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 | |  | Maerz 2010 - Demographie und Zuwanderung in Bruck von 1803 bis 1981 |  |
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Der nachfolgende Artikel ist der Auftakt einer Serie zum Thema „75 Jahre Stadterhebung Fürstenfeldbruck“. Die Serie beleuchtet in insgesamt zehn Folgen unter der Rubrik typische Meilensteine der Entwicklung Fürstenfeldbrucks seit dem Jahr 1935.
von Dr. G. Neumeier
Die Entwicklungen von demographischen Verhältnissen und Familienstrukturen, beginnend mit der Geburt, weiterführend mit der Hochzeit und der Geburt von Kindern sowie endend mit dem Tod,sind grundlegende Prozesse menschlicher Existenz, von denen alle Bereiche gesellschaftlichen Lebens betroffen sind – Bildung, Wirtschaft, Politik und Kultur. In unserer Zeit wird viel über die Zukunft der Bevölkerungsgröße in Deutschland diskutiert und spekuliert, von den Auswirkungen einer langfristig - zunächst langsam, dann schneller -schrumpfenden Bevölkerung auf den Arbeitsmarkt, auf die Wohnsituation, auf die Zuwanderung und auf die Lebensarbeitszeit bis hin zu Konsummöglichkeiten älterer Menschen. Die Rückschau auf einige demographische Verhältnisse in Fürstenfeldbruck vom Jahr 1803 bis zum Jahr 1981 kann vielleicht manches relativieren.
Bevölkerungsentwicklung 1803 bis 1981 Im Jahr der Säkularisation 1803 hatte Bruck etwa 1000 Einwohner und durch die Auflösung des Klosters stagnierte die Einwohnerzahl der Marktgemeinde einige Jahre. Durch die Ansiedlung staatlicher Behörden und durch die langsam einsetzende Zuwanderung aus dem Landkreis stieg die Einwohnerzahl auf 1349 Personen im Jahr 1840. Die Jahre von 1840 bis 1852 brachten einen starken Anstieg der Bevölkerungszahl auf 1814 Einwohner im Jahr 1852. Im Jahr der Reichsgründung 1871 hatte Bruck dann 2825 Einwohner und im Jahr 1900 lebten schon fast 4000 Menschen in unserer Gemeinde.
Innerhalb der nächsten fünf Jahre stieg die Bevölkerung auf 4461 Personen im Jahr 1905 an, dies entsprach einem Bevölkerungsanstieg von über 10 Prozent in nur fünf Jahren. Dies lag vor allem an der vermehrten Zuwanderung aus den altbayerischen Gebieten seit den 1870er Jahren und an der sinkenden Säuglingssterblichkeit seit den 1880er Jahren. Es folgten Jahre des langsameren Wachstums bis 1925, als Bruck 5084 Einwohner hatte. Innerhalb der nächsten acht Jahre setzte ein massives Bevölkerungswachstum ein, denn im Jahr 1933 lebten hier fast 6000 Menschen, dies lag an der im Vergleich zum Landkreis besseren wirtschaftlichen Situation in Fürstenfeldbruck.
Die nächsten sechs Jahre waren wiederum gekennzeichnet von einem steilen Anstieg der Bevölkerungszahlen, denn im Jahr 1939 lebten schon knapp 9000 Menschen in der Stadt Fürstenfeldbruck, dies war vor allem auf den Bau des Fliegerhorstes, auf die wachsende Bedeutung der Polizeischule, auf einige Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen oder auf den Bau der Schorer-Siedlung zurückzuführen. Die Bevölkerungszahl der Stadt stieg somit innerhalb von sechs Jahren um die Hälfte an. Infolge von Evakuierungen, vor allem aus München, Bayern und Norddeutschland, infolge des Eintreffens von Flüchtlingen aus dem Osten und der Etablierung der amerikanischen Militärregierung sowie des zeitweisen Aufenthalts von sog. „Displaced Persons“ (freigelassene KZ-Häftlinge und ehemalige Zwangsarbeiter u.a.) hatte Fürstenfeldbruck im Jahr 1946 etwas über 11000 Einwohner. In den Jahren 1876 – 1949 gab es in Fürstenfeldbruck 9585 Geburten und 9544 Sterbefälle, ein Beleg dafür, dass der Anstieg der Bevölkerungszahl fast ausschließlich durch Zuwanderung erfolgte.
Die nächsten Jahre, bis zur Mitte der 1950er Jahre, stieg die Bevölkerung nur langsam an, so hatte die Stadt beispielsweise im Jahr 1953 etwa 13000 Einwohner, ein Jahr zuvor war Bruck der 41. größte Ort in Bayern gewesen. Der Bevölkerungsanstieg verlief in den 1950er Jahren nur schleppend, denn im Jahr 1957 hatte die Stadt 13841 Einwohner. Das Jahr 1958 ist als moderne Zäsur in der Bevölkerungsgeschichte unseres Ortes zu sehen, denn innerhalb eines Jahres stieg die Bevölkerungszahl um mehr als 1000 Menschen auf 14989 Menschen an. Hierzu trug auch das langsam in Gang kommende und Arbeitskräfte anziehende Industrieviertel in der Buchenau bei, so beispielsweise das Graugusswerk Borner und die Fa. Butan von Premysl Zoubek.
Kurze Zeit später errichtete Grundig ein Zweigwerk in Fürstenfeldbruck. Die Jahre von 1958 bis zum Bau der S-Bahn im Jahr 1972 – der nächsten Zäsur in der Entwicklung Brucks -brachten dann ein Bevölkerungswachstum auf ca. 22 000 Einwohner im Jahr 1970, vor allem durch Zuwanderung aus München, aus allen Teilen Bayerns, aus dem Ruhrgebiet und aus südeuropäischen sowie südosteuropäischen Ländern. Das Jahr des Anschlusses von Fürstenfeldbruck an das S-Bahn-Netz brachte dann in den nächsten neun Jahren einen weiteren enormen Bevölkerungsanstieg auf 32326 Einwohner im Jahr 1981 mit sich, mittlerweile hatten sich einige international agierende größere Unternehmen bzw. deren Zweigstellen wie die Fa. Güntner oder die Fa. Coca-Cola angesiedelt. Seit den späten 1950er Jahren trug zur Bevölkerungsentwicklung auch das Modell „Wohnen in Fürstenfeldbruck, Arbeiten in München“ entscheidend bei.
Summa summarum lässt sich der Anstieg der Bevölkerung im wesentlichen auf Zuwanderungsbewegungen sowie auf die sinkende Säuglingssterblichkeit und auf die ansteigende Lebenserwartung zurückführen, denn die Anzahl der Kinder pro Ehepaar nahm im Verlauf der Zeit nicht zu, sondern ab.Deshalb beschäftigen wir uns jetzt mit der Familienebene und somit miteinigen wesentlichen Determinanten der Bevölkerungsbewegungen – Zuwanderungsgebiete, Alter bei der Zuwanderung, Hochzeiten, Ledigenquote, Anzahl der Geburten pro Familie, Abstände von Geburten und das erreichte Lebensalter.

Zuwanderungsgebiete 1890 bis 1933 Aus den sich im Stadtarchiv befindlichen Meldeunterlagen gehen die Geburtsorte der Menschen hervor. Die Auswertung beruht auf einer Auswahl von 20 Ehepaaren, die zwischen 1866 und 1915 geboren wurden. Von den Männern wurden jeweils 15 % (= drei Personen) in Fürstenfeldbruck, in München, in anderen Orten Oberbayerns wie Leeder bei Landsberg, Ingolstadt oder Oberlautenbach im Kreis Schrobenhausen sowie in Niederbayern – in Landshut, Deggendorf und Gottfrieding im Kreis Dingolfing – geboren. Zwei Personen kamen aus Schwaben, aus Augsburg und aus Obergermeringen im Kreis Kaufbeuren, zwei Zuwanderer waren aus der Oberpfalz, aus Sulzbach (das heutige Sulzbach-Rosenberg) und Hannesried im Kreis Oberviechtach, aus dem unterfränkischen Krombach im Kreis Alzenau und aus dem mittelfränkischen Übermatzhofen im Kreis Weißenburg wanderte jeweils eine männliche Person der Stichprobe zu.
Aus Württemberg stammten zwei Personen, nämlich aus Dorndorf bei Laupheim und aus Pforzheim. Auffällig ist die Dominanz der Zuwanderung aus den altbayerischen Gebieten und die geringe Anzahl der in Fürstenfeldbruck Geborenen. Ähnliches ist für die Frauen zu konstatieren, denn ebenfalls nur drei von zwanzig Frauen waren in Fürstenfeldbruck geboren, ein Viertel jedoch in München und ebenfalls 25 % in Oberbayern – in Mauern im Landkreis Freising, in Bicheln bei Ainring im Kreis Laufen, in Landsberg, in Ingolstadt und in Holzkirchen.
Zwei Frauen wanderten aus Niederbayern zu, aus Moosthening im Kreis Dingolfing und aus Oberegglham im Landkreis Pfarrkirchen, jeweils eine Frau kam aus der Oberpfalz, aus Mittelfranken und aus Württemberg. Die Zuwanderung nach Fürstenfeldbruck in dieser Zeit scheint sich also vornehmlich aus Altbayern und in einer nicht zu unterschätzenden Größenordnung aus München vollzogen zu haben. Weitere Forschungen müssen die Ergebnisse der Stichprobe bestätigen oder widerlegen.

Zuwanderungsalter und Heiratsalter 1890 bis 1933 Die Männer wanderten im Durchschnitt im Alter von 32 Jahren nach Fürstenfeldbruck zu, das Zuwanderungsalter variierte zwischen 19 und 54 Jahren, knapp die Hälfte war bei der Zuwanderung höchstens 30 Jahre alt, bei den Frauen verhielt es sich ähnlich. Das durchschnittliche Heiratsalter der Männer betrug 28 Jahre, 30 % waren bei der Heirat 21 – 25 Jahre alt, 40 % waren 26 – 30 Jahre alt und ebenfalls 30 Prozent heirateten im Alter zwischen 31 und 40 Jahren, keiner war jünger als 21 Jahr und keiner älter als 40 Jahre. Das durchschnittliche Heiratsalter der Frauen betrug 25 Jahre, die Hälfte war bei der Hochzeit höchstens 25 Jahre alt und 35 % heiratete im Alter zwischen 26 und 30 Jahren. In knapp zwei Drittel der Fälle war der Mann älter als die Frau, in jedem vierten Fall waren Männer und Frauen gleich alt, in ca. 10 % der Fälle war die Frau älter als der Mann. Die Ledigenquote dieser Stichprobe lag bei null.

Kinderzahl und Abstand zwischen den Geburten Drei Ehepaare hatten keine Kinder, jeweils vier Ehepaare hatten ein Kind, zwei Kinder, drei Kinder oder vier Kinder, ein Ehepaar hatte sechs Kinder. Der jüngste Mann war bei der Geburt des ersten Kindes 24 Jahre alt, der älteste Mann war bei der Geburt des letzten Kindes 52 Jahre alt. Die jüngste Frau wies bei der Geburt des ersten Kindes ein Alter von 20 Jahren auf, bei der Geburt des letzten Kindes war die älteste Frau 40 Jahre alt. Die Abstände zwischen den Geburten betrug in ca. 40 % der Geburten 1 – 2 Jahre, in ebenfalls ca. 40 % der Geburten 3 – 5 Jahre und in knapp einem Fünftel der Fälle vergingen zwischen den einzelnen Geburten mehr als fünf Jahre. In unserem Untersuchungszeitraum wurde also in Fürstenfeldbruck eindeutig Geburtenkontrolle betrieben. Die Männer unserer Untersuchungsgruppe erreichten ein durchschnittliches Lebensalter von 72 Jahren, ein knappes Drittel von ihnen wurde über 80 Jahre alt.

Fazit Blicken wir noch einmal zurück: Im Jahr 1803 hatte Bruck etwa 1000 Einwohner, im Juni 2009 lebten in unserer Stadt 34014 Einwohner. Aus kleinen Anfängen heraus entwickelte sich Fürstenfeldbruck innerhalb der letzten zweihundert Jahre zu einem der größten und wirtschaftlich wichtigsten Orte im Umland von München. Nach München, Ingolstadt, Rosenheim, Freising, Dachau und Germering ist Fürstenfeldbruck heute zusammen mit der altbayerischen Herzogsstadt Erding die siebtgrößte Stadt in Oberbayern. In Orten wie Weilheim, Traunstein, Wasserburg am Inn, Bad Tölz oder Garmisch-Partenkirchen leben - zum Teil deutlich - weniger Menschen als in Bruck, und auch so bekannte Orte im Großraum von München wie Landsberg am Lech oder Starnberg haben weniger Einwohner als Fürstenfeldbruck.

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