadt im Rothschwaiger Forst. Im November 1960 beschloss dann der Münchner Stadtrat einen Gesamtplan zur Behebung der Wohnungsnot unter Einschluss einer Trabantenstadt in Perlach. Darauf folgte ein langer Instanzenweg, bis im Juni 1967 der erste Grundstein zur Errichtung der Trabantenstadt Perlach gelegt werden konnte. Im Juni 1968 waren die ersten Wohnungen bezugsfertig. Ein Spaziergang durch das heutige Neuperlach zeigt überdeutlich, was der Brucker Stadtrat uns Bürgern von heute erspart hat. An Stelle einer sterilen Massenansiedlung blieb uns das stadtnahe Erholungsgebiet Rothschwaiger Forst erhalten. Dafür müssen wir uns noch nachträglich sehr herzlich bedanken.

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