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November 2010 - Die Amtszeit von Bürgermeister Willy Buchauer (1962 – 1978)
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von Dr. G. Neumeier

Nach der Analyse der Amtszeit von Max Steer (CSU) in der Septemberausgabe des RathausReports soll in der vorliegenden Ausgabe die Amtszeit von Bürgermeister Willy Buchauer (SPD) dargestellt werden. Die 1960er und 1970er Jahre waren in Fürstenfeldbruck von einem starken Bevölkerungswachstum geprägt, denn die Stadt stieg von ca. 17 000 Einwohnern im Jahr 1962 auf ca. 30 000 Einwohner im Jahr 1978 an. Das Bevölkerungswachstum war fast ausschließlich auf Zuwanderungen zurückzuführen, die meisten Menschen kamen aus allen Teilen der Bundesrepublik Deutschland und zum Teil aus südlichen Ländern Europas wie beispielsweise Italien, Jugoslawien, Griechenland, Spanien und der Türkei. Arbeitsmöglichkeiten in Fürstenfeldbruck, vor allem aber im ab 1972 hervorragend mit der S-Bahn erreichbaren München waren fast immer der Grund für die Zuwanderung nach Fürstenfeldbruck. Der nachfolgende Artikel ist der neunte Beitrag der Serie „75 Jahre Stadterhebung Fürstenfeldbruck“. Die Serie beleuchtet in insgesamt zehn Folgen typische Meilensteine der Entwicklung Fürstenfeldbrucks seit dem Jahr 1935.



Willy Buchauer (1915 – 1990)



Anlässlich der 50-Jahrfeier der Stadterhebung im Jahr 1985 wurde Willy Buchauer von Bürgermeister Max Steer die Ehrenbürgerwürde verliehen (Foto: Stadtarchiv)


Willy Buchauer wurde am 24.1.1915 in Fürstenfeldbruck geboren. Sein Vater, der Bäcker Martin Buchauer, geboren am 24.9.1887 in Wasserburg, war einige Jahre zuvor nach Fürstenfeldbruck zugewandert und errichtete im Jahr 1925 in der Schöngeisinger Straße eine Bäckerei. Martin Buchauer war nicht Mitglied der NSDAP, nach dem 2. Weltkrieg war er von 1945 bis 1959 Obermeister der Bäckerinnung, er starb 1961.

Die Mutter von Willy Buchauer, geboren am 24.2.1886 in Pfaffenhofen, starb bereits im Jahr 1932, ihr Sohn war damals 17 Jahre alt. Der in einem Bäckerhaushalt aufgewachsene spätere Erste Bürgermeister von Fürstenfeldbruck lernte zunächst selbst das Bäckerhandwerk und lebte bis 1934 im Hause seiner Eltern. Danach zog es ihn nach Österreich, im Jahr 1939 gab er als seinen Wohnsitz die Kaserne in Leoben in der Steiermark an. In dieser Zeit muss er seine spätere Ehefrau kennengelernt haben, die beiden heirateten während des Zweiten Weltkrieges. In diesem Krieg war Willy Buchauer Feldwebel der Wehrmacht, NSDAP-Mitglied war er nicht.

Nach dem Krieg pendelte er zunächst zwischen seiner in Österreich lebenden Ehefrau und Fürstenfeldbruck hin und her und ließ sich im Juni 1946 endgültig wieder in Fürstenfeldbruck nieder. Bald bekam Buchauer eine Stelle im Landratsamt Fürstenfeldbruck und bezeichnete sich seitdem als „Verwaltungs“- oder „Behörden“-Angestellter. In der unmittelbaren Nachkriegszeit trat er auch der SPD bei. Bald übte er das Amt des Revisor des Ortsvereins der SPD aus und im Jahr 1952 wurde er erstmals in den Stadtrat gewählt, von 1956 – 1966 war er Referent für Altersheime.

Im Jahr 1960 wurde Buchauer von seinen Stadtratskollegen zum 2. Bürgermeister gewählt, ein Amt, dass er bis zu seiner Wahl durch die Bevölkerung zum Ersten Bürgermeister im Jahr 1962 nach dem Rücktritt des 1. Bürgermeisters Fritz Bauer ausübte. Von 1962 bis 1978 war Willy Buchauer Erster Bürgermeister von Fürstenfeldbruck, zur Wahl im Jahr 1978 trat er aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht mehr an. Willy Buchauer war auch einige Jahre Mitglied des Kreistages, im Jahr 1985 wurde ihm auf Initiative von Max Steer (CSU) die Ehrenbürgerwürde der Stadt Fürstenfeldbruck zuteil. Buchauer hatte ein großes Gerechtigkeitsempfinden und war in der Bevölkerung sehr beliebt, auch weil er lernfähig war. Am 5.1.1990 starb Willy Buchauer in Fürstenfeldbruck, kurz vor seinem 75. Geburtstag.




Die politische Entwicklung 1962 bis 1978


Bei der Wahl zum 1. Bürgermeister 1962 setzte sich der SPD-Kandidat Willy Buchauer mit 88 Stimmen Mehrheit in der Stichwahl gegen seinen Konkurrenten Heinrich Perzlmaier – geboren am 27.2.1914, NSDAP-Mitglied 1937 – 1945 – von der Freien Wählerschaft 1956 durch. Buchauer erhielt 50,6 % der Stimmen, seinen Wahlsieg verdankte er vor allem der Tatsache, dass er im Wahlbezirk 7 (Westen) 65,3 % und im Wahlbezirk 8 (Buchenau) 70,1 % erhielt, während sein Gegenkandidat Perzlmaier in der Stadtmitte (um den Hauptplatz) 60,6 % der Stimmen auf sich vereinigen konnte. Vier Jahr später hatte Buchauer nur einen Gegenkandidaten, Dr. Hans Lindemann, geboren 25.11.1905, der von der CSU und der Bayernpartei aufgestellt worden war. Buchauer erhielt 73,9 % der Stimmen. Im Jahr 1972 hatte Buchauer zwei Gegenkandidaten, Max Steer von der CSU und Adolf Wirth von der Freien Wählerschaft 1956, Buchauer wurde mit großer Mehrheit wiedergewählt.


Für die Wahlerfolge der Fürstenfeldbrucker SPD 1962 – 1972 waren vor allem vier Entwicklungen verantwortlich: Die Beliebtheit ihres Spitzenkandidaten Willy Buchauer, der erhebliche Stimmenrückgang der bis in die Mitte der 1960er Jahre mehrheitlich aus ehemaligen Nationalsozialisten bestehenden Freien Wählerschaft 1956, die Politik der SPD im Bund – vor allem der Gesellschafts- und Ostpolitik - sowie das damit verbundene Wachstum der SPD bei Wahlen in allen Bundesländern sowie in vielen Kommunen und die starke Zuwanderung, vor allem aus Nordrhein-Westfalen, nach Fürstenfeldbruck. 1972 erreichte die Fürstenfeldbrucker SPD ihr bis heute bestes Ergebnis. Bis zum Jahr 1972 hatte sich das lokalpolitische Parteienspektrum in Fürstenfeldbruck, beispielsweise durch den Niedergang des BHE, verkleinert, von diesem Umstand profitierte auch die CSU. Seit dem Jahr 1966 spielt auch die BBV eine lokalpolitische Rolle in unserem Ort.




Ereignisse und Erfolge 1962 – 1978


In dieser Zeit siedelten sich in Fürstenfeldbruck einige größere Unternehmen an, wie beispielsweise Coca-Cola oder, im Jahr 1974, die Firma Schleifring- und Apparatebau GmbH, die von Türkenfeld nach Fürstenfeldbruck gekommen war. Insgesamt können diese Jahre als Zeiten der Modernisierung bezeichnet werden, wozu auch die Ansiedlung größerer Unternehmen gehörte, der u.a. ein Bebauungsplan für das Industriegebiet West vorangegangen war.

Ein weiterer wesentlicher Meilenstein war die Einbindung von Fürstenfeldbruck in das Münchner S-Bahn-System im Zuge der Olympischen Spiele von 1972. Als drittes zentrales Element der Stadtentwicklung kann die erhebliche bauliche Erweiterung genannt werden, vor allem Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre. In diesen Jahren war der Grundstückserwerb für viele Bezieher mittlerer und höherer Einkommen gerade noch möglich.

Dies beinhaltete vorher die Aufstellung vieler Bebauungspläne – eine der damals wichtigsten Aufgaben des Stadtrates -, beispielsweise im Gebiet zwischen Augsburger-, Kapellen-, Maisacher- und Fichtenstraße, auch der Bebauungsplan aus dem Jahr 1964 nördlich der Amper ist in diesem Rahmen zu nennen. In diesem Zusammenhang muss auch der Regionalentwicklungsplan für die Region München genannt werden, der einen Flächennutzungsplan für die Stadt Fürstenfeldbruck in Verbindung mit einer von der B 2 zur B 471 geplanten Straßenspange enthielt, erwähnt werden. Buchauer förderte den Sportplatzbau sehr, zum Beispiel beim Hallenbad.

Auch die lokale Schul- und Bildungspolitik lag dem damaligen Bürgermeister am Herzen. In seine Amtszeit fiel beispielsweise die Gründung des Viscardi-Gymnasiums im Jahr 1974, die Erweiterung des Graf-Rasso-Gymnasiums 1966/67, die Erweiterung der Volksschule West oder der Volksschulneubau Nord. In der Zeit von Buchauer wurden die Kindergärten an der Nibelungenstraße sowie in der Frühlingsstraße 1970/71 erbaut. Ab den ersten Anhörungen im Jahr 1972 sind auch die bis 1978 andauernden Vorbereitungen für die Gebietsreform im Jahr 1978 erwähnenswert. Neben der Erweiterung der Kanalisation sowie Zuschüssen für den Kanalbau war auch der Anschluss des Ortsteils Neulindach der Gemeinde Malching an das städtische Kanalnetz eine Investition in die Zukunft. Im Zuge der Versöhnung mit Frankreich im Anschluß an den deutsch-französischen Vertrag 1963 sowie als Folge der europäischen Integration etablierte Buchauer die Städtepartnerschaften mit Livry-Gargan 1967 und mit Cerveteri 1973.

Ein Großereignis in der Stadt war im Jahr 1963 die Feier zum 700-jährigen Bestehen von Kloster Fürstenfeld. Ein weiteres, tragisches Ereignis ist bis heute nicht vergessen: Die Geiselnahme von Teilen der israelischen Olympiamannschaft durch die palästinensische Terrororganisation „Schwarzer September“ im Olympischen Dorf in München, die auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck durch ein Feuergefecht zwischen überforderten deutschen Behörden und den Terroristen in der Nacht vom 5. auf den 6. September 1972 beendet wurde.





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Stadtarchiv - Artikel vom November 2010
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