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Januar 2010 - Das Metzgerhandwerk in Fürstenfeldbruck
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Der Metzgermeister Wolfgang Hempfling (1852 – 1938)
von Dr. G. Neumeier

Seit dem späten Mittelalter gehörte das Nahrungsmittelhandwerk in Bruck zu den wichtigsten Gewerbezweigen. Die Metzgermeister spielten von der Ortsgründung bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts eine zentrale Rolle im Wirtschaftsleben des Marktes. In der Mitte des 18. Jahrhunderts hatte das Metzgerhandwerk eine große Bedeutung, es konnte sich im Jahr 1761 von Kurfürst Maximilian Joseph eine Zunftsatzung genehmigen lassen. Oftmals waren die Metzger Hausbesitzer und gehörten zum Teil zur wirtschaftlichen Oberschicht. Hausbesitzer waren beispielsweise Veit Höfele im späten 17. Jahrhundert (Münchner Straße 12) oder einzelne Mitglieder der Familie Roming im 17. und 18. Jahrhundert, die für eine gewisse Zeit die Besitzer der Häuser Bullachstraße 5, Ledererstraße 6 und Schöngeisingerstraße 1 sowie des Anwesens an der Hauptstraße 18 waren.

Der Metzgermeister Florian Schlammerl besaß im späten 19. Jahrhundert das Haus an der Ledererstraße 6 und hatte seine Metzgerei an der Amperbrücke. Johann Kneißl, der seine Metzgerei in Bruck seit 1904 betrieben hatte, konnte im Jahr 1919 das Haus Hauptstraße 16 erwerben. Die Familie Kneißl betrieb bis zum Ende des 20. Jahrhunderts eine Metzgerei, das Haus an der Hauptstraße 16 beherbergt seit 1891 bis heute ununterbrochen eine Metzgerei. Das Anwesen Hauptstraße 21 befand sich von 1625 – 1799 ausschließlich im Besitz von Metzgern. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm die wirtschaftliche Rolle der Metzger im Vergleich zu anderen Berufsgruppen und im Vergleich zu vergangenen Zeiten ab, doch noch immer gehörten die Metzgermeister zu den nicht schlecht situierten Personenkreisen. Einer der Brucker Metzgermeister aus dieser Zeit war Wolfgang Hempfling, der heute vorgestellt werden soll.



Soziale und geographische Herkunft


Wolfgang Hempfling wurde am 24.8.1852 in Donndorf im Kreis Bayreuth geboren. Zum Zeitpunkt seiner Geburt hatte sein Geburtsort 433 Einwohner und war fast ausschließlich agrarisch geprägt. Seine Eltern waren der am 24.5.1815 in Donndorf geborene Johann Leonhard Hempfling sowie Erna Barbara Hempfling, geborene Höhn, die am 12.12.1807 in Heinersreuth im Kreis Bayreuth auf die Welt kam. Der Vater von Wolfgang Hempfling war Landwirt, beide Elternteile waren evangelisch, Johann Hempfling starb am 7.9.1876, seine Ehefrau Erna am 28.4.1888, beide in Donndorf.




Beruflicher und familiärer Werdegang


Wolfgang Hempfling erlernte in dörflicher Umgebung das Metzgerhandwerk und heiratete am 25.9.1887 in Bayreuth seine Partnerin Katharina Hempfling, die am 5.4.1857 geboren worden war. Seine Ehefrau war katholisch, das Ehepaar heiratete katholisch, die am 4.6.1881 geborene Tochter Johanna war katholischen Glaubens, Johanna Hempfling heiratete später den städtischen Inspektor Simon Feldmeier. Der Geburtsort der Tochter – München – lässt es als möglich erscheinen, dass der Metzger Wolfgang Hempfling im frühen Erwachsenenalter, wahrscheinlich nach seiner Lehrzeit, nach München zugewandert war. In den späten 1870er und in den 1880er Jahren arbeitete Hempfling als Metzgergeselle, er legte die Prüfung zum Metzgermeister ab, wahrscheinlich Ende der 1880er Jahre und vermutlich im Kreis Bayreuth. Im Jahre 1891 wanderte Wolfgang Hempfling im Alter von 39 Jahren nach Fürstenfeldbruck zu. Er betrieb die Metzgerei im Hirschwirtsanwesen.

Das Hirschwirtanwesen (Quelle: Sammlung Adolf Wirth, Fürstenfeldbruck)




Metzger in Fürstenfeldbruck


Der protestantische Metzgermeister Wolfgang Hempfling kam in das in den 1890er Jahren zu etwa 90 Prozent von Katholiken bewohnte Fürstenfeldbruck, alle anderen Metzgermeister am Ort waren katholisch und zum Teil in Bruck oder in der näheren Umgebung geboren. Der berufliche Anfang in Bruck dürfte für Hempfling nicht leicht gewesen sein. Bruck, das zum Geburtszeitpunkt von Hempfling im Jahr 1852 ca. 1800 Einwohner hatte, nahm vor allem nach der Reichsgründung im Jahr 1871, als der Ort 2825 Männer, Frauen und Kinder zählte, einen starken Aufschwung. Dieser wirtschaftliche und soziale Aufschwung beschleunigte sich im letzten Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg noch, denn die Bevölkerungszahl stieg von 3906 Einwohnern im Jahr 1900 auf 4747 Personen im Jahr 1910. Parallel zum Aufstieg von Fürstenfeldbruck ab der Mitte des 19. Jahrhunderts verlief zunächst der Aufschwung des Metzgerhandwerks.

Das Nahrungsmittelhandwerk insgesamt konnte also eine wachsende lokale Kundschaft bedienen, die sich auch auf den Landkreis erstreckt haben dürfte. Das Absatzgebiet der Metzger in Fürstenfeldbruck umfasste den Ort selbst, den Landkreis und möglicherweise zum Teil auch das nahe gelegene München. Im Jahr 1900 gab es in Bruck sieben Bäckereien, beispielsweise Ludwig Aumiller am St. Leonhardsplatz, fünf Brauereien - wie z. B. die Gerblbrauerei am Marktplatz, die Marthabrauerei am Marktplatz (heutige Hauptstraße) oder das Bayerische Bräuhaus an der Maisacherstraße -, die Anzahl anderer Handwerkszweige betrug u.a. vier Schmiedmeister, acht Schneidermeister, vierzehn Schuhmachermeister und sieben Schreinermeister.

Neben Wolfgang Hempfling, der in der Augsburger Straße wohnte und arbeitete, gab es in Fürstenfeldbruck im Jahr 1900 noch weitere fünf Metzgermeister, nämlich Josef Manhart an der Maisacherstraße, Ursula Reiß an der Schöngeisingerstraße, Florian Schlammerl am Marktplatz, Heinrich Volkmann sowie Johann Widmann – beide an der Hauptstraße -, dazu den Pferdemetzger Kaspar Förg an der Schöngeisingerstraße. Dies waren die unmittelbaren Konkurrenten von Wolfgang Hempfling.

Vor allem in den Jahren der Gewerbefreiheit von 1868 bis 1914 war der Markt für die Metzger sehr umkämpft, was durch die häufigen Gewerbeanmeldungen und Gewerbeabmeldungen belegt ist. In den 1890er Jahren könnte das Metzgerhandwerk auch überbesetzt gewesen sein. Sehr wichtig für den Absatz der Metzger waren die im Jahr 1900 neunzehn (!) bestehenden Gastwirtschaften – bei knapp 4000 Einwohnern - am Ort, so zum Beispiel der Gasthof Zur Post, die Wirtschaft von Josef Bichler am Marktplatz, die Gastwirtschaft Zur Sonne, der Jungbräu oder die Klosterwirtschaft zu Fürstenfeld.
Hempfling schien in Fürstenfeldbruck wirtschaftlichen Erfolg gehabt zu haben, darauf deutet zum Beispiel die Tatsache hin, dass er im Mai 1901 – zehn Jahre nach seiner Zuwanderung nach Fürstenfeldbruck - für 75 DM das Bürgerrecht erwerben konnte, zeitgleich mit dem Bäckermeister Josef Hößle und dem Badereibesitzer Xaver Welzhofer. Ausdruck seines wirtschaftlichen Erfolgs war auch, dass er im Jahre 1911 in der Hauptstraße 33 wohnte und dort die Metzgerei betrieb. Ausserdem belieferte er seit dem Jahr 1892 – also bereits ein Jahr nach seiner Zuwanderung -das Krankenhaus, womit er einen wichtigen und großen dauerhaften Kunden hat gewinnen können. Aus unbekannten Gründen kündigte entweder die Marktgemeinde Bruck oder Hempfling im Jahre 1911 den Liefervertrag für die Fleischlieferung an das Krankenhaus, Hempfling verlor also seinen wichtigsten Einzelkunden. Auch in der Bevölkerung, also zweifellos bei der wichtigsten Kundschaft, muss der Metzgermeister Hempfling mit seinen Produkten erfolgreich gewesen sein, zumindest von 1892 bis 1914/15.

Im Dezember 1914 starb seine Ehefrau Katharina, Hempfling war somit27 Jahre verheiratet und beim Tod seiner Frau 62 Jahre alt. Seit der zweiten Hälfte des Jahres 1915 arbeitete Wolfgang Hempfling bei dem 1909 gegründeten städtischen Schlachthof, eine Tätigkeit, der er bis 1931, also bis ins hohe Alter, nachging. Was ihn bewogen hat, seinen Metzgerbetrieb aufzugeben ist unklar, möglicherweise erfolgte die Aufgabe der Metzgerei kriegsbedingt und/oder altersbedingt. In der Woche des 8. bis 14. Februars 1915 hatte Hempfling als selbständiger Metzgermeister noch sechs Schweine und ein Kalb geschlachtet, seine Konkurrenten Estermann und Kneißl kamen auf sechzehn bzw. zehn Tiere.

Im Februar 1916 lehnte das Königliche Bezirksamt Fürstenfeldbruck das Gesuch von Hempfling um Zulassung zum Viehhandel „aus Gründen der Gleichmässigkeit“ ab. Im Jahr 1918 hatte er einen schweren Unfall. In den frühen 1920er Jahren steckte er offensichtlich in erheblichen wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten, denn in seinem Personenstandsbogen aus dem Jahre 1937 ist davon die Rede, dass er ein „Opfer der Geldentwertung“ – dies war der Jargon des NS-Regimes und vorwiegend, aber möglicherweise nicht nur eine propagandistische Aussage – sei.

Auch die Tatsache, dass er im hohen Alter – bis 79 Jahre - noch arbeitete, deutet auf seine prekäre ökonomische Situation im Alter sowie auf die dürftige staatliche und kommunale Unterstützung alter Menschen in der Weimarer Republik hin. Im Jahr 1926 wohnte er in der Ledererstraße 1, auch dies ein Zeichen seines relativen wirtschaftlichen und sozialen Abstiegs. Hempfling war weder Mitglied der NSDAP noch Mitglied in einer anderen NS-Organisation. Bürgermeister Adolf Schorer hat ihm 1937 zum 85. Geburtstag gratuliert. Wolfgang Hempfling starb am 28.4.1938 im Fürstenfeldbrucker Krankenhaus, er bekam in der lokalen Presse einen kurzen Nachruf.





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Stadtarchiv - Artikel von November 2009
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