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 | |  | Februar 2009 - „Die Gründung des Theresianums im Jahr 1932“ |  |
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(02/01/2009 - Kultur)

von Dr. G. Neumeier
Auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit in Deutschland errichteten die Niederbronner Schwestern 1932 in Fürstenfeldbruck an der Kirchstraße 27 das neu erbaute Theresianum.
Die Gründung des Ordens Im Jahr 1849 gründete das Bauernmädchen Maria Eppinger an ihrem Geburtsort Bad Niederbronn im Elsaß den katholischen Frauenorden der Niederbronner Schwestern unter der Bezeichnung „Orden der Töchter des Göttlichen Erlösers zur Verpflegung armer Kranker und zur Unterstützung anderer Armer“. Der Orden widmete und widmet sich der Kranken- und Altenpflege, der Erziehung, der Seelsorge, der Obdachlosenarbeit und der Ausbildung von jungen Frauen.
Die Gemeinschaft der Niederbronner Schwestern erhielt 1854 die Anerkennung des französischen Staates und wurde 1866 durch Papst Pius IX. bestätigt. Im Jahr 1852 kamen die ersten Schwestern nach Speyer und Hilpoltstein, 1857 nach Darmstadt, München und Wien. 1858 weilte die Gründerin des Ordens in München, Pfarrer Gunzelmann und Bürgermeister Otto Müller aus Fürstenfeldbruck fuhren deshalb nach München, um die Ordensstifterin um Schwestern für das Krankenhaus und die ambulante Krankenpflege zu bitten. So kamen am 18. Januar 1859 die ersten beiden Schwestern nach Fürstenfeldbruck zum Dienst an das Brucker Krankenhaus.

Die Vorgeschichte der Brucker Gründung Im Jahr 1908 erhielt der Orden das große Grundstück von Betty Kalb, den sog. Kalbgarten, als Schenkung, verbunden mit der Auflage, ein caritatives Werk für die weibliche Jugend zu schaffen. Ebenfalls 1908 gründete die Oberin der Krankenschwestern, Schwester Columbe, eine Jungfrauenkongregation, für diese wurde in einem alten Stadel an der Kirchstraße im gleichen Jahr ein Schwesternwohnhaus errichtet.
In der Jungfrauenkongregation entstand der Gedanke, ein Jugendheim zu errichten, um der weiblichen Jugend Fürstenfeldbrucks und der ambulanten Krankenpflege eine Heimstatt zu geben. Der Plan scheiterte zunächst an der Finanzierung und der Ausbruch des Ersten Weltkrieges machte weitere Hoffnungen zunichte. Im Jahr 1926 griff man die Idee, für die weibliche Jugend eine Bildungsstätte zu schaffen, wieder auf. Das Provinzmutterhaus des Ordens, bestehend seit 1920 in Neumarkt/Oberpfalz, entsprach dem Wunsch des weiblichen Jugendvereins Weiße Rose und veranlasste den Bau eines einstöckigen Jugendheims.
Das von dem einheimischen Architekten Adolf Voll errichtete Jugendheim St. Sofia diente als Vereinslokal und ab 1927 als Nähstube für Handarbeitskurse, diese Kurse übernahm die Handarbeitslehrerin Schwester Marie Clemens vom Provinzmutterhaus Neumarkt. Bei dem nun existierenden katholischen Mädchenjugendheim mit privater Nähschule handelte es sich um ein Werk des Bayerischen Jugendsozialwerkes, wobei die Niederbronner Schwestern der Maßnahmeträger waren. Die ständig wachsende Zahl der Schülerinnen führte schon 1928 zur Einweihung eines neuen Jugendheims. Aufgrund des weiterhin starken Andrangs begannen im Jahr 1930 die definitivenPlanungen zur Errichtung einer Hauswirtschaftsschule – dem späteren Theresianum.

Das Ziel Die Schülerinnen der geplanten Hauswirtschaftsschule sollten auf der Grundlage echter Religiosität erzogen und durch eine gediegene Ausbildung auf ihr künftiges Leben vorbereitet werden. „Auf Pflichttreue, Fleiß, Ordnung, Einfachheit und gutes Benehmen wird besonderer Wert gelegt, um die Zöglinge zu befähigen ihre spätere Aufgabe in der Familie oder im Berufsleben möglichst vollkommen erfüllen zu können“.
Der Lehrplan setzte sich aus den theoretischen Fächern Haushaltskunde, Nahrungsmittellehre, Rechnen mit Buchführung, Wirtschaftskunde, wirtschaftlicher Schriftverkehr, Deutschkunde, Gemeinschaftskunde, Religion, Säuglings-, Kinder- und Krankenpflege, Erste Hilfeleistung mit praktischen Übungen bei Unfällen, Gartenbau, Blumenpflege, Singen und Turnen zusammen.
Die praktischen Fächer bestanden aus bürgerlicher und feiner Küche mit Kochen, Backen und Einmachen, Verzieren und Anrichten der Speisen, Servieren, Handarbeit, Wäsche- und Kleideranfertigung, Wäsche- und Kleiderausbesserung und Feinnadelarbeit zusammen, als Wahlfächer standen Stenographie, Maschinenschreiben, Musik und Fremdsprachen gegen besondere Vergütung zur Verfügung.
Das Eintrittsalter der Schülerinnen lag bei 15 Jahren, der Unterricht wurde von staatlich geprüften Lehrkräften erteilt und zur praktischen Ergänzung des theoretischen Unterrichts wurde der Haushaltungsschule ein Alters- und Ledigenheim angegliedert. Entstehen sollte eine Hauswirtschaftsschule mit Internat, eine Berufsfachschule mit dem Ausbildungsziel „Geprüfte Hauswirtschafterin im städtischen Bereich“. Das Hauptproblem lag, in den wirtschaftlich äusserst schwierigen Zeiten nicht überraschend, in der aufwändigen Finanzierung.

Der Gründungsprozess Ob die erste Idee zur Gründung des Theresianums von den Niederbronner Schwestern in Fürstenfeldbruck oder vom Provinzmutterhaus in Neumarkt stammte lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Die organisatorische und juristische Verantwortung lag beim Provinzmutterhaus, welches den Marktgemeinderat Bruck im Frühjahr 1930 um Gelder für den Bau des Theresianums bat.
Die Leiterin des Jugendheims in Bruck, Schwester Avia, reichte am 13.6.1930 Pläne an den Magistrat zum projektierten Um- und Erweiterungsbau der Haushaltungsschule Fürstenfeldbruck und bat konkret um Beleihung des Objektes in Höhe von 50 bis 60 000 Mark. Nach anfänglichem Zögern und der Zusage des Ordens, eigene Mittel zur Verfügung zu stellen, bewilligte der Marktgemeinderat einige Zeit später ein Darlehen von 65 000 Mark, die Summe sollte von der Sparkasse Fürstenfeldbruck vorgeschossen werden. Der diesbezügliche Beschluss der Sparkasse Fürstenfeldbruck war am 13.5.1931 gefasst worden.
Die Schwestern hatten argumentiert, dass seitens des Ordens für die geplante Haushaltungsschule das bereits bestehende Gebäude in der Kirchstraße mit ca. 3 Tagwerk Grund und Boden, der Erlös des Hauses Josephstraße, welches den ambulanten Krankenschwestern als Wohnung diente, sowie das Schwesternpersonal zur Verfügung gestellt worden sei bzw. werde. Eine der Bedingungen des Marktgemeinderats war, dass bei den Bauarbeiten Brucker Handwerksbetriebe berücksichtigt werden mussten und dass Brucker Wohlfahrtserwerbslose eingestellt werden sollten.
Bald nach Baubeginn im Frühjahr 1931 wurde auf Anregung des Ministeriums für Landwirtschaft und Arbeit die Einrichtung eines Alters- und Ledigenheimes in das Bauvorhaben aufgenommen. Bald schien das Projekt gefährdet zu sein, denn am 11. August 1931 stellte der Marktgemeinderat, nachdem bis dato knapp 27 000 Mark der Hypothek zur Auszahlung gekommen waren, fest: „Die Sparkasse ist auf Grund Ministerial-Erlasses zur Zeit nicht mehr in der Lage weitere Auszahlungen auf diese Hypothek – wie auch in anderen Fällen – zu leisten, da durch die Auswirkung der Notverordnungen usw. der Liquiditätssatz der Sparkasse, der vor dem 1. Juli 1931 ca. 13 % betrug, inzwischen auf 7,5% zurückgegangen ist und ausserdem zur Zeit Kündigungen von Spareinlagen in Höhe von ca. 130 000 RM laufen“.
Ein weiterer Grund für die ausbleibende Hypothek lag in der Auffassung des Marktgemeinderates begründet, dass die hiesigen Geschäftsleute unberücksichtigt blieben und die Bestellungen an auswärtige Firmen vergeben worden sein sollen. Diesen Vorwurf konnten die Niederbronner Schwestern jedoch ausräumen, da sie dem Bürgermeister eine Liste schickten, aus der hervor geht, dass die Aufträge für die Bauarbeiten fast gänzlich an Firmen aus Fürstenfeldbruck vergeben wurden:
Die Maurer- und Betonarbeiten mit Ausschachtung beispielsweise an Anton Schwarz, die Zimmerarbeiten an Lorenz Kiner, die Spenglerarbeiten an Otto Zehelein, die Blitzschutzanlagen an Berthold Diebel oder die Tür- und Schranklieferungen an den Schreinermeister Bernhard Pulfer. Nur die Fließenarbeiten wurden von Villeroy und Boch aus Mettlach im Saarland durchgeführt, allerdings mit der Verpflichtung zur Einstellung von Arbeitern aus Fürstenfeldbruck.
Die finanziellen Schwierigkeiten wurden schließlich doch überwunden und so konnte das Theresianum am 2. Februar 1932 feierlich eingeweiht werden, die Festrede hielt Domkapitular Dr. Gartmeier. Der Architekt des Bauwerks war A. Vierling aus Köln, der Bruder von Schwester Avia, einer der Fürstenfeldbrucker Niederbronner Schwestern.

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