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 | |  | Oktober 2009 - Wissenschaftliches Buch über die NS-Zeit erscheint |  |
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von Dr. G. Neumeier
Der Marktplatz in Fürstenfeldbruck am 20. April 1939 (Foto: Stadtarchiv)
Am 12.11.2009 wird das von Professor Dr. Ferdinand Kramer herausgegebene Buch über die NS-Zeit in Bruck der Öffentlichkeit vorgestellt. Neun renommierte Wissenschaftler/innen legen somit ihre auf detailliertem Quellenstudium beruhenden Ergebnisse zur Geschichte Fürstenfeldbrucks in der Zeit zwischen 1933 und 1945 vor.
Zentrale Themen Das Buch konzentriert sich auf die Entwicklung des politischen Lebens in einer katholisch-konservativ geprägten oberbayerischen Kommune in der Nähe von München sowie auf die gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen in Kirchen, Schule und Kunst. Die Entwicklung der NSDAP wird nachvollzogen, auf die Strukturen und Mechanismen von Verfolgung und unangepasstem Verhalten wird eingegangen, die Gründung des Fliegerhorstes wird in den Rahmen der Luftwaffenentwicklung gestellt und die kommunalpolitische Entwicklung wird analysiert.

Weimarer Republik und NSDAP Nachdem im Ersten Weltkrieg 147 Männer ihr Leben verloren, hatte die Bevölkerung in Bruck mit den wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten in der Weimarer Republik zu leben. Den Aufstieg des Nationalsozialismus in München konnten die Brucker aus nächster Nähe erleben, 16 Personen aus unserer Stadt hatten sich im November 1923 am Hitlerputsch beteiligt.
Erst im Jahr 1930 konnte sich dauerhaft eine Fürstenfeldbrucker Ortsgruppe der NSDAP gründen, doch im gleichen Jahr stieg der Anteil der NSDAP an den Reichstagswahlen erheblich an und in den beiden Reichstagswahlen von 1932 wählten über ein Fünftel der Fürstenfeldbrucker die Nazipartei. Dies war vergleichsweise nicht viel, das starke katholische Milieu in der Marktgemeinde und damit zusammenhängend die Dominanz der Bayerischen Volkspartei (BVP) verhinderten ein höheres Wahlergebnis.

NS-Zeit auf kommunaler Ebene Der überschaubare Raum kleiner Städte bieten sich wie kein zweites Forschungsfeld an zu analysieren, wie zum einen die Kontroll- und Verfolgungsmechanismen des totalitären NS-Regimes wirkten und wie zum anderen das Geflecht persönlicher und beruflicher Beziehungen dem einzelnen Menschen auch Schutz bieten konnten. „Zugleich treten in kleineren Ortschaften die Gemengelagen aus persönlichen und politischen Motiven der Akteure oftmals deutlicher hervor als in Großstädten“ (NS-Buch, S. 10). Anhand des Beispiels der Kleinstadt Fürstenfeldbruck wurde exemplarisch gezeigt, auf welche Art und Weise unter unter welchen Bedingungen sowie Voraussetzungen die Ideologie des Nationalsozialismus und die tatsächliche NS-Herrschaft in fast alle Lebensbereiche eindringen konnte und innerhalb kürzester Zeit stetig steigende Akzeptanz gefunden hat. Eine wesentliche Fragestellung jeder historischen Forschung, insbesondere jedoch zum Nationalsozialismus, besteht in der Analyse individueller und kollektiver Handlungsspielräume. Zudem konnte gezeigt werden, wie sich die Wechselwirkungen zwischen Stadt und Umland – also zwischen München und Fürstenfeldbruck – unter den Bedingungen der NS-Zeit entwickelten. Ganz deutlich reichte die Infrastruktur des Regimes über die „Hauptstadt der Bewegung“ in das Umland von München hinaus. Die Nähe zu München beeinflusste die Entwicklung Fürstenfeldbrucks in der NS-Zeit entscheidend, von den wirtschaftlichen Verflechtungen über den Besuch höherer Schulen in München bis hin zu den Pendlern. Einzelaspekte
Im Jahr 1933 hatte Fürstenfeldbruck knapp 6000 Einwohner, sechs Jahre später waren es, bedingt vor allem durch den Bau des Fliegerhorstes, knapp 9000 Einwohner und im Jahre 1946 lebten etwa 11 000 Menschen in der Stadt, der Anstieg während der Kriegszeit resultierte vor allem auf den Evakuierungen aus München und den Flüchtlingen bzw. Vertriebenen.
Im Jahr 1933 hatte die NSDAP keine von Wahlen ausgehende Legitimation für die politische Führung, erst durch die Machtübernahme Hitlers in Berlin am 30. Januar 1933 konnte in der Folgezeit der Gemeinderat ausschließlich mit Nationalsozialisten besetzt werden. Das Führerprinzip wurde durch die Deutsche Gemeindeordnung vom 1. Januar 1935 auf der Bürgermeisterebene eingeführt und nur so konnte Bürgermeister Schorer zu einer wichtigen Persönlichkeit der NS-Zeit werden.
In der Stadtverwaltung konnten die meisten Mitarbeiter nach 1933 ihre Aufgaben weiterhin wahrnehmen, viele kommunale Angestellte und Beamte traten bald der NSDAP bei, teilweise unter dem Druck des Bürgermeisters. Fürstenfeldbruck wurde 1935 zur Stadt erklärt und feierte diese Stadterhebung pompös. Die Stadt veränderte ihr Gesicht vor allem durch den Ausbau der Infrastruktur, so beispielsweise durch die Asphaltierung der Straßen, die Regulierung der Amper, den Bau eines Verwaltungsgebäudes und den Wohnungsbau.
Im Jahr 1930 gab es in Oberbayern 131 Ortsgruppen der NSDAP, in Fürstenfeldbruck wurde die NSDAP-Ortsgruppe in diesem Jahr gegründet, wie in vielen anderen Fällen mit Hilfe von außen. Bereits 1932 zählte die NSDAP hier rund 100 Mitglieder, darunter auch Fürstenfeldbrucker Honoratioren. Bald nach der Machtübernahme drang die NSDAP auf Anpassung, baute Gesinnungsdruck auf bekam raschen Zulauf, sie konnte jetzt die HJ, den BDM und andere Parteigruppierungen aufbauen.
Bereits im Jahr 1933 fanden zahlreiche weltanschauliche Schulungen statt, hierbei standen die Entwicklung der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft, der Partei- und Führerstaat sowie die rassistische Ausgrenzung von Juden im Mittelpunkt. Insgesamt traten in Fürstenfeldbruck 1339 Menschen der NSDAP bei, im Jahr 1940 entsprach dies 13,5 % der Bevölkerung. „Nach Kriegsende schoben viele Parteimitglieder in den Entnazifizierungsverfahren ihre Mitverantwortung auf die exponierten Funktionsträger der NSDAP in Fürstenfeldbruck ab“…(NS-Buch, S. 15).
Die Schulen wurden wegweisend bei der Vermittlung der nationalsozialistischen Ideologie, dabei spielte eine wichtige Rolle, dass Lehrer vielfach wichtige NS-Funktionäre waren, beispielsweise Georg Gruber oder Heinrich Böck. Viele Lehrer engagierten sich in Vereinen oder NS-Organisationen, doch sowohl die Schulrektoren als auch einzelne Lehrer hatten Handlungsspielräume. Die Schule hatte für die Nationalsozialisten eine zentrale Bedeutung, dies zeigte sich beispielsweise daran, dass kirchliche Kräfte aus dem Unterricht gedrängt wurden, 1936/37 mussten die Englischen Fräulein die Madchenschule aufgeben. Gegen diese Maßnahme und dagegen, dass ab Herbst 1941 kein Religionsunterricht an den Schulen stattfand, protestierten mehrmals eine große Anzahl mutiger Frauen.
Die katholische Kirche in Fürstenfeldbruck stand dem Nationalsozialismus weitgehend ablehnend gegenüber. Die personellen Verflechtungen von BVP und katholischen Priestern sowie die Kirchenloyalität der Menschen waren wichtige Ursachen für die relativ schlechten Wahlergebnisse der NSDAP. Die katholische Kirche blieb auch in der NS-Zeit im Alltag und bei religiösen Feiern in der Öffentlichkeit stark präsent, Kirchenaustritte blieben eine Seltenheit. Mit zunehmender Kriegsdauer nahm die Intensität des Glaubenslebens sogar noch zu. Die evangelische Kirche zählte als Diasporagemeinde knapp 15 %der Bevölkerung, der Pfarrer war Mitglied der Bekennenden Kirche.
Nach 1933 überwog bald die Anpassung der Menschen an die neuen Verhältnisse. Im Frühjahr und Sommer 1933 wurden die Gegner der Nationalsozialisten, also Sozialdemokraten, Kommunisten und Mitglieder der Bayerischen Volkspartei in „Schutzhaft“ genommen und mit Drohungen drangsaliert. Politische Gegner, sogenannte „Asoziale“, ein sogenannter „Zigeuner“, ein Russe, ein Kranker, eine Frau, die eine Beziehung zu einem französischen Kriegsgefangenen unterhalten haben soll und 17 Personen, die als Juden galten, wurden stigmatisiert, diskriminiert, verfolgt und zum Teil ermordet. Fürstenfeldbrucker SA-Leute misshandelten die jüdischen Inhaber einer Viehhandlung und verbrachten sie in „Schutzhaft“. Es gab allerdings auch einen Fall von großer Hilfsbereitschaft und aussergewöhnlichem Mut, denn die Familie Lambert versteckte über Jahre Berthold Lehmann.
Die Nationalsozialisten wollten in alle Lebensbereiche vordringen, auch in das künstlerische Leben, eine unpolitische Positionierung der Künstlervereinigung war nicht mehr möglich, dafür wurde ein neuer Kunstring zum Ausdruck der Anpassung an die NS-Herrschaft.
Die Errichtung des Militärflugplatzes Maisach-Fürstenfeldbruck ab 1935 brachte für örtliche Firmen Aufträge und für nicht wenige Menschen Arbeitsplätze, doch die Eigentümer bangten um ihre Wälder und Wiesen und wurden vor die Alternative Verkauf oder Enteignung gestellt. Am 9. April 1945 griffen alliierte Bomber den Fliegerhorst an, doch die Stadt Fürstenfeldbruck trug keinerlei Schäden davon. Der Fliegerhorst war neben der Polizeischule ein Hort des Nationalsozialismus.

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