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 | |  | September 2010 - Die Amtszeit von Bürgermeister Max Steer 1978 – 1990 |  |
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von Dr. G. Neumeier
Nach einem starken Bevölkerungswachstum in den 1960er und 1970er Jahren, bedingt vor allem durch den S-Bahn-Anschluß im Jahr 1972, stieg die Einwohnerzahl Fürstenfeldbrucks von ca. 30 000 im Jahr 1978 in den 1980er kaum noch an, im Jahr 1990 lebten etwa 31 000 Menschen in unserem Ort. Dies war vor allem darauf zurückzuführen, dass kaum noch Baugrundstücke vorhanden waren und die Bodenpreise in den 1980er Jahren zudem stark anstiegen. Der Bevölkerungszuwachs seit 1990 bis heute ist in erster Linie auf die Bauverdichtung zurückzuführen. Obwohl eine Bevölkerungsexpansion in der Amtszeit von Max Steer also kaum noch feststellbar ist entwickelte sich die Stadt von 1978 bis 1990 in einigen Punkten weiter, vor allem hinsichtlich der verbesserten Infrastruktur. Wir wollen im Rahmen der Serie „75 Jahre Stadterhebung Fürstenfeldbruck“ einen Rückblick auf diese Periode der neuesten Stadtgeschichte werfen, auch um an den Ende 2009 verstorbenen Max Steer zu erinnern.
Die Person Max Steer Max Steer wurde am 5.5.1931 in Ingoldstadt geboren, sein Vater war Former in einer Gießerei und ist gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gefallen. Nach Schule und Studium der Sonderpädagogik in Kriegs- und Nachkriegszeit kam er 1955 als junger Lehrer nach Fürstenfeldbruck. Seine soziale Grundeinstellung veranlasste ihn, sich besonders für die schwächeren Schüler einzusetzen.
Steer wurde konsequenterweise der erste Sonderschullehrer in Stadt und Landkreis Fürstenfeldbruck, er hatte einen wesentlichen Anteil am Aufbau des Sonderschulwesens im Landkreis. Von 1972 bis 1978 war er Rektor der neu gegründeten Sonderschule für geistig behinderte Kinder in Fürstenfeldbruck-Gelbenholzen. Früh erwachte sein politisches Interesse, er trat Mitte der 1950er Jahre in die Junge Union und 1958 in die CSU ein, deren Ortsvorsitzender er von 1963 bis 1973 war. Im Jahr 1966 wurde Steer erstmals in den Stadtrat gewählt, diesem Gremium gehörte er bis 1996 an. Von 1966 bis 1972 bekleidete er das Amt des Referenten für Wohnungswesen, bei der Kommunalwahl 1972 wurde er mit großer Mehrheit von seinen Stadtratskollegen zum 2. Bürgermeister gewählt, die Zusammenarbeit mit dem 1. Bürgermeister Willy Buchauer (SPD) war meistens gut.
Im Jahr 1978 begann der Höhepunkt des kommunalpolitischen Lebens von Max Steer, denn er wurde mit großer Mehrheit zum 1. Bürgermeister gewählt. Im Jahr 1984 wurde er wiedergewählt, 1990 verlor er sein Amt in der Stichwahl an Eva-Maria Schumacher (SPD) mit einem Unterschied von 11 Stimmen. Nach seinem Ausscheiden aus dem Stadtrat 1996 konnte Max Steer noch ca. 13 Jahre seinen Ruhestand genießen, seine Krankheit in letzter Zeit musste er geduldig ertragen. Max Steer starb am 21.12.2009 im Alter von 78 Jahren, er wurde unter großer Anteilnahme seiner Familie, seiner Weggefährten und der Bevölkerung nach einem in der Klosterkirche Fürstenfeld stattfindenden Gottesdienst beigesetzt.

Die politische Entwicklung 1978 – 1990 Erster Bürgermeister von Fürstenfeldbruck war von 1962 bis 1978 Willy Buchauer (SPD). Bei der Bürgermeisterwahl von 1978 traten der 46-jährige Sonderschulrektor und 2. Bürgermeister Max Steer (CSU), der 31-jährige Regierungsamtmann Ulrich Schmetz (SPD) und der 34-jährige Angestellte Jens Streifeneder (BBV) an. Nach einem überwältigendem Wahlsieg von Max Steer konnte dieser bis zum Jahr 1984 mit der absoluten Mehrheit der CSU die Kommunalpolitik bestimmen.
Die Stadtratswahlen von 1978 waren in personeller Hinsicht eine Zäsur, denn die Hälfte der gewählten Stadträte von der CSU waren Neulinge im Stadtrat und übten danach zum Teil lange Jahre ihr kommunalpolitisches Mandat aus, so der damals erst 34-jährige Steuerberater und Diplom-Volkswirt Klaus-Peter Ernst, der Bäckermeister Lukas Drexler, der Geschäftsführer Franz Ostermeier oder der Architekt und Baumeister Anton Hoch. Zwar begannen auch vier der 14 Stadtratsmitglieder von der SPD 1978 ihre Tätigkeit, doch bei dieser Wahl saß über ein Drittel der SPD-Abgeordneten schon mehr als 12 Jahre im Stadtrat, sie verfügten daher über viel kommunalpolitische Erfahrung – beispielsweise der Verwaltungsangestellte und ehemalige 1. Bürgermeister Willy Buchauer, der Sozialrichter und Landtagsabgeordnete Helmut Geys oder der Amtsmeister a. D. Adolf Mayer.
Das Durchschnittsalter der 1978 gewählten CSU-Stadtratsmitglieder lag bei 48 Jahren, das der SPD-Abgeordneten bei 50 Jahren, von den insgesamt 41 Abgeordneten waren 39 männlich und zwei weiblich. Bei der CSU kamen fast vierzig Prozent der Mandatsträger aus dem Bildungsbürgertum und etwas über ein Fünftel der CSU-Abgeordneten waren Handwerksmeister, bei der SPD dominierten mittlere und höhere Dienstleistungsberufe, einer war Arbeiter, der Schlosser Franz Welte. Die Wahlergebnisse von 1984 und 1990 zeigen im Vergleich zu 1978 vier wesentliche Veränderungen: Die beiden großen Parteien CSU und SPD verloren innerhalb von zwölf Jahren erhebliche Stimmenanteile, denn im Jahr 1978 hatten beide Parteien zusammen noch ca. 85 Prozent der Stimmen erhalten, während es dagegen im Jahr 1990 nur noch ca. 60 Prozent waren.
Dies hatte, zweitens, zur Folge, dass die bestehenden kleineren Parteien wie FDP, Freie Wählerschaft und BBV zulegen konnten. Ein drittes zentrales Ergebnis der Wahlentwicklung in dieser Zeit bestand in der dauerhaften Etablierung der GUL in Fürstenfeldbruck seit dem Jahr 1984 und im kurzfristigen, begrenzten Wahlerfolg der Republikaner im Jahr 1990. Der Trend, dass CSU und SPD bei den bayerischen Landtagswahlen zwischen 1978 und 1990 landesweit Stimmeinbußen hinnehmen mussten, war bei den Kommunalwahlen in Fürstenfeldbruck deutlich stärker ausgeprägt. Der Amtsverlust von Max Steer im Jahr 1990 hatte also vorwiegend lokalpolitische Gründe.


Wesentliche Ereignisse und Erfolge
 Präsentation des Modells der Fußgängerbrücke vom Schlachthofgelände zur Kneippinsel durch den Architekten vor dem 1. Bürgermeister Max Steer Mitte der 1980er Jahre (Foto: Stadtarchiv)
Die Amtszeit von Max Steer begann mit der Umsetzung der Gebietsreform von 1978, damals kamen Aich, Puch und Teile von Malching zur Kreisstadt Fürstenfeldbruck. Auch der größte Erfolg im politischen Leben von Steer vollzog sich zu Beginn seiner Tätigkeit als 1. Bürgermeister, denn der Erwerb von Fürstenfeld sowie seinen Liegenschaften vom Wittelsbacher Ausgleichsfond führte langfristig dazu, dass im Jahr 2001 das Veranstaltungsforum errichtet werden konnte. Steer setzte sich sehr für einen Wettbewerb zum Ausbau des ehemaligen Wirtschaftsgebäudes des Klosters Fürstenfeld als Kultur- und Freizeitzentrum ein. Auch der Bau der Umgehungsstraße B 471 – damals gegen großen Protest der unmittelbaren Anwohner – sollte sich als zukunftsfähig erweisen.
Max Steer kämpfte erfolgreich für die Nutzung der umgebauten Aumühle als Stadtbibliothek, auch wenn der Brand im Jahr 1989 den Erfolg etwas verzögern sollte. Die heute angesehene Stadtbibliothek war Steer ein Herzensanliegen. Weitere bleibende Verbesserungen aus den Jahren 1978 bis 1990 liegen vor allem im Infrastrukturbereich. Hierzu gehörten der Aus- und Umbau der Volksschule Nord, der erhebliche Ausbau der Kanalisation – beispielsweise der Anschluß des Gewerbegebietes Hasenheide an die Kanalisation -, der Umbau der Schule West 1988/89 oder der Umbau und die Sanierung des Hallenbades im Jahr 1987.
Weiteres kam hinzu: Die Stadt beteiligte sich am Bau einer Dreifachturnhalle 1978, die Kommune gab einen Zuschuss zur Errichtung eines Altenheim-Neubaus beim Theresianum ebenfalls 1978, Einrichtung einer 400m-Rundbau am Viscardi-Gymnasium 1979, Bau des Jugendzentrums West an der Balduin-Helm-Straße, Bau der Stadthalle, Erschließung des Gewerbegebietes im Norden von Neulindach. Im Jahr 1983 wurde mit dem Bau des heilpädagogischen Zentrums an der Feldstraße begonnen. Auf Initiative des Historischen Vereins und gestärkt durch den Erfolg der 1988 gezeigten Ausstellung „725 Jahre Fürstenfeld“ konnte 1991 das Stadtmuseum eröffnet werden. Auch die Etablierung der Städtepartnerschaft mit Wichita Falls fiel in die Amtszeit von Max Steer.

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