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August 2010 - Die wirtschaftliche Entwicklung Fürstenfeldbrucks von 1937 bis 1966
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von Dr. G. Neumeier

Der nachfolgende Artikel ist der sechste Beitrag der Serie „75 Jahre Stadterhebung Fürstenfeldbruck“. Die Serie beleuchtet in insgesamt zehn Folgen typische Meilensteine der Entwicklung Fürstenfeldbrucks seit dem Jahr 1935.



Die NS-Zeit


Zwei Jahre nach der Stadterhebung 1935 herrschte in unserem Ort im Jahr 1937 Vollbeschäftigung, Bruck hatte ca. 8000 Einwohner und die Erwerbsquote lag bei ca. 48 %. In unserem Ort dominierten kleingewerbliche Strukturen, der mit Abstand größte Arbeitgeber war der Fliegerhorst, größter privater Arbeitgeber war der Metallwarenfabrikant Fritz Paulin, Industriebetriebe fehlten, bedeutend war auch die Marthabrauerei. Zwei Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gab es 211 selbständige Handwerksunternehmen und 57 Einzelhandlungen.

Von der Bautätigkeit – vor allem im Westen und am Fliegerhorst - in der Stadt profitierten in unterschiedlichem Ausmaß die sechs vorhandenen Baugeschäfte, dies waren Georgine Hoch, Kaspar Hofmeier, Hans Sitzmann, Anton Schwarz, Sebastian Unkmeier und Leonhard Wild, die alle zu den vergleichsweise großen Handwerksbetrieben mit überdurchschnittlicher Beschäftigtenzahl gehörten. Etliche der 1937 bestehenden sieben Bäckereien – Hans Brunnhuber, Martin Buchauer, Lukas Drexler, Josef Huber, Jakob Scharlach, Josef Schwalber und Max Wimmer – konnten schon auf eine langjährige Unternehmenstradition zurückblicken.

Es bestand eine diversifizierte Gewerbestruktur mit allen für das Alltagsleben notwendigen Produkten, von dem Bandagisten Friedrich Streifeneder, den Buchbindern Franz Schlaegel und Josef Woderer, den Elektroinstallateuren Johann Buck, Alois Hummel, Anton Schmeller und Michael Weigl, den Friseuren Heinrich Berger, Josef Eigner, Hermann Grobe, Leo Hempfling, Jakob Herrmann, Josef Kleeblatt, Xaver Moosburner, Josef Singer, Anton Schweger, Betty Stelzer, Maria Stelzer und Georg Weigl über den Kaminkehrer Alois Eberl, den Malern Leonhard Bals, Franz Biber, Johann Enzberger, Martin Hutter, Magnus Mohn, Ludwig Nauderer, Michael Sedlmeier, Hans Schmid, Martin Schmidt, Josef Schmelcher und Josef Stetter bis zu den Sattlern Jakob Eicher, Michael Ludwig und Rosina Rieg sowie 26 Damenschneiderinnen und 11 Schreinereien.

Über die individuellen Entwicklungen der Handwerksbetriebe zu berichten würde den Platz sprengen, tendenziell prosperierten alle Unternehmen – branchenabhängig mehr oder weniger - in der Zeit bis zum Kriegsbeginn und mussten danach, in unterschiedlichem Ausmaß, um ihre Existenz kämpfen, einige wenige mussten ihren Betrieb schließen.




Die Nachkriegszeit 1945 – 1949


In dieser Zeit bestanden die Hauptprobleme für die Betriebe in der Platz- und Raumnot für ihre Gewerbe sowie im Fehlen von Materialien aller Art. Etwa drei Viertel der 1937 bestehenden Handwerksunternehmen und Einzelhandlungen konnten auch in der Nachkriegszeit ihren Betrieb weiterführen. Größter Arbeitgeber war wiederum der Fliegerhorst, der im Jahr 1946 über 1400 deutsche Zivilisten beschäftigte, fast ein Drittel aller Erwerbstätigen arbeitete also bei der amerikanischen Besatzungsmacht.

In den Jahren 1945 – 1948 produzierten weiterhin die Traditionsunternehmen Gebrüder Brameshuber, die Wachs und Kerzen herstellten sowie im Jahr 1948 30 Personen, vor allem Frauen, beschäftigten und das Unternehmen von Hans Loder, welches Vorrichtungen für Kartoffelbe- und Verarbeitungen bzw. Milchkannen- und eimer mit 35 Arbeitern herstellte. Neugründungen nach dem Kriegsende und zugleich die größten Industriebetriebe am Ort im Jahr 1948 waren die Textilwarenfabrik A. Kohl mit 60 Heimarbeitern, das Unternehmen Fischer und Stranski, welches Knöpfe sowie Glasornamente herstellte und 60 Heimarbeiter beschäftigte sowie die Fa. H. Haury, eine Zweigstelle der Zentrale in München, die mit 30 hauptsächlich weiblichen Arbeiterinnen in ihrer Chemischen Fabrik vor allem Desinfektionsmittel und Saccharine produzierte.

Die letztgenannten Unternehmen waren ein Beleg für die Bedeutung von Flüchtlingsbetrieben. In den Jahren 1946 und 1947 herrschte eine hohe Arbeitslosigkeit, der viele Menschen durch den Schritt in die Selbständigkeit zu entrinnen versuchten. Allein vom 4.6.1945 bis 30.8.1945 beantragten 106 Personen (!), ein Gewerbe eröffnen zu dürfen. Von diesen Gesuchen wurden etwa 60 % genehmigt, ein Drittel abgelehnt und der Rest weitergeleitet bzw. zurückgestellt. Im Zeitraum von Juni 1945 bis September 1949 versuchten 646 Personen (!), ein Gewerbe zu gründen, ca. 56 % von ihnen wurde dies genehmigt, bei knapp einem Drittel wurde das Gesuch abgelehnt, meistens wegen nicht vorhandenen Räumen, mangelnder Qualifikation oder weil nach Auffassung des Stadtrates kein Bedürfnis vorlag.

Auch die Wirtschaftsauffassung des Stadtrates spielte ein Rolle, denn beispielsweise wurde der Zweigbetrieb der Hosenfabrik von Karl Rueskäfer abgelehnt, weil sich die Stadtverwaltung mit einer „Ansiedlung von Industriebetrieben nicht befreunden kann, da Fürstenfeldbruck seinen Charakter als reine Wohnstadt behalten soll“. Ungefähr ein Viertel der Antragsteller versuchte einen Handwerksbetrieb zu gründen, etwa ein Drittel wollte ein neues Handelsgeschäft eröffnen und ebenfalls ein Drittel wollte sich selbständig im Dienstleistungsgewerbe betätigen. Oftmals versuchten die Menschen Schneidereien und Schuhmachereien zu eröffnen, einen Lebensmittelhandel zu gründen oder sich in den Bereichen Bildung, Transportunternehmen und Gesundheitswesen selbständig zu machen.

Von den in diesem Zeitraum beantragten Betrieben existierten im Jahr 1962 noch etwa ein Viertel, d. h. die Mehrzahl der Betriebsgründer musste bald wieder aufgeben. Eines von den 1962 noch bestehenden Unternehmen war die Schneiderei von Benno Zotz, ein anderes das Lastfuhrunternehmen von Hans Stummer




Die Jahre 1950 bis 1966


Mit der Einführung der Gewerbefreiheit 1949, der Währungsreform 1948 und den Mitteln aus dem Marshallplan begann der wirtschaftliche Aufstieg auch in Fürstenfeldbruck. Die 1950er und die 1960er Jahren brachten einen Gründungsboom, viele Menschen wagten erfolgreich den Sprung in die Selbständigkeit. Das Wachstum in den 1950er Jahren war auch auf den Nachfragestau während des Krieges zurückzuführen. In diesen Jahren hat sich nördlich der Bahnlinie zwischen dem Ortsteil Buchenau und dem Neubaugebiet Fürstenfeldbruck-West auch Industrie angesiedelt.

Im Jahr 1961 waren ca. 24 Prozent der Beschäftigten Vertriebene, vor allem aus dem Sudetenland und Schlesien, sowie etwa sechs Prozent der Beschäftigten kamen aus der DDR. Von den in diesem Jahr bestehenden 240 Betrieben im produzierenden Gewerbe fielen 218 auf Handwerksbetriebe, in denen 1300 Personen arbeiteten, d. h. auf einen Handwerksbetrieb entfielen durchschnittlich sechs Personen. Etwa 60 % der Beschäftigten arbeitete im Tertiären Sektor. Die Arbeitsstättenstruktur konnte also als ziemlich ausgeglichen betrachtet werden, dies spiegelte die Funktion Fürstenfeldbrucks als Verwaltungs-, Handels- und Gewerbezentrum wider.

Der Anteil der Auspendler war von 17 % im Jahr 1950 auf 34 % im Jahr 1961 gestiegen, der der Einpendler von 27 % im Jahr 1950 auf 35 % im Jahr 1961. Im Jahr 1961 gab es insgesamt 820 Arbeitsstätten in Fürstenfeldbruck, die Erwerbsquote lag bei 39 % und damit niedriger als in der Bundesrepublik Deutschland, die im Jahr 1960 bei 48 % angekommen war. In den 1950er- und in der ersten Hälfte der 1960er Jahre dominierten in Fürstenfeldbruck wie überall in der BRD die „Tante-Emma-Läden“, der Trend zu Supermärkten und Ladenketten setzte jedoch bald ein.

Die Dominanz des Bau- und des Textilgewerbes war auch im Jahr 1965 offensichtlich, denn 42 % der Handwerksbetriebe war im weitesten Sinne dem Baugewerbe und 28 %der Handwerksbetriebe dem Textilgewerbe zuzurechnen. Das Textilgewerbe war dominiert von den Flüchtlingen und der Boom des Baugewerbes auf die stark steigenden Bevölkerungszahlen sowie auf das damit verbundene Wachstem der Stadt seit dem Jahr 1958 zurückzuführen. Diese Entwicklung führte dazu, dass es im Jahr 1965 13 Architekten in Fürstenfeldbruck befanden. Auch die Zunahme des Autoverkehrs und die beginnende Massenmotorisierung schlug sich, beispielsweise im Jahr 1965, auf die Wirtschaftsstruktur nieder.

In diesem Jahr gab es vier Autoreparaturwerkstätten, drei Autolackierereien, zwei Autosattlereien, zwei Vulkanisierbetriebe, 10 Tankstellen, sechs Fahrschulen und 10 Taxiunternehmen. Stark boomten auch Metallbetriebe sowie Betriebe für Gesundheits- und Körperpflege. Am Ende unseres Untersuchungszeitraums zeigten sich Ansätze zur Ansiedlung von größeren Industriebetrieben, denn 1965 existierten die Butan AG (Tankbau) mit 150 Beschäftigten, die Textilfabrik Univers/Orchidee (Badeanzüge) mit 140 Beschäftigten, die Getränkefabrik Meier & Co. mit 50 Beschäftigten, die Grundig-Radiowerke mit 25 Beschäftigten im Kloster Fürstenfeld und die Maschinenbaufirma Anton Höhne in der Buchenauerstraße.

Hauptgeschäftsstraßen waren jedoch immer noch die Hauptstraße, die Augsburger-, die Pucher-, die Schöngeisinger- (bis zum Viehmarkt) und die Kirchstraße sowie der Leonhardsplatz. Im Jahr 1966 schließlich gab es zwischen 850 und 900 Betriebe bzw. Arbeitsstellen, wobei der öffentliche Dienst eine nicht zu unterschätzende Rolle spielte.





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Stadtarchiv - Artikel vom August 2010
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